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Baustelle Babisnauer Pappel

Die Aussichtsplattform an der Babisnauer Pappel ist gesperrt. Gutachten zufolge wird die Sanierung aufwendig und teuer.

Die Babisnauer Pappel ist ein beliebtes Ausflugsziel.
Die Babisnauer Pappel ist ein beliebtes Ausflugsziel. © Ralf Hirschberger / dpa

Einst von einem Gutsbesitzer als Grenzmarke seiner Ländereien gepflanzt, trotzt die Babisnauer Pappel seit mehr als 210 Jahren Wind und Wetter. Weithin sichtbar, ist die Landmarke bis heute ein beliebtes Ausflugsziel. Auch in botanischer Hinsicht ist sie eine Rarität, denn sie zählt zu den bundesweit sehr selten vorkommenden Schwarzpappeln, die eigentlich nur in Flussnähe wachsen.

So ungewöhnlich wie ihr Standort ist auch ihr Alter. Normalerweise werden Schwarzpappeln nur 100 bis 150 Jahre alt. Somit ist das Babisnauer Exemplar sozusagen ein wahrer Methusalem seiner Gattung. Und wie bei alten Menschen haben sich auch bei ihm über die Jahre verschiedene Wehwehchen eingestellt. Durch Stürme hat der Baum bereits einen Teil seiner Krone verloren, mutwillig gelegtes Feuer und Pilzbefall hinterließen ebenfalls Spuren.

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Nun schwächelt aber nicht nur das Naturdenkmal, sondern auch die Aussichtsplattform, die nebenan steht. Als Nachfolger des alten eisernen Aussichtsgerüsts wurde die Konstruktion aus Holz und Metall 1999 von Mitgliedern des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz – der heute Eigentümer der Pappel ist – und Babisnauer Bürgern errichtet.

Besucher melden Schäden

Im vergangenen Herbst bemerkten Besucher erstmals, dass sich die Aussichtsplattform in einer Ecke leicht abzusenken begann. „Im Mai dieses Jahr meldeten Spaziergänger der Gemeinde Kreischa die Schäden“, erzählt Steffen Ruhtz vom Heimatschutzverein. Als Vertreter der Ortsgruppe Babisnau kümmerte er sich sofort und ließ die Aussichtsplattform vom Erbauer-Team begutachten. 

Aussichtsplattform an der Babisnauer Pappel.
Aussichtsplattform an der Babisnauer Pappel. © Yvonne Popp

Tatsächlich sind die Schäden so gravierend, dass die Plattform gesperrt werden musste. Eine große Bretterwand auf dem zweiten Treppenabsatz soll verhindern, dass Leichtsinnige trotzdem hinaufsteigen. „Das soll aber kein Dauerzustand bleiben“, sagt Steffen Ruhtz. Doch eine umfassende Instandsetzung des Aussichtsgerüsts ist teuer. 20.000 Euro würde diese nach ersten Schätzungen kosten. „Vielleicht“, so überlegt Ruhtz, „findet sich noch eine andere, preiswertere Lösung.“ Die wäre dann aber nur ein Provisorium und nicht von langer Lebensdauer.

„Im jetzigen Zustand ist die Standfestigkeit der Plattform nicht mehr zu 100 Prozent gewährleistet“, bestätigt auch die Geschäftsführerin des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Susanna Sommer. "Wir haben die Sicherheit des Aussichtspunktes immer im Blick“, sagt sie weiter. Einmal pro Jahr wird er von einem Architekten geprüft, zuletzt vor wenigen Wochen. Und auch dieser war der Meinung, dass es hier nicht mehr mit einer kleinen Ausbesserung getan ist. 

Der TÜV muss auch an der Pappel eingehalten werden

Das erste Kostenangebot ist jedoch heftig und für den Verein schwer zu stemmen. „Daher muss nochmals genau geprüft werden“, betont Susanna Sommer. „Wir wollen schauen, ob die kaputte Stelle noch repariert werden kann oder ob eine Generalüberholung notwendig ist.“ In jedem Falle aber müsse die Aussichtsplattform den geltenden TÜV-Bestimmungen entsprechen, unterstreicht sie. Die weithin sichtbare, knorrige, vom Wind zerzauste Pappel könne als Ausflugsziel trotzdem jederzeit besucht werden.

Ganz allein steht sie übrigens nicht auf dem Zughübel im Süden von Dresden. Eine 1890 zu Ehren Otto von Bismarcks gepflanzte Eiche wächst in unmittelbarer Nachbarschaft und hat inzwischen fast gleiche Größe erreicht. Von Ferne betrachtet, scheinen beide Bäume zu verschmelzen. Noch ganz klein und weniger gut sichtbar ist der Nachfolger der Babisnauer Pappel. Er wurde aus einem Steckholz der Pappel gezogen und 2006 direkt neben das Original gepflanzt. Die Zukunft der Babisnauer Pappel ist also gesichert.

Für die Reparatur der Aussichtsplattform bittet der Sächsische Heimatschutz um Spenden. Spendenkonto: Landesverein Sächsischer Heimatschutz; Ostsächsische Sparkasse Dresden: IBAN: DE55 8505 0300 3120 0588 22 Verwendungszweck: Babisnauer Pappel

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