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Baumärkte scheitern an Flut-Folgen

Der Baumarktbetreiber BHG Tharandt mit sieben Verkaufsstellen und einer Tochterfirma im Weißeritzkreis ist zahlungsunfähig. Seit einigen Tagen versucht ein Dresdner Insolvenzverwalter, die Genossenschaft mit insgesamt 82 Beschäftigten zu retten.

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Von Christian Spahr

„Ein Hochwasseropfer mehr“, sagt der Dresdner Rechtsanwalt Bruno Kübler. Ihn hat das Amtsgericht zum Insolvenzverwalter der Bezugs- und Handelsgenossenschaft Raiffeisen Tharandt bestellt, deren wichtigste Filialen in Tharandt und Freital schwer von der Augustflut 2002 betroffen waren. „Ein Jahr lang hat der Vorstand alles versucht, aber Anfang November war der Insolvenzantrag unvermeidlich“, sagte der Anwalt der SZ. Es sei noch nicht absehbar, ob die 46 Arbeitsplätze bei der BHG und weitere 36 bei ihrer Kesselsdorfer Tochterfirma Katras erhalten werden können. Die Löhne und Gehälter der Beschäftigten werden einstweilen vom Arbeitsamt gezahlt, und auch der Verkauf in den sieben BHG-Filialen geht weiter.

Der profitablere Baumaschinenverleih Katras, der als BHG-Tochter auch für die wirtschaftliche Schieflage geradestehen muss, hält nach Auskunft von Kübler ebenfalls sein Geschäft aufrecht. „Dort gibt es eine gute Auftragslage“, beurteilt der Verwalter die Chancen für einen Neuanfang positiv. Er sei zuversichtlich, einen Käufer für die Firma zu finden. Auch bei der BHG selbst gebe es bereits erste Gespräche mit möglichen Investoren. „Es sieht nicht zappenduster aus“, macht der Anwalt Hoffnung. BHG-Vorstand Steffen Bouchard hofft, dass die Firma trotz der Insolvenz ihre Kunden halten kann.

Rettung durch Dresdner BHG war nicht möglich

Ein erster Rettungsversuch durch die Nachbargenossenschaft BHG Dresden hatte sich zuvor als nicht praktikabel erwiesen. Das sagte der Dresdner BHG-Chef Gerd Bisanz der SZ: „Wir hätten gern versucht zu helfen, aber eine Übernahme hätte uns mit in die Krise gerissen.“ Bisanz hält es aber für denkbar, dass seine Genossenschaft einzelne Betriebsteile der BHG Tharandt weiterführt, etwa den BHG-Markt im Freitaler Weißeritzpark. Eine Ursache für die Insolvenz sei möglicherweise, dass diese Filiale nach der Flut fast ein halbes Jahr stillgelegen habe. „Sie ist zu spät wiedereröffnet worden.“

Der Tharandter Bürgermeister Hagen Sommer (parteilos) sagte, durch Straßensperrungen nach der Flut habe die BHG in Tharandt Kunden eingebüßt. Auch habe die Firma sich offenbar nicht gegen die Konkurrenz großer Baumarktketten behaupten können. „Die BHG-Märkte in Tharandt und Freital werden aber weiterhin gebraucht“, sagte Sommer. „Wenn sie verschwinden, wäre das ein großer Verlust.“