merken

Baustart für Gemeinschaftsprojekt

Ein altes Mehrfamilienhaus im Herzen von Leubnitz wird zur bunten Wohngemeinschaft. Nun beginnt die Sanierung.

© Norbert Millauer

Von Nora Domschke

Anzeige
Autobezüge - Made in Dresden -

Autofreunde, Besitzer von Oldtimer und Ost-Fahrzeugen aufgepasst.

Aufmerksamen Leubnitzern ist in den vergangenen Wochen wohl nicht entgangen, dass sich auf dem zugewucherten Eckgrundstück an Wilhelm-Franke-/Karl-Laux-Straße etwas tut. Dort kündigt ein Gerüst die ersten Bauarbeiten an dem seit Jahren nahezu leer stehenden Mehrfamilienhaus an. Mittlerweile sind dort neue Fenster eingebaut, und auch im Inneren hat sich viel verändert. Alte Wände sind verschwunden, an anderer Stelle werden gerade neue hochgezogen, es wird gebohrt, gehämmert und gespachtelt.

Schon bald soll in das Gebäude wieder Leben einziehen. So wie 1919, als zum ersten Mal Kinderstimmen durch das Haus drangen und Mütter ihre Wäsche im Garten zum Trocknen auf die Leine hingen. Auch jetzt sind es Familien mit Kindern, die sich in Leubnitz ein neues Zuhause gestalten – allerdings nach einem unkonventionellen Modell. Mit ihrem Wohnprojekt „Willi 42“ beschreitet eine Gruppe junger Dresdner einen ungewöhnlichen Weg, um das Haus zu kaufen und zu sanieren. Denn sie gehören damit zum sogenannten Mietshäuser-Syndikat. Ziel dieser Gesellschaft ist es, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten, indem sie sich am Hauskauf beteiligt. Das Syndikat ist mit 49 Prozent an einer GmbH beteiligt, die die Bewohner gegründet haben. Der GmbH gehört das Haus. Die Bewohner selbst sind künftig nur Mieter – wer es sich anders überlegt, kann also jederzeit aus der Wohngemeinschaft aussteigen. In Deutschland gibt es heute etwa 80 dieser Projekte. In Dresden funktioniert dieses Modell bereits bei zwei Wohnprojekten in Mickten und Pieschen. Auch in Tharandt wurde ein Haus danach saniert.

„Das klingt zwar etwas kompliziert, hat aber außerdem den Vorteil, dass Grundstück und Gebäude nicht einfach weiterverkauft werden können“, erklärt Tilman Günther. Mit seiner Frau und zwei Söhnen wird der 40-jährige Dresdner Teil der WG sein, die sich allerdings nicht als Kommune versteht. Denn es sind auch abgetrennte Wohnbereiche geplant. Dann hat Familie Günther jederzeit die Möglichkeit, die Tür hinter sich zuzumachen. In ihrer 90 Quadratmeter großen Wohnung gibt es deshalb ein eigenes Bad und auch eine Küche.

Einen Vorgeschmack auf das Leben in der Gemeinschaft gab es allerdings schon im letzten Jahr. Da feierte die bunte Truppe mit elf Erwachsenen und acht Kindern das eine oder andere Hoffest. An warmen Sommertagen eroberten die Kleinen dann das schattige Grundstück hinter dem Haus, es wurde gegrillt und es wurden Zukunftspläne geschmiedet. Schließlich gibt es noch viel zu besprechen. Wer zieht in welche Zimmer, wie viel Gemeinschaftsräume soll es eigentlich geben, ist eine Fußbodenheizung nötig? „Dabei waren wir nicht immer einer Meinung“, sagt Günther. Ein Konsens sei bisher aber immer gefunden worden.

Doch wer feiert, kann auch arbeiten: Jeder packte mit an, als die Holzfenster samt Rahmen ausgebaut werden mussten. Oder Schichten alter Tapete von den Wänden abgeweicht wurden. Oder der Garten eine Frischekur nötig hatte. „Es ist wirklich verdammt viel Arbeit“, berichtet Günther. „Ganz allein schaffen wir das alles nicht.“

Nun haben also erst einmal die Handwerker den Ausbau übernommen. Mittlerweile hat sich die Gemeinschaft darauf geeinigt, dass die große Wohnküche – auf den rund 50 Quadratmetern ist reichlich Platz für alle – im Erdgeschoss eingerichtet werden soll. Der zentrale Raum wird künftig die beiden bislang getrennten Wohnhäuser miteinander verbinden. Direkt neben der Küche ist ein Kinderparadies mit Matten und Kletterwand geplant. „Das wird der Tobe-Raum“, sagt Günther. Darauf freuen sich seine Jungs schon besonders.

Nächster großer Bauabschnitt ist die Erneuerung der kompletten Heizungsanlage. Dabei wird ein Pelletheizkessel installiert. Dieser gilt als vergleichsweise ökologische Variante gegenüber einer Gasheizung.

Auf die Wohngemeinschaft warten indes schon wieder wichtige Entscheidungen: Sollen die alten Dielen in Eigenregie abgeschliffen und poliert werden?

Sachsen wählt: Am 1. September ist Landtagswahl in Sachsen. Sie wissen noch nicht, wen Sie wählen? Der Wahl-O-Mat für Sachsen hilft Ihnen bei der Entscheidung! Alle Berichte, Hintergründe und aktuellen News zur Landtagswahl finden Sie gebündelt auf unserer Themenseite zur Landtagswahl in Sachsen.