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Baumschule ist nur noch eine Mondlandschaft

Den Familienbetrieb hat es voll erwischt. Das Gelände war überflutet, alle Pflanzen sind vernichtet. Aber es soll weitergehen.

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Von Madeleine Siegl-Mickisch

Das Gelände sieht aus, als müssten es Wünderlichs erst urbar machen. So stellt man sich wohl eine Mondlandschaft vor: Krater in grau-braunem Boden. Vor wenigen Tagen war hier noch alles grün, Tausende Zierpflanzen und Gehölze standen in dichten Reihen. In wenigen Stunden hat die Spree alles weggespült. „Unsere Pflanzen lagen bis auf den Bombardier-Parkplatz“, sagt Rüdiger Wünderlich kopfschüttelnd. Auch im Zaun hängen noch Blumentöpfe.

Das zirka sechs Hektar große Gelände am Ende der Neuschen Promenade zwischen Bombardier und Humboldthain stand von Sonnabend zu Sonntag nahezu komplett unter Wasser. Seit 1899 existiert hier die Baumschule Pelz, seit 1986 betreibt sie Rüdiger Wünderlich in vierter Generation. Das Hochwasser von 1981 ist ihm noch in Erinnerung, doch so schlimm sei es damals bei weitem nicht gewesen.

Spree hinterlässt viel Müll

Aber diesmal hat die Spree, die das Gelände so idyllisch umfließt, die Existenz des kleinen Familienbetriebes vernichtet. „Eigentlich wollte ich mich zum Jahresende zur Ruhe setzen“, sagt der 65-Jährige. Sohn Falk (34) sollte den Betrieb übernehmen, so stand es lange fest. Doch nun? „Wir haben erst einmal das Gewerbe abgemeldet“, sagen Wünderlichs bitter. Schließlich gebe es ja zurzeit fast nichts mehr zu verkaufen. Die Pflanzen, die nicht weggespült wurden, sind von einem grauen Schleier überzogen. „Das kriegt man doch nicht mehr richtig sauber“, zeigt der Junior verzweifelt auf ein paar aus dem Dreck herausschauende Zweige. Zudem wisse man ja nicht, welche Schadstoffe in der braunen Brühe waren, die sich binnen weniger Stunden über das Grundstück ergoss und auch jede Menge Müll wie alte Reifen hinterließ. „Wer soll das alles entsorgen?“, fragt sich Falk Wünderlich. Seine Frau, die als Erzieherin im Oberguriger Kindergarten arbeitet und am Dienstag von ihrer Chefin nochmal frei bekommen hat, kämpft gerade gegen die Pfützen, die noch im Verkaufsraum stehen. Denn aufgeben will die Familie nicht. „Es geht auf alle Fälle weiter“, sagt Rüdiger Wünderlich mit fester Stimme. „Wir wollen so schnell wie möglich wieder öffnen.“ Wünderlichs hoffen, dass ihnen die Kunden treu bleiben. Baumschul-Kollegen haben schon Hilfe beim Beschaffen neuer Pflanzen angeboten. Ansonsten fühlt sich die Familie aber allein gelassen. Gleich am Montag sahen sich Minister und Abgeordnete im Waggonbau um, „aber bei uns ist niemand gewesen.“ Auch auf die Anrufe bei der Stadt und im Landratsamt habe bisher niemand reagiert.