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Bauherren trotzen Hausschwamm und Geldnot

Die Sanierung des ehemaligen Pfarrlehens in Wendishain war eine heikle Sache. Jetzt wird die Mühe belohnt.

Das große Bett im Gästezimmer des Denkmal- und Kulturgästehauses „Zum Pfarrlehen“ war ein Zufallsfund bei einer Haushaltsauflösung. Eigentlichen wollten die Bauherren Diane Berger-Schmidt und Thomas Schmidt dort nur einen Spiegel holen.
Das große Bett im Gästezimmer des Denkmal- und Kulturgästehauses „Zum Pfarrlehen“ war ein Zufallsfund bei einer Haushaltsauflösung. Eigentlichen wollten die Bauherren Diane Berger-Schmidt und Thomas Schmidt dort nur einen Spiegel holen. © Foto: Dietmar Thomas

Wendishain. Es ist fertig. Nach fünf Jahren, vielen bürokratischen Hürden, finanziellen Sorgen und viel Muskelkraft haben Diana Berger-Schmidt und Thomas Schmidt aus Minkwitz es geschafft. In das ehemalige Pfarrlehen in Wendishain ist wieder Leben eingezogen.

Dabei war 2011 nicht klar, was einmal aus dem Gebäude, in dem einst Pfarrer und Schule untergebracht gewesen sind, werden sollte. Thomas Schmidt hat es über eine Bürgschaft erhalten. Eigentlich sollte in dem Objekt ein Kindergarten entstehen. Ein Verein, an dessen Spitze Schmidt stand, hatte sich dafür starkgemacht. Doch daraus wurde nichts. „Eigentlich wollten wir das Haus damals verkaufen“, sagt Diana Berger-Schmidt. Ein unmögliches Unterfangen. Denn das Haus, in dem bis Anfang der 2000er eine Familie gelebt hat, stand lange leer. Es war mit Hausschwamm befallen. Die Heizung war defekt.

Stars im Strampler aus Döbeln
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„Im April 2014 hatte ich ein bisschen Zeit und habe angefangen, in dem Haus aufzuräumen“, sagt Diana Berger-Schmidt. Dabei sei das wirkliche Ausmaß des Schwammbefalls erst deutlich geworden. Der Dachübergang zwischen den beiden Gebäuden, das Haupthaus stammt aus den Jahren 1717 bis 1719, das Nebengebäude aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sei fehlerhaft gewesen. Durch diesen sei über die Jahre Nässe eingedrungen. „Es war sinnlos, das Haus zu verkaufen“, so das Ehepaar. Vor allem der Zustand des Seitengebäudes, in dem einst die Schule untergebracht war, sei schlecht gewesen.

Langsam entstand die Idee, doch etwas aus dem Komplex zu machen, den Thomas Schmidt seit seiner Kindheit kennt. „Meine Urgroßeltern liegen auf dem Wendishainer Friedhof. Sonntags oder wenn Besuch aus dem Westen da war, sind wir immer dorthin gegangen“, berichtet der 51-Jährige. Das Gebäude lag ihm am Herzen. „Also haben wir noch einmal bei null angefangen“, sagt Diana Berger-Schmidt. Stück für Stück entstanden, in Zusammenarbeit mit einer Architektin, die ersten Pläne. Irgendwann stand das Konzept für das ehemalige Pfarrlehen. Es sollte zu einem Denkmal- und Kulturgästehaus werden, das in der Region seinesgleichen suchen wird.

Das Fenster im Treppenhaus des Haupthauses aus dem 18. Jahrhundert ist das älteste im Haus.
Das Fenster im Treppenhaus des Haupthauses aus dem 18. Jahrhundert ist das älteste im Haus. © Foto: Dietmar Thomas

Doch die Idee sorgte vor allem bei den Geldgebern für Skepsis. Mehrfach sei der Bauablauf durch sehr zögerliche Finanzierungszusagen der Banken gefährdet gewesen, schreiben die Bauherren in ihrer Bewerbung für den Wettbewerb „Ländliches Bauen“ des Sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft. Bis auf 30.000 Euro für Denkmalschutzpflege seien in Wendishain keine Fördermittel verbaut worden, sagt Thomas Schmidt. Die langwierige Beantragung und die mit der Förderung verbundenen Zwänge hätten das Ehepaar davon abgehalten. Bis 2016 schafften es die hauptberuflichen Restauratoren, immer wieder in das Ensemble zu investieren. Dann geriet das Vorhaben ins Stocken. „Noch einen Monat, dann hätten wir beide Privatinsolvenz anmelden müssen“, schildert Diana Berger-Schmidt. Hilfe fand das Paar bei einer Krisenberaterin. So konnte das Projekt fortgeführt werden.

Scheibchenweise, sagt Diana Berger-Schmidt, haben die beiden an dem Gebäude gearbeitet. Sie haben gefliest, Dächer gedeckt, gemalert, Fenster und Türen restauriert. Fachliche Unterstützung gab es in Sachen Holzschutz und Zimmererarbeiten, Elektrik sowie bei den Themen Heizung und Sanitär. Das Ehepaar hat bei der Sanierung des Hauses darauf geachtet, die bestehenden Materialien wiederzuverwenden. „Wir haben viel repariert“, sagt Diana Berger-Schmidt. „Wir haben mit traditionellen Materialien gearbeitet, um die Reparierbarkeit zu gewährleisten“, betont Thomas Schmidt. Er habe viel mit Kalkmörtel- beziehungsweise -anstrichen hantiert. Zudem seien viele Fenster erhalten geblieben, das Holz sei lediglich aufgearbeitet und neu gestrichen worden.

Auch den Hausschwamm haben sie in den Griff bekommen, einfach, indem sie ihm die Bedingungen zum Wachsen genommen haben. „Er braucht es feucht, warm und ohne Durchzug“, sagt Diana Berger-Schmidt. Bei der Farbgebung haben sie sich an den Farbresten orientiert, die bei der Sanierung entdeckt worden sind. Wo es nicht sinnvoll gewesen sei, die alte Farbe anzuwenden, sei weiß gestrichen worden, erklärt Schmidt.

Im Obergeschoss ist eine Frühstücksdiele entstanden. Das Schilf in der Vase nehmen die Bauherren auch als Heizstoff.
Im Obergeschoss ist eine Frühstücksdiele entstanden. Das Schilf in der Vase nehmen die Bauherren auch als Heizstoff. © Foto: Dietmar Thomas

Eingebaut worden ist zudem ein neues Heizsystem. „Wir heizen mit Miscanthus“, erklärt der Minkwitzer. Dabei handelt es sich um eine Art Schilf, welches der 51-Jährige zu Hause auf einer landwirtschaftlichen Fläche in Minkwitz selbst anbaut. Über eine Zinnbadewanne mit Loch füllt er damit die Lager in Wendishain auf. Verbrannt wird der Miscanthus in einer Hackschnitzel-Heizanlage. Im Sommer müssen Schmidts die Anlage jedoch kaum bedienen. Dann reich meist die Sonnenenergie aus, um für warmes Wasser im Haus zu sorgen. Auf dem Dach des Nebengebäudes ist dafür eine Solaranlage installiert worden. Im gesamten Untergeschoss des Ensembles hat das Ehepaar Fußbodenheizung installiert. Beheizt werden damit ein kleiner sowie ein größerer Gastraum, eine Küche sowie die Toiletten. Im Obergeschoss befinden sich Heizkörper sowie Fußbodenheizung in den Bädern. In diesem Bereich des Hauses haben die Bauherren fünf Gästezimmer eingerichtet.

Doch nicht nur die Bausubstanz ist historisch in Wendishain. Auch bei der Einrichtung haben die Restauratoren Wert auf antike Stücke gelegt. Auffallend ist beispielsweise ein knapp 2,20 Meter breites Holzbett. „Das haben wir zufällig bei einer Haushaltsauflösung in Altenburg gefunden. Eigentlich wollten wir dort nur einen Spiegel holen“, erzählt Diana Berger-Schmidt. Über mehrere Jahre haben die beiden die Möbelstücke sowie andere Gestaltungselemente angesammelt und sowohl zu Hause in Minkwitz als auch in Wendishain eingelagert.

Auch im Außenbereich kann in Wendishain gefeiert werden.
Auch im Außenbereich kann in Wendishain gefeiert werden. © Foto: Dietmar Thomas

Seit September 2018 können sich auch Gäste einen Eindruck von dem ehemaligen Pfarrlehen machen. Seitdem stehen sowohl die Gästezimmer als auch die Gasträume zur Verfügung. Die Wochenenden sind schon jetzt gut ausgelastet. Bis 2023 seien bereits Termine vergeben, sagt Diana Berger-Schmidt. Vor den Hochzeiten, Konfirmationen, Geburtstagen, Seminaren oder Weihnachtsfeiern decken die 44-Jährige und ihr Mann selbst ein, putzen, richten die Räume her. Alles neben ihren eigentlichen Berufen als Restauratoren, die sie mitunter bis nach Thüringen, Sachsen-Anhalt oder auch bis in die Schweiz reisen lassen. Auch gehören noch zwei Kinder, 14 und 12 Jahre alt, zu der Familie. „Der Große hilft oft mit“, sagt Diana Berger-Schmidt.

Das Ehepaar hat es geschafft. Das ehemalige Pfarrlehen hat wieder eine Aufgabe. Bis auf die Duschtür aus Glas würden sie an der Umsetzung nichts ändern, sind sich die beiden einig. Aber trotzdem: Ganz frei von Sorgen sind die Restauratoren nicht. „Das Damoklesschwert schwebt weiter über uns“, sagt Thomas Schmidt.

  • Am 1. Dezember wird das Ensemble wieder zum traditionellen Weihnachtsmarkt in Wendishain seine Türen öffnen. Für die Kinder gibt es dann verschiedene Bastelangebote in den Gasträumen.

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