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Baumschulen liefern erste junge Bäume

In den Wäldern im Görlitzer Umland beginnt das Aufforsten früher. Sorgen bereitet dabei der Waldboden.

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Von Steffen Gerhardt

Regina Urban und ihr Mann Herbert stecken schon voll in ihrer Arbeit. Für sie gab es keine Winterpause. In der Urban Forstbaumschulen GmbH in Rosenbach bei Löbau wurden schon im Januar Laubhölzer gepflanzt. Mit dem Roden von dreijährigen Rotbuchen sind sie jetzt beschäftigt. Denn ihre Kunden wollen die verschiedenen Gewächse. Einer ist Revierförster Ingo Weber. „Nächste Woche wollen wir mit dem Pflanzen beginnen, bisher warten wir noch auf die Bäumchen“, sagt der Leiter des Forstrevieres Königshainer Berge.

Der milde Winter sorgt dafür, dass in diesem Jahr die Arbeiten im Wald schon einen Monat früher beginnen können. Das nutzen die Forstleute aus. Dennoch gehen sie mit gemischten Gefühlen in die Wälder. So auch Ingo Weber: „Wir blieben zwar vom Schnee- und Eisbruch weitestgehend verschont, sodass die Verluste im Baumbestand gering sind, aber der Waldboden macht uns Sorgen.“ Der Winter war nicht nur zu warm, sondern auch zu trocken. Das führte dazu, dass auch der Waldboden austrocknete. Forstwirt Manfred Schneider kann das mit Zahlen belegen: „Im Januar und Februar fielen in Deutsch Paulsdorf 35 Millimeter an Niederschlag, das Soll sind aber 120 Millimeter.“ Dass es dieses Jahr zeitiger in den Wald geht, freut aber Manfred Schneider. „Das letzte Mal war es 1967, wo wir zum 1. März schon mit den Pflanzungen begonnen haben“, erinnert sich der Forstfachmann.

Dennoch: Neben dem trockenen Waldboden befürchtet der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Waldbauverein Deutsch-Paulsdorf, dass die Waldschädlinge gut überwintert haben und bald zur Plage werden können. Das betrifft den Borkenkäfer ebenso wie Mäuse, die unter dem Nadelstreu ihr Winterquartier haben.

Inwieweit diese Sorge sich bewahrheitet, ist noch offen. Bisher deutet sich zwar noch nichts an, aber auch Ingo Weber vermutet, dass der Borkenkäfer als Waldschädling Nummer 1 sehr aktiv sein wird. Denn der Holzbrüter hat ein enormes Vermehrungspotenzial und wird im April und Mai erstmals aktiv. Dieses Jahr kann das schon zeitiger sein. Zwar bringen die Käfer die Bäume nicht zum Absterben, aber ihre, durch die Pilzkulturen verfärbten Gänge mindern den Wert des Holzes.

Das kann der Waldbauverein Deutsch-Paulsdorf nicht gebrauchen. Auf seinen 1 700 Hektar an Waldfläche soll gesundes Holz heranwachsen. Da stören solche Schädlinge wie der Borkenkäfer nur. „Wie stark wir betroffen sind, wird das Frühjahr zeigen“, sagt Manfred Schneider. Prognosen will er dabei nicht abgeben.

Wie sehr sich der Waldboden trocken anfühlt, weiß Wilfried Hübner. Er führt einen forstwirtschaftlichen Einmannbetrieb und sieht sich als Dienstleister für verschiedene Auftraggeber. Seit dieser Woche bringt er im Nonnenwald junge Bäume in den Boden. In einen sehr trockenen, betont Wilfried Hübner. „Besonders auf Bergkuppen und an Südhängen fehlt die Feuchtigkeit ganz. Das erschwert oder verhindert das Anwurzeln“, erklärt der Girbigsdorfer. Das war vor einem Jahr ganz anders. Minusgrade im zweistelligen Bereich ließen nicht an Waldarbeit denken. Auch in den Baumschulen ruhte die Arbeit.

Das nass-kalte Frühjahr ließ die Sämlinge verfaulen und das Wachstum der Bäume blieb hinter den Erwartungen weit zurück, berichtet Regina Urban. Nun zeigt sich die andere Seite: Vielleicht zu viele Holzschädlinge und ein zu trockener Boden. Urbans wünschen sich daher zumindest schleunigst Regen, damit ihre Bäumchen in den Wäldern ihre Wurzeln schlagen können.