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Baustelle Bauamt

Die Stadt schreibt vier Stellen für die Bauverwaltung aus – das sorgt nicht nur für Freude, sondern auch für Unverständnis.

Der größte Brocken für die Bauverwaltung – am Gymnasium Franziskaneum ist nicht nur die sogenannte Weinbergschule –das graue Quergebäude – zu sanieren. Derzeit laufen auch die Vorarbeiten für die Errichtung einer großen Sporthalle
Der größte Brocken für die Bauverwaltung – am Gymnasium Franziskaneum ist nicht nur die sogenannte Weinbergschule –das graue Quergebäude – zu sanieren. Derzeit laufen auch die Vorarbeiten für die Errichtung einer großen Sporthalle ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Wer ins aktuelle Meißner Amtsblatt schaut, findet dort gleich vier Stellenausschreibungen für die Bauverwaltung der Stadt. Gesucht werden zwei Sachbearbeiter für die Stadtplanung, einer fürs Bauverwaltungsamt und auch der künftige Baudezernent. Die letztgenannte Stelle ist seit dem Tod des vormaligen Baudezernenten Steffen Wackwitz im Januar 2018 vakant. 

Oberbürgermeister Olaf Raschke leitet die Bauverwaltung bis heute kommissarisch. „Diejenigen, die derzeit in den Bauämtern der Stadt arbeiten, sind absolut am Limit“, erklärt Architekt Knut Hauswald. „Insofern ist es eine gute Sache, dass sie nun Verstärkung erhalten sollen.“ Auch ein anderer Praktiker, Bauunternehmer Ingolf Brumm, sieht die Bauverwaltung chronisch unterbesetzt. 

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„In den kommenden Jahren stehen die großen Schulsanierungen an, da brauchen wir Verstärkung“, zumal in jüngster Zeit allein drei Stellen durch Abgänge in der Bauverwaltung neu besetzt werden müssten. Zum Baudezernat gehören das Bauverwaltungsamt, das Stadtbauamt, das Bauaufsichtsamt und der Bauhof. Im Sommer 2018 war bereits die Stelle der Bauverwaltungsamtsleiterin mit Inga Skambraks neu besetzt worden.

Was den neuen Baudezernenten betrifft, so sieht Knut Hauswald, der auch Dombaumeister ist, ihn notwendig in der Nachfolge seines Vorgängers: „Steffen Wackwitz hat mit seiner menschlichen Art die Fördermittelgeber in Dresden, beim Land und bei der Sächsischen Aufbaubank bei Laune gehalten. Er war das freundliche Gesicht Meißens in Dresden.“

Allerdings scheint die Suche nach solch einer Persönlichkeit schwieriger als angenommen. Denn die erste Ausschreibung für die Stelle des Baudezernenten der Stadt Meißen, deren Bewerbungsfrist am 9. Februar endete, brachte kein Ergebnis. Nach SZ-Informationen blieben am Ende von fünf noch zwei Bewerber übrig. Günter Finzel, der Diplom-Geograf, ist Leiter der Stabsstelle Strukturentwicklung der Stadt Bayreuth. Und Frank Buchholz, ausgebildete Stadtplaner aus Meißen, der in der Industrie arbeitet. 

Richtigstellung: Günter Finzel hat sich nicht auf die ausgeschriebene Stelle beworben. 

„Es gab bis jetzt nicht den passenden Kandidaten“, erklärt Martin Bahrmann, der Vorsitzende der neuen Stadtratsfraktion aus CDU, FDP, Unabhängiger Liste (ULM) und Freien Bürgern (FB), warum keiner der beiden am Ende Baudezernent werden soll. Aber auch für Martin Bahrmann ist klar: „Ziel ist es, die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen, damit die Bauverwaltung besser funktioniert.“

Für Helge Landmann, den Leiter des Hahnemannzentrums, ist es „ein Ohnmachtszeugnis, dass nach so langer Zeit so viele offene Stellen in der Bauverwaltung zu besetzen sind“. Helge Landmann, der Wasserwirtschaft studiert und später noch ein Studium als Fachingenieur für Denkmalpflege und Restaurator für Wandmalerei und Architekturfassung absolviert hat, hatte der Stadtverwaltung nach dem Tod von Steffen Wackwitz seine Hilfe in der Bauverwaltung angeboten, bis Stellen neu besetzt werden. 

Eine offizielle Antwort hat er darauf nicht erhalten. Er bemängelt die „spontane und sporadische Herangehensweise“ bei den Ausschreibungen. Der richtige Weg wäre es, den Baudezernenten zu suchen, der sich seine Mannschaft dann zusammenstellt. „Dass eine Stadt wie Meißen so lange ohne einen Baudezernenten – eine Schlüsselposition in der Verwaltung – auskommen muss, ist eine Schande.“

Was die Schlüsselposition betrifft, so werden in der Bauverwaltung die größten Summen umgesetzt. Da geht es buchstäblich um Millionen. Da geht es um Aufträge für Baufirmen und Handwerksbetriebe. „Dafür sollte die Stadt eine Persönlichkeit einstellen, die durchsetzungsstark ist und einen eigenen Gestaltungswillen – auch und gerade gegen Widerstände in der Verwaltungsspitze selbst – mitbringt“, erklärte Walter Hannot, neugewählter Stadtrat der Bürgerinitiative, dazu.

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