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Baulehrlinge sollen ihre Werkstatt räumen

In Dresden soll es bald keine Berufsschule mehr für Baulehrlinge geben. Teure Umbauten müssten herausgerissen werden.

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Von Benjamin Grau

Absurd findet Schulleiter Michael Stohr den neuen Schulnetzplan der Landeshauptstadt. Statt Straßen- und Betonbauer sollen bald Schneider und Friseure im Berufsschulzentrum (BSZ) Bau und Technik auf der Güntzstraße ausgebildet werden. Als Folge müssten Dresdner Auszubildende nach Meißen oder Pirna fahren.

„Wir haben konstant 350 Lehrlinge und Fachschüler. Damit sind wir der stabilste Baubereich in der Gegend“, erklärt Stohr. Doch die Landeshauptstadt bewertet die Ausbildung im Bereich Bautechnik als in Dresden „verzichtbar, jedoch unentbehrlich für den Wirtschaftsraum Oberes Elbtal“.

Das bedeutet konkret: Der Baubereich soll von der Güntzstraße an ein BSZ in Pirna oder Meißen verlagert werden. Stattdessen sollen hier bald Gebäudereiniger, Friseure und Schneider unterrichtet werden. Denn deren Schule, das BSZ für Dienstleistungen und Gestaltung in Plauen, soll komplett geschlossen werden.

Michael Stohr ärgert das. „Seit 60Jahren wird hier Bau unterrichtet. Jetzt wird der Bereich aufgelöst, nur um Platz zu schaffen.“ Und das, obwohl in seiner Schule noch Räume für 15 Lehrlingsklassen im wöchentlichen Blockunterricht frei wären. „Wir haben noch Kapazität für 300 bis 350 Schüler“, sagt er.

Friseure sollen Räume nutzen

Außerdem seien die Räume am BSZ Bau und Technik wenig geeignet. „Wir sind für Schneider und Friseure überhaupt nicht ausgestattet“, meint Stohr. Erst vor vier Jahren wurde das BSZ auf der Güntzstraße aufwendig für 15 Millionen Euro saniert. „Allein in Bauwerkstatt und Baulabor flossen geschätzte 350000 Euro“, sagt der Schulleiter.

Wenn die Lehrlinge bald nach Meißen oder Pirna müssen, wurde viel Geld umsonst ausgegeben. Denn damit Friseure und Schneider die Räume nutzen können, müssten die teuren Baugeräte raus und die Zimmer neu eingerichtet werden. Ob das überhaupt möglich und sinnvoll ist, bezweifelt der Schulleiter. „Wir haben Werkstatt und Labor in den Kellerräumen. Ich glaube nicht, dass dort Friseure ausgebildet werden können“, glaubt er. Die Räume seien sehr dunkel.

Doch das ist nicht das einzige Problem. Auch die weiten Fahrten könnten belastend für die Auszubildenden und die Betriebe werden. „Manche Schüler aus dem Umland stehen jetzt schon um 5 Uhr morgens auf, weil um 8 Uhr der Unterricht beginnt“, gibt Stohr zu bedenken. Er schätzt, dass sich die tägliche Fahrtzeit um ein bis eineinhalb Stunden verlängern wird.

Mit der Sorge ist er nicht alleine. Auch die Betriebe fürchten um geeigneten Nachwuchs, der derzeit ohnehin schon schwer zu finden ist. Der Sächsische Baugewerbeverband legte mit dem Bauindustrieverband Sachsen/Sachsen-Anhalt sein Veto beim sächsischen Kultusministerium ein. Sie monieren, dass die zusätzlichen langen Fahrtzeiten eine enorme Belastung für die Lehrlinge seien. Das eh schon nicht gerade gute Image der Baubranche werde dadurch nicht gefördert.

Schulleiter Stohr sieht das genauso. „Der Bauberuf ist gerade wenig attraktiv“, gibt er zu. Dennoch ist er verhalten optimistisch. „Die Berufsschüler waren noch nie so laut“, sagt er mit Blick auf die große Demonstration vor den Herbstferien.

Lange Wege bis Pirna

Einer der Aktiven ist Schulsprecher Benedikt Sonntag. Er kennt das BSZ Bau und Technik aus dem Effeff und macht hier sein Fachabitur. Auch wenn der 16-Jährige nicht direkt vom Schulnetzplan betroffen sein wird, engagiert er sich für die anderen Azubis. „Es wird eine große Belastung, wenn sie nach Pirna fahren müssen. Manche kommen sogar aus Leipzig“, sagt er.

Zusammen mit dem Stadtschülerrat organisierte er deshalb Demonstrationen und Gespräche mit den Schulleitern. Dort wurden auch Alternativen diskutiert: „Wir haben relativ viel Platz auf der Güntzstraße und könnten noch Schüler aufnehmen, weiß Benedikt Sonntag. „Aber die Bauleute sollen hierbleiben“, sagt der Schulsprecher entschieden.