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Baumarkt trotzt Ladensterben

Schlecker ist weg. Auch der Getränkehandel hat schon zu. Wie lange werden sich die anderen Geschäfte noch halten?

Von Nicole Czerwinka

Es ist menschenleer an der Riesaer Straße in Stauchitz. Leere Geschäfte, ein leerer Parkplatz. Nur die Fleischerei mit Bäcker, eine Physiotherapie und der Baumarkt von Werner Müller sind noch übrig. Nach dem Schlecker-Aus vor zwei Jahren hat nun im Dezember auch der Getränkehandel dichtgemacht. Das Fleischerei- und Bäckergeschäft hat seine Öffnungszeiten im vergangenen Jahr verkürzt – weil es sich an dieser Stelle nicht mehr rentiert, fünf Tage die Woche länger als bis Mittag zu öffnen. Die Verkäuferin will dazu lieber nichts sagen. „Manche Kunden schimpfen schon, dass in die Läden nichts Neues mehr einzieht oder sie fragen, wann denn wieder etwas hereinkommt“, erzählt sie dann.

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Doch so einfach ist es nicht, überhaupt Interessenten für Geschäfte an diesem abgelegenen Platz zu finden. Ein bisschen versteckt liegt die kleine Ladenzeile unterhalb der Riesaer Straße in Stauchitz ja schon. Mit Schlecker fehlt zudem ein wichtiger Magnet für potenzielle Kunden. Und wer ein Auto hat, der fährt damit eben lieber in die großen Einkaufszentren. „Es ist schwierig, aber ich kann das nicht ändern. Die Betreiber der Geschäfte hatten in den letzten Jahren alle zu kämpfen, wer weiß, wie lange Fleischerei, Physiotherapie und Baumarkt noch durchhalten“, sagt Hans-Peter Wilhelm, der hier einmal eine Obstkelterei betrieben hat.

Bis auf die Fleischerei und den Bäcker gehören ihm die Räumlichkeiten alle noch. Die Vermietung habe er jedoch schon fast aufgegeben. „Ich und meine Frau, wir gehen jetzt auf die 70 zu, und wer soll denn hier noch wirtschaftlich arbeiten? Ich war ja damals mit dem Getränkehandel und der Obstkelterei auch 15 Jahre selbstständig, leicht war das nie, und die Zeiten sind nicht einfacher geworden“, erzählt er.

Zuletzt hatte der Getränkefachgroßhandel Krille aus Riesa den Getränkemarkt betrieben. „Die haben sich große Mühe gegeben und hätten sicher nicht hier aufgehört, wenn es wirklich nicht gegangen wäre“, sagt Wilhelm. Da fährt plötzlich ein Auto auf dem riesigen Parkplatz vor. Siegmund Grögor steigt aus und geht schnurstracks in die Fleischerei. Der Stauchitzer ist einer der Stammkunden, von denen das Geschäft lebt. Er kauft hier am liebsten seine Wurst. „Weil sie frisch aufgeschnitten ist und einfach am besten schmeckt“, sagt er. „Ich wäre schon traurig, wenn der Fleischer hier nicht mehr wäre“, gibt Grögor dann zu. Doch seine Getränke holt auch er woanders. „Dort, wo sie im Angebot sind, dafür habe ich ja mein Auto“, sagt er.

Werner Müller vom kleinen Baumarkt ganz am Ende der Ladenzeile hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Die Stammkunden sind meine Wichtigsten, sie kommen hauptsächlich aus der Oschatzer Gegend zu mir“, erklärt der Ladenbesitzer. Er hat vor seinem Geschäft gut sichtbar Blumenerde und Materialien für den Hochbau gestapelt. Doch der Laden ist leer. „Ich weiß nicht, wie lange ich noch bleibe, aber ein bisschen wird es noch gehen“, sagt Müller. Probleme bereiten auch ihm vor allem die großen Baumärkte in Strehla und Riesa. „Die haben alles da, im Zweifel noch billiger. Für mich ist das Geschäft dagegen viel schwerer zu kalkulieren“, erzählt der Baumarktinhaber. Andrang herrscht allein in der Physiotherapie gleich nebenan. Hier nimmt gerade eine Patientin im Warteraum Platz. „Bis zu der Woche nach Ostern ist der Kalender schon voll“, sagt die Mitarbeiterin am Empfangstresen. Über zu wenig Arbeit könne man sich nicht beschweren. Vielleicht kann wenigstens die Praxis ein paar Kunden in die Geschäfte locken.