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Ist dieses Denkmal noch zu retten?

Das Haus in Tharandt am Akademieweg 2 verfällt seit Jahren. Jüngst wechselte es den Eigentümer. Der muss nun erst einmal die Standsicherheit nachweisen.

Das Haus im Akademieweg 2 in Tharandt steht in Sichtweite der zuständigen Verwaltung im Tharandter Rathaus (rechts).
Das Haus im Akademieweg 2 in Tharandt steht in Sichtweite der zuständigen Verwaltung im Tharandter Rathaus (rechts). © Karl-Ludwig Oberthür

Das sieht schon abenteuerlich aus. Der Sandsteinsims überm Fenster des ehemaligen Ladengeschäftes im Akademieweg 2 in Tharandt ist mit zwei mehr oder weniger starken und einigermaßen gerade gewachsenen Stämmchen abgestützt. Auch sonst macht das augenscheinlich baufällige Haus nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck. Kein Wunder also, dass Passanten lieber schnell vorübereilen, um sich nicht in Gefahr zu bringen, falls doch mal ein Stein auf die Straße stürzt.

Viele Tharandter haben sich an den Zustand gewöhnt, doch längst nicht jeder findet sich damit ab. Ein Leser bat nun die Sächsische Zeitung darum, die Situation aufzuklären. Eine Nachfrage bei der Stadt Tharandt bringt zumindest den momentanen Sachstand ans Licht. Das Haus habe im Oktober 2019 den Besitzer gewechselt, heißt es aus dem Rathaus. Unabhängig davon sei die Stadtverwaltung sowohl mit dem vorherigen Eigentümer, als auch mit dem neuen in Kontakt.   

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Die jeweiligen Besitzer der Immobilie sind in den vergangenen Jahren von der Stadt immer wieder mal auf jeweilige bauliche Mängel hingewiesen worden. So zum Beispiel auf defekte Fenster, lose Dachziegel und anderes. Sie wurden dann aufgefordert, ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Das sei dann auch immer geschehen, wie jeweilige Nachkontrollen durch das Ordnungsamt ergeben hätten. "Angezeigte Mängel wurden also nach Hinweis auch jeweils behoben", schreibt dazu Holger Jakob vom Ordnungsamt der Stadt auf Anfrage der Sächsischen Zeitung.

Tharandter haben sich an diesen wackeligen Anblick im Akademieweg 2 gewöhnt. Doch nicht alle können sich damit abfinden.
Tharandter haben sich an diesen wackeligen Anblick im Akademieweg 2 gewöhnt. Doch nicht alle können sich damit abfinden. © Karl-Ludwig Oberthür

Allerdings bedauert man in der Stadtverwaltung, die direkt gegenüber im Rathaus mit Blick auf das Haus sitzt, dass bisher trotz möglicher Förderung eine Sanierung nicht in Angriff genommen wurde. "Bereits 2009 hat die Stadt Tharandt gemeinsam mit ihrem Sanierungsträger der damaligen Hauseigentümerin Fördermittel angeboten und Möglichkeiten aufgezeigt, wie eine Sanierung des Hauses im Stadterneuerungsprogramm (SEP) mit Geldern von Bund, Freistaat und Stadt (jeweils 1/3) gefördert werden kann", teilt die Verwaltung mit. Leider habe die damalige Eigentümerin diese Möglichkeit nicht genutzt. Im Zuge dieses Angebotes hatte der Bautechniker des Sanierungsträgers am 18. März 2009 auch für die Eigentümerin eine Gebäudeerhebung erstellt und vorgelegt. "Leider wurde kein Förderantrag gestellt."

Seit Oktober 2019 gibt es nun einen neuen Eigentümer, der zwischenzeitlich auch den teilweise entstandenen Bewuchs beseitigt und zumindest für Ordnung im Umfeld des Gebäudes gesorgt hat. "Auch jetzt könnte die Stadt eine Sanierung immer noch mit Fördermitteln unterstützen", sagt die Verwaltung. 

Nach Abschluss des SEP hat sich Tharandt erfolgreich für ein neues Städtebauprogramm beworben und setzt nun seit einigen Jahren im Stadtumbauprogramm (SUP) neben einem Drittel städtischer Finanzen auch weiterhin Fördergelder von Bund und Land ein, um in die Innenstadt zu investieren. Dabei geht es ums Rathaus, Straßen, Wege, Plätze, Parkflächen sowie das  Burgberg-Areal. Davon profitieren auch alle privaten Eigentümer, deren Haus in der sogenannten Gebietskulisse liegt.

Denkmalschutz bietet Hilfe an

Auch im Landratsamt weiß man um die Situation des Hauses im Akademieweg 2 in Tharandt. Die kommissarische Amtsleiterin des Bauamtes, Marion Tränkner, sagt dazu: "Der Bauzustand ist dem Landratsamt bekannt, die Stadtverwaltung Tharandt zeigte ihn am 15. April 2020 der unteren Bauaufsichtsbehörde an. Die Denkmalschutzbehörde ist ebenfalls informiert."

Der Eigentümer sei dazu bereits schriftlich angehört worden und wurde aufgefordert, erste Sicherungsmaßnahmen in Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde einzuleiten. "Sollte er dies nicht tun, besteht für die Behörde die Möglichkeit, entsprechend baurechtlich einzuschreiten."

Eine Erklärung oder gar Pläne des neuen Eigentümers für eine Sanierung seien dem Bauamt bisher nicht bekannt. Auch einen Abriss habe er nicht beantragt. Dieser müsste denkmalschutzrechtlich geprüft werden. Das heißt, wenn eine Sanierung des Hauses noch möglich ist, würde ein Abriss nicht genehmigt.

Auch die Stadt hat ein Interesse daran, dass das Haus erhalten bleibt. So wurde der neue Eigentümer durch das Ordnungsamt im März erneut angeschrieben und aufgefordert, lose Dachziegel zu beseitigen und einen Standsicherheitsnachweis zu erbringen. Das wird in den nächsten Wochen passieren, ansonsten könnte die Stadt weitere rechtliche Schritte prüfen und einleiten.

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