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Baustart an der Carolabrücke ist geplatzt

Die Stadt Dresden erhält keine Fördermittel. Deshalb will sie versuchen, den ersten Abschnitt selbst zu finanzieren.

Der elbaufwärts liegende Teil der Carolabrücke soll noch dieses Jahr gesperrt werden, um mit der Sanierung zu beginnen. Wann genau, ist aber unklar.
Der elbaufwärts liegende Teil der Carolabrücke soll noch dieses Jahr gesperrt werden, um mit der Sanierung zu beginnen. Wann genau, ist aber unklar. © Sven Ellger

Die Carolabrücke ist in die Jahre gekommen. Immerhin überspannt die rund 400 Meter lange Konstruktion mit ihren drei Überbauten bereits seit 1971 die Elbe. Seitdem ist sie jedoch noch nie grundhaft saniert worden. Rund 38 000 Autos rollen täglich darüber. Damit ist sie die meistbefahrene Elbebrücke im Dresdner Zentrum. Jetzt muss dringend gehandelt werden.

Denn Bewehrungsstähle rosten, Fahrbahnen, Fußwege sowie Abdichtungen sind verschlissen und die Geländer nicht mehr zeitgemäß. Außerdem gibt es Risse im Beton. Im Bereich der Betonkappen von Geh- und Radwegen auf der Neustädter Seite sind sogar schon Teile abgeplatzt, sodass die Elbwiesen darunter mit rot-weißen Bauzäunen abgesperrt werden mussten.

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Das sind nur einige Mängel, die die Stadt aufgelistet hat. Eine Ursache ist die undichte Fahrbahnabdichtung. So könne mit dem Streusalz im Winter Natriumchlorid und mit der Sole fürs Feuchtsalz Magnesiumchlorid in das Bauwerk eindringen, was die Stahlbewehrung angreift.

Geplant war, dass im Spätsommer die Arbeiten am ersten, elbaufwärts liegenden Brückenzug, der mit A bezeichnet wird, mit den beiden Fahrspuren in Richtung Neustadt beginnen. Der Asphalt soll abgefräst werden, um dann Dichtungen und Fahrbahnen zu erneuern. Außerdem wird die Betonkappe am elbaufwärts liegenden Geh- und Radweg erneuert. 

Doch der Zeitplan ist nicht zu halten, räumt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) ein. „Da die erhofften Fördermittel des Freistaats nicht zur Verfügung stehen, ist die Finanzierung der Baumaßnahme derzeit ungesichert“, erklärt er. „Den für Ende August geplanten Baustart müssen wir verschieben und mit dem Bauunternehmen einen völlig neuen Bauzeitplan erstellen.“

Rund 4,9 Millionen Euro sind für die Planung und die Bauarbeiten an diesem Brückenzug nötig. Beim Freistaat hatte die Stadt einen Zuschuss von 3,9 Millionen Euro beantragt. Doch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr und das Wirtschaftsministerium hätten der Stadt mitgeteilt, dass die Zuwendung für dieses Jahr nicht bewilligt werden kann.

Zwar stellt der Freistaat dieses Jahr mit rund 360 Millionen Euro eine Rekordsumme für den Erhalt für kommunale Brücken und Straßen in Sachsen zur Verfügung, erläutert Sprecher Marco Henkel vom Wirtschaftsministerium. Doch die Mittel seien völlig ausgeschöpft. Die Stadt komme durchaus nicht zu kurz. „Dresden hat Fördermittel von über sieben Millionen Euro im vergangenen Jahr für beantragte Baumaßnahmen nicht zur Auszahlung beantragt“, nennt Henkel einen weiteren Aspekt. 

Dieses Geld sei auch dieses Jahr dafür reserviert. Zusätzlich würden der Staatsregierung nun Anträge der Stadt auf Erhöhung von Zuwendungen in Höhe von 13 Millionen Euro vorliegen, die bedient werden sollen. Außerdem erhält Dresden über die Instandsetzungs- und Erneuerungspauschale 2019 wieder rund 2,8 Millionen Euro. „Es gibt also nicht weniger Geld als sonst“, versichert der Sprecher.

Rost gefährdet Standsicherheit

Die sieben Millionen Euro wurden 2018 nicht benötigt wurden, da Bauvorhaben zwar begonnen wurden, aber sich verzögert haben, erläutert der Baubürgermeister auf SZ-Nachfrage. Als Beispiel führt er die Oskarstraße an. Über die höheren Zuwendungen von 13 Millionen Euro freut er sich, da ihm das bisher nicht bekannt war. Sie sollen unter anderem für die Sanierung der Brücke am Alberthafen eingesetzt werden, die um 1,4 Millionen Euro teurer wird. 

Bei der Carolabrücke zeigt sich Schmidt-Lamontain trotz fehlender Fördermittel jedoch fest entschlossen, eine Lösung für einen schnellen Baubeginn zu finden. „Wir wollen unter allen Umständen erreichen, dass der Verkehr schon in diesem Winter nicht mehr über den Brückenzug A fährt.“ Denn es müsse verhindert werden, dass weiteres mit Tausalz belastetes Wasser in die Brücke eindringt. „Es besteht die Gefahr, dass die Spannglieder als Haupttragelemente der Brücke angegriffen werden“, erläutert er. Korrosion könne zu einem schlagartigen Versagen eines Spanngliedes führen. Dann wäre die Standsicherheit der Brücke nicht mehr gewährleistet.

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Jetzt sollen die fehlenden 3,9 Millionen Euro von anderen Bauprojekten abgezwackt werden. Eine entsprechende Vorlage werde dem Stadtrat nach der Sommerpause vorgelegt. Wird das Geld bestätigt, könne die Sanierung im November beginnen. Dann soll dieser Brückenzug gesperrt werden, sodass auf dem mittleren Teil nur noch eine Fahrspur in jede Richtung zur Verfügung steht. Geplant ist eine Bauzeit von 14 Monaten. Danach soll bis 2022 der mittlere Brückenzug saniert werden. Doch die Finanzierung sei derzeit noch nicht gesichert. Für beide Brückenzüge sind rund acht Millionen Euro nötig.

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