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Riesa

Baumarkt im Corona-Modus

Das Telefon steht nicht mehr still, Azubis packen auf Bestellung: Im Riesaer Toom ist derzeit alles anders.

Gepackt und abholbereit: Im Riesaer Toom-Baumarkt bestücken Mitarbeiter Einkaufswagen auf telefonische Bestellung. Private Kunden dürfen nur bis in die Kassenzone - und zwar einzeln.
Gepackt und abholbereit: Im Riesaer Toom-Baumarkt bestücken Mitarbeiter Einkaufswagen auf telefonische Bestellung. Private Kunden dürfen nur bis in die Kassenzone - und zwar einzeln. © Sebastian Schultz

Riesa. Säckeweise Blumenerde. Pflanzkübel. Eine noch nicht montierte Schubkarre. Eine ganze Reihe vollbepackter Einkaufswagen stehen im Kassenbereich des Riesaer Toom-Baumarkts. Aber die Kunden dazu fehlen. Stattdessen liegt auf jedem Wagen ein ausgefülltes A4-Bestellformular.

"Eigentlich ist gerade Hochsaison für uns", sagt Marktleiter Jörg Engelhardt. Die Leute wollen ihre Gärten auf Vordermann bringen, geplante Bauprojekte umsetzen. Doch mit dem gewohnten Gang in den Baumarkt ist es nichts mehr, seit der Freistaat per Verordnung verfügt hat, dass Baumärkte in Sachsen geschlossen bleiben müssen.

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Pfingstsonntag in den Bürgergarten

Zum Pfingstsonntag am 31. Mai lädt der Bürgergarten Döbeln ein zum gemütlichen Beisammensein. Getränke und Speisen dürfen vor Ort verzehrt werden.

Jetzt sind in den Gängen des Toom im Riesapark vor allem Mitarbeiter in roter Dienstkleidung zu sehen. "Unsere Azubis packen die Bestellungen, die per Telefon und online eingehen, auf Einkaufswagen zusammen und stellen sie zur Abholung bereit", sagt Jörg Engelhardt. Denn normale Kunden dürfen den Baumarkt nur noch bis zur Kassenzone betreten. Einzeln, nachdem sie an der verschlossenen Tür geklingelt haben.

Bitte klingeln: Wer bestellte Waren beim Toom im Riesapark abholen will, muss draußen warten. Nur noch Handwerker mit Ausweis dürfen ganz normal in den Baumarkt.
Bitte klingeln: Wer bestellte Waren beim Toom im Riesapark abholen will, muss draußen warten. Nur noch Handwerker mit Ausweis dürfen ganz normal in den Baumarkt. © Sebastian Schultz

Denn die Sicherheitsregeln gelten nach wie vor: Da wird auf Abstand zwischen Kunden und Mitarbeitern geachtet, auf bargeldlose Zahlung, auf regelmäßige Desinfektionen. Rein dürfen jetzt nur noch Handwerker, die sich ausweisen können. Alle anderen müssen anrufen oder online reservieren.

Das Angebot wird immer stärker genutzt, sagt der Marktleiter. "Noch können die Leute einfach so zur Abholung kommen, wenn ihr Wagen gepackt ist. Aber irgendwann werden wir dafür wohl Termine vergeben müssen." Telefonisch sei man gerüstet: Sechs Telefone hängen an der Bestellnummer, wenn eins besetzt ist, klingelt das nächste.

Mit Vorbestellungen und Lieferungen habe man ja schon seine Erfahrungen, aber diese Situation sei völlig neu, so der Toom-Mann. "Danke, dass die Kunden Verständnis dafür haben: Zum Glück gibt es da keine Diskussionen und keine Streitereien."

Geschlossen: Der Stabilo-Baumarkt in Riesa hat zu, hier ein Eindruck von Montagmittag.
Geschlossen: Der Stabilo-Baumarkt in Riesa hat zu, hier ein Eindruck von Montagmittag. © Christoph Scharf

Der zweite große Baumarkt in Riesa, Stabilo am Neubauernweg, ist derweil geschlossen: Eine Schranke versperrt die Zufahrt auf den Parkplatz, die Rollläden sind unten. 

Der Landmaxx in Großenhain ist geöffnet, aber ebenfalls mit Sonderregeln: Privatkunden dürfen Waren des sogenannten täglichen Bedarfs kaufen und darüber hinaus zur Bestellung als Lieferung nach Hause ordern. Möglich sei außerdem eine Zusammenstellung der gewünschten Produkte ab Warenlager. Gewerbliche Kunden dürften das Gewünschte ganz normal einkaufen und mitnehmen.

Die Landmaxx-Zentrale an der Auerstraße in Coswig. Hier und in sechs weiteren Märkten dieser Gruppe werden vor allem Gewerbetreibende bedient. Aber auch Privatkunden haben noch Möglichkeiten.
Die Landmaxx-Zentrale an der Auerstraße in Coswig. Hier und in sechs weiteren Märkten dieser Gruppe werden vor allem Gewerbetreibende bedient. Aber auch Privatkunden haben noch Möglichkeiten. © Arvid Müller

Die meisten Filialen im Landkreis Meißen hat die einheimische Baumarktkette Landmaxx. Deren Zentrale ist in Coswig an der Auerstraße 117. Allein sieben der elf Märkte in Sachsen und Südbrandenburg sind im Kreis Meißen. So neben Coswig in Radebeul, Klipphausen, Großenhain, Lommatzsch, Radeburg und Nossen. Betrieben werden die Märkte von Vater und Sohn Stephan und Marcus Namokel aus Radebeul.

Nicht mehr als drei Personen

Landmaxx hat vor allem für Gewerbetreibende, aber auch für private Kunden geöffnet. Allerdings unter folgenden Bedingungen, so Prokurist Marcus Namokel: "Gewerbekunden dürfen sowohl auf den Hof wie auch in den Markt selbst rein. Wir lassen nicht mehr als drei Personen in die Halle. Wenn es mehr sind, müssen die vor der Tür warten." Die Leute seien bisher vernünftig. Die Verkäufer sind durch Plexiglasscheiben geschützt. Streifen zum Sicherheitsabstand gibt es auf den Böden.

Für Gewerbekunden und Dienstleister sei das komplette Sortiment verfügbar, so der Prokurist. Privatkunden können derzeit nur Brennstoffe, Tierbedarf und Getränke kaufen. Marcus Namokel empfiehlt den Kunden die Vorbestellung am Telefon - die Nummer des jeweiligen Marktes steht auf der Webseite. Außerdem gibt es eine Hotline: 03523 8250. Es kann auch direkt online bestellt werden.

Geöffnet sind die Märkte Radebeul, Coswig, Radeburg Montag bis Freitag von 6.30 Uhr bis 17 Uhr, am Samstag von 8 bis 12 Uhr. In Großenhain, Klipphausen, Lommatzsch, Nossen am Nachmittag eine halbe Stunde kürzer. Marcus Namokel: "Diese Vorgehensweise und die Öffnungsbedingungen sind mit dem sächsischen Gesundheitsministerium abgesprochen." 

Obi-Markt in Radebeul. Vor gut einer Woche durften die Kunden einzeln noch rein. Jetzt dienen die beiden Flügeltüren am Eingang als Warenschleuse, wo das Bestellte abgeholt werden muss.
Obi-Markt in Radebeul. Vor gut einer Woche durften die Kunden einzeln noch rein. Jetzt dienen die beiden Flügeltüren am Eingang als Warenschleuse, wo das Bestellte abgeholt werden muss. © Norbert Millauer

Bei Obi geht auch noch vieles. Hier wird nicht zwischen Gewerbe- und Privatkunden unterschieden. Im Markt Radebeul an der Cossebauder Straße, Ecke Meißner Straße ist fast die ganze Mitarbeiterbesatzung noch an Bord. Marktleiter Patrick Franke: "Unser Telefon ist von 9 bis 17 Uhr besetzt. Dort können die Kunden unter der Nummer 0351 8308565 bestellen." Allerdings sei derzeit keine längere Beratung möglich.

Bestellt werden könne ebenfalls problemlos über den Obi-Internetzugang und die Auswahl des Marktes. Der Kunde bekomme dann eine Bestätigungsmail. Was an Ware noch da ist, so Franke, sei am besten auf der Webseite abzulesen. Die Nachlieferung sei jetzt nicht bei allen Artikeln sicher.

Der Radebeuler Obi-Markt ist generell nicht für den Kundenbesuch offen. Aber: Es gibt einen sogenannten Windfang – zweimal zwei Türen. "Dazwischen platzieren wir die bestellte Ware, der Kunde kann sie sich dort abholen", sagt der Marktleiter. Auch eine Belieferung nach Hause werde noch im Umkreis von 20 Kilometern angeboten. Die Zusatzkosten dafür seien abhängig von der Kilometerentfernung und von der Größe und Menge der Ware. Die Maximalkosten dafür würden etwa 39 Euro betragen. 

Im Obi-Baumarkt in Meißen hält sich der Besucherandrang bislang in Grenzen. Vereinzelt holen aber noch Menschen ihre reservierten Waren ab – ohne Kontakt zu den Kassierern.
Im Obi-Baumarkt in Meißen hält sich der Besucherandrang bislang in Grenzen. Vereinzelt holen aber noch Menschen ihre reservierten Waren ab – ohne Kontakt zu den Kassierern. © Claudia Hübschmann

Im Meißner Obi-Markt auf der Fabrikstraße ist es ähnlich. Hier hat gegen Mittag ein junger Mann sein Auto beladen: zwei Einkaufswagen voll mit Erde, Pflanzen, Holzlatten und Farbe. "Die nächsten drei Tage bin ich zu Hause, um in meinem Garten zu arbeiten", erklärt er auf Anfrage. Sonst ist kein Kunde oder Handwerker auf dem Parkplatz zu sehen.

Wer bestellen will, muss anrufen

Wer hier etwas bestellen will, muss vorher anrufen unter 03521 760130 oder eine E-Mail schreiben. Oder im Onlineshop bestellen, dann Marktabholung auswählen. "Das ging bei mir problemlos", so der Mann. In den Markt darf nur jeweils ein Kunde eintreten und bezahlen. Am Ausgang schieben dann die Obi-Mitarbeiter die Ware auf Wagen hinaus. Die Kassierer werden durch Plexiglasscheiben geschützt. "Ein Bekannter hat mir den Tipp gegeben, dass der Markt noch geöffnet ist. Sonst hätte ich das gar nicht mitbekommen."

Im Toom-Markt legt Geschäftsführer Torsten Melzer besonders darauf Wert. "Wir stellen die Notversorgung wie Heizmaterial sicher und bewerben unseren Verkauf nicht. Es soll keine Freizeitbeschäftigung sein, im Baumarkt einzukaufen." Damit möchte er gern der Meinung entgegenwirken, dass er nur aus kommerziellen Gründen geöffnet habe. Allerdings mache er nur einen Umsatz von einem Prozent des regulären Geschäfts.

Torsten Melzer, Geschäftsführer des Toom-Marktes in Meißen, möchte die Notversorgung der Meißner sichern. Zum Beispiel mit Brennholz, das momentan wieder gefragt ist – aufgrund des Temperatursturzes.
Torsten Melzer, Geschäftsführer des Toom-Marktes in Meißen, möchte die Notversorgung der Meißner sichern. Zum Beispiel mit Brennholz, das momentan wieder gefragt ist – aufgrund des Temperatursturzes. © Claudia Hübschmann

Der Markt auf der Berghausstraße richtet sich dabei hauptsächlich an Handwerker. Deswegen ist auch ab sofort der Parkplatz vor dem Markt geschlossen. Aber wie im Obi-Markt können weiterhin Privatpersonen online oder telefonisch unter 03521 761160 bestellen, um die Ware dann täglich zwischen 8 und 18 Uhr im Markt abzuholen. Aber nicht am Haupteingang, sondern hinter dem Markt am Wareneingang.

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Dort war gegen Mittag mehr los als vor dem Obi. Da nur ein Kunde in den Markt darf, dauert es etwas länger. Die zwei Wartenden waren aber geduldig und lächelten. "Nützt ja nichts", erwidert einer auf Ansprache. Im Markt selbst sind die Kassierer hinter Plexiglasscheiben geschützt und desinfizieren das Kartenlesegerät nach jeder Nutzung. Solange die Märkte noch verkaufen dürfen.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.

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