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Baustart am Bundes-Flickenteppich

Die B 96 hat eine Sanierung nötig. In Oderwitz wird ein Teilstück saniert. Weitere Prognosen sind ungewiss.

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Von Anja Beutler und Gesine Schröter

Wenn die Oderwitzer Bürgermeisterin Adelheid Engel auf das Thema B 96 zu sprechen kommt, atmet sie erst einmal tief durch. Seit Langem schon warte man, dass an der Straße etwas getan werde. Viele Bürger hätten sich schon beschwert, obwohl die Gemeinde ja hier gar nichts machen könne – immerhin ist es eine Bundesstraße. „Vor einigen Wochen wusste man teilweise nicht mehr, wie man um die Löcher drumherumfahren soll“, sagt sie. Inzwischen hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) die größten Löcher geflickt. Trotzdem sieht die Straße nach wie vor wie ein Flickenteppich aus.

Kraterfeld nahe der Kreuzung Webergasse in Oderwitz. Vor allem die oberen Schichten des Asphaltes sind hier stark angegriffen. Im Streckenverlauf der B96 in Oderwitz und Mittelherwigsdorf bis nach Zittau sieht man ein solches Bild immer wieder. Foto: Thom
Kraterfeld nahe der Kreuzung Webergasse in Oderwitz. Vor allem die oberen Schichten des Asphaltes sind hier stark angegriffen. Im Streckenverlauf der B96 in Oderwitz und Mittelherwigsdorf bis nach Zittau sieht man ein solches Bild immer wieder. Foto: Thom

Vor allem an den Übergängen zwischen Orten oder Ortsteilen ist die Fahrbahnoberfläche wie ausgefranst, angefressen von Salzlauge, Eis und Wasser: So sieht die Straße zwischen Ober- und Niederoderwitz, aber auch Richtung Mittelherwigsdorf ziemlich ramponiert aus. Auch am dortigen Ortsausgang in Richtung Zittau rumpelt es ordentlich unter den Autorädern. Die verschiedenen Lagen der geflickten Schlaglöcher auf Höhe des Mittelherwigsdorfer Gasthofs „Zum Gütchen“ überlappen sich teilweise so sehr, dass ein weiteres Flicken die Situation nicht verbessern würde. „Die Straße spricht für sich“, sagt Bürgermeister Markus Hallmann. „Sie ist für jeden Autofahrer, den sein Weg durch Mittelherwigsdorf führt, ein Ärgernis.“

Schließlich setzen sich die wechselhaften Straßenzustände auch in Richtung Zittau fort. Besonders entlang des Gewerbegebiets an der Neusalzaer Straße nehmen die Straßenschäden wieder zu und bilden in der Kurve unter der Eisenbahnbrücke einen weiteren gelöcherten Flickenteppich.

Dieses Problem zieht sich über die gesamte B 96 in der Region: In Ebersbach wird beispielsweise seit 2010 die Straße grundhaft ausgebaut. Doch was ist die Perspektive Richtung Zittau? Eine Analyse:

Oderwitz: Große Baustelle im Sommer für knapp 800 Meter Straße

Ab Mitte Juni rücken in Oderwitz die Baufahrzeuge an: Von der Bäckergasse soll die Fahrbahn der Bundesstraße in mehreren Abschnitten bis zur Kreuzung Spitzbergstraße erneuert werden. Dabei wechselt das Trinkwasserunternehmen Sowag ab dem Bereich Café Engel auch gleich die Leitungen aus. Gebaut wird in der Hauptsache unter halbseitiger Sperrung mit Ampelregelung, die Autos müssen wegen der Engstellen zum Teil auf den Bürgersteig ausweichen. Ab dem Eisenbahnviadukt bis zur Spitzbergstraße ist allerdings eine generelle Vollsperrung nötig. Sonst sperrt die Baufirma nur dann ab, wenn die Schwarzdecke aufgetragen wird. Und das passiert an Wochenenden. „Das wird bei dem Verkehrsaufkommen eine harte Zeit“, sagt die Bürgermeisterin. Aber das sei es wert. Immerhin soll der Lkw-Verkehr für diese Zeit weiträumig umgeleitet werden, was eine gewisse Entlastung bringen wird.

Mittelherwigsdorf: Hoffen auf den Bau in der eigenen Gemeinde

Für die Mittelherwigsdorfer gibt es so eine positive Nachricht noch nicht. „An uns ist noch niemand offiziell herangetreten“, sagt Bürgermeister Hallmann. „Aber da sich etwas in Oderwitz bewegt, hoffen wir natürlich, dass auch wir einmal an der Reihe sind.“ Diese Hoffnung muss der Leiter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv), Andreas Biesold, aber erst einmal enttäuschen: Für die Strecke Richtung Zittau liege noch kein Baurecht vor. Wann also hier eine Erneuerung möglich ist, „ist gegenwärtig seriös nicht absehbar“, sagt er.

Straßenbauamt: Gemeinsamer Bau mit Strom- und Wasserversorgern

Dass die Schlaglöcher eine Erneuerung rechtfertigen, weiß der Chef des Lasuvs, Andreas Biesold, schon seit Längerem. Ausschlaggebend für die Erneuerung der rund 800 Meter sei allerdings am Ende das Vorhaben der Sowag gewesen. Der Wasserversorger habe mitgeteilt, dass an dieser Stelle in Oderwitz dringend die Wasserleitungen ausgetauscht werden müssen. Auch Energieversorger Enso will die Gelegenheit gleich nutzen und neue Kabel in die Erde bringen, betont Biesold. Das Lasuv selbst hat insgesamt 350 000 Euro für die Arbeiten eingeplant. Es handele sich dabei vor allem um eine Erneuerung der oberen beiden Schichten der Straße. „Der Unterbau der Straße ist noch gut, den werden wir nicht anfassen“, sagt Biesold.

Bürger: Oderwitzer müssen mit Einschränkungen auskommen

Für die Zeit der Bauarbeiten hofft nun sowohl der Lasuv-Chef als auch die Bürgermeisterin um Verständnis bei den Oderwitzern. „Eine Einwohnerversammlung vorab ist nicht geplant“, erklärt Biesold auf Nachfrage. Allerdings werde sich der Baubetrieb mit den Anwohnern absprechen, wann es zu kurzzeitigen Sperrungen der Zufahrten kommen wird. Auch Frau Engel hofft auf Verständnis. Zudem werde die Stadt ein Auge auf den Zustand des Fußweges haben, den die Autofahrer wegen der einseitigen Sperrungen vorübergehend mitnutzen müssen. Außerdem prüfe die Gemeinde derzeit, ob im Zuge der Bauarbeiten auch bei den Bushaltestellen einiges saniert und ausgebessert werden kann.