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Baustart an neuer Fernwärme-Trasse

Die Altstädter Hauptleitung in den Norden soll künftig deutlich mehr Heizwasser transportieren. Und sicherer werden.

© André Wirsig

Von Tobias Wolf

Das blubbernde Geräusch der Handpumpe geht fast unter im Getöse des Baulärms am Hasenberg. Behutsam presst André Hofmann einen Hebel nach unten, um Druck aufzubauen. Jeder Handgriff muss sitzen, damit das Ergebnis am frisch eingeschweißten Ventil stimmt. Denn Hofmanns Geschick bestimmt, wann die Rohrbauer das Heizwasser aus der Fernwärmeleitung ablassen können. Es sind die letzten Vorbereitungen zum Baustart an einer der wichtigsten Fernwärmetrassen der Drewag in Dresden.

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Ab heute soll die alte Leitung schrittweise mit Schneidbrennern vom Versorgungsnetz getrennt werden. Sie ist zu klein geworden für den Bedarf im Dresdner Norden. Wohnungsneubauten und Industriebetriebe wie Infineon oder der Autozulieferer Federal-Mogul brauchen Heizwärme. Der Querschnitt der bisherigen Trasse reicht dafür nicht mehr aus, sagt Drewag-Bauleiter Klaus Künzelmann. Deshalb wird das alte 35 Zentimeter dicke Rohr durch eine Leitung ersetzt, die einen halben Meter misst. Ein Teil davon kann unterirdisch verlegt werden. Entlang des Hasenbergs ist der Fußweg jedoch bereits jetzt gesperrt, weil er zwischen Terrassenufer und Rathenauplatz komplett aufgegraben werden muss, ebenso die Verkehrsinsel auf der Akademiestraße. Fußgänger können jedoch auf den westlichen Gehweg ausweichen. Autofahrer können während der Bauzeit nur eine Spur nutzen. Zwischendurch sei jedoch einmal eine zweiwöchige Vollsperrung nötig, sagt Künzelmann. Der Termin steht noch nicht fest.

Bis Mitte November sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein. Die neue Fernwärmetrasse soll bereits im Oktober in Betrieb gehen. Rund 1,2 Millionen Euro investiert die Drewag in das Projekt. Betroffen ist eine rund 370 Meter lange Strecke vom Busparkplatz hinter der Synagoge bis kurz vor den Pirnaischen Platz. „Nahe der Kreuzung mit der Grunaer Straße verläuft die Fernwärme-Hauptschlagader der Stadt, vom Kraftwerk Nossener Brücke in den Dresdner Osten“, sagt Bauleiter Künzelmann. „Dort erneuern wir auch noch einen unterirdischen Raum mit Regelarmaturen.“

Damit der eigentliche Bau heute reibungslos starten kann, sind gestern bereits drei Baustraßen über den Grünstreifen auf der St. Petersburger Straße asphaltiert worden. Außerdem mussten zwölf Bäume gefällt werden. Nach Abschluss der Bauarbeiten sollen für rund 60 000 Euro neue angepflanzt werden. Damit die wichtige Verbindung in den Dresdner Norden überhaupt gebaut werden kann, hat die Drewag im Februar für etwa 300 000 Euro eine Bypass-Leitung vom Ärztehaus in der Gerichtsstraße über Ziegel- und Steinstraße bis hinter die Synagoge errichten lassen. Auf knapp 600 Metern Länge verläuft sie oberirdisch. Damit der Verkehr auf der Steinstraße nicht beeinträchtigt wird, ist dort eine hohe Rohrbrücke im Einsatz.

Mit dem Neubau der Hauptleitung soll auch die Versorgungssicherheit im Norden verbessert werden. Das Leitungsnetz in Klotzsche ist bislang wie eine Insel angelegt und wird von einem kleinen Kraftwerk versorgt. Dessen Verbindung mit den Heizkraftwerken auf der südlichen Elbseite soll die Fernwärmeversorgung in Dresden wirtschaftlicher machen. Zudem plant die Drewag eine zweite Leitung über die Elbe.