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Meißen

Baustelle bedroht Elbetierpark

Der Bau sollte zu Beginn der Sommerferien fertig sein. Jetzt entschloss sich der Betreiber zu einem ungewöhnlichen Schritt.

Der Fuß- und Radweg zwischen Niederlommatzsch und der Hebelei ist seit Monaten dicht. Die Baustelle und die damit verbundene Sperrung führt zu extrem rückläufigen Besucherzahlen im Elbe-Tierpark Hebelei.
Der Fuß- und Radweg zwischen Niederlommatzsch und der Hebelei ist seit Monaten dicht. Die Baustelle und die damit verbundene Sperrung führt zu extrem rückläufigen Besucherzahlen im Elbe-Tierpark Hebelei. ©  Claudia Hübschmann

Diera-Zehren. Schon seit Monaten ist der Weg von Niederlommatzsch zur Hebelei wegen Bauarbeiten gesperrt. Das hat gravierende Auswirkungen für den Elbetierpark. Nach Aussagen von Betreiber Sven Näther kamen wegen der Baustelle etwa nur halb so viele Besucher wie zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. „Das bedeutet für uns natürlich auch, dass sich die Einnahmen, auf die wir zwingend angewiesen sind, um den Winter zu überstehen, halbiert haben“, so Näther. Dies bedrohe die Existenz. 

Viele Kunden insbesondere von den rechtselbischen Dörfern und aus Großenhain fehlten, da sie zwar über die Elbe übersetzen könnten, aber der Weg gesperrt ist. Viele potenzielle Gäste würden denken, der Tierpark sei geschlossen und gar nicht erreichbar. Weil sie oft nur das Schild bis „Weg von Niederlommatzsch bis zur Hebelei gesperrt ....!“, aber nicht bis zum Schluss lesen würden. Dann nämlich sind die Umleitungswege und Ersatzanreisemöglichkeiten benannt.

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Die Gemeindeverwaltung Diera-Zehren und die beauftragte Firma Riße hätten versprochen, dass bis zum Beginn der Sommerferien die Arbeiten abgeschlossen seien, sagt Näther. Aufgrund des nicht eingehaltenen Versprechens, die Baustelle zügig umzusetzen, fehlten dem Tierpark nun auch die kompletten Sommereinnahmen aus dem Imbissgeschäft, da alle Radfahrer bis auf weiteres eine Umleitung fahren müssen.

Bei einem Besuch von Diera-Zehrens Bürgermeisterin Carola Balk (parteilos) und in einem Brandbrief an die Gemeindeverwaltung habe Näther auf die katastrophale wirtschaftliche Lage hingewiesen. Der Tierpark feierte in diesem Jahr sein 47-jähriges Bestehen. 

„Im Moment besteht die akute Gefahr, dass, wenn sich an der Baustellensituation nicht bald etwas ändert, der Tierpark das 48-jährige Bestehen nicht erleben wird oder er von der Gemeinde Diera-Zehren wieder selbst bewirtschaftet werden muss“, so Näther. Wenn nicht in den Herbstferien ein kleines Wunder geschehe, wisse er nicht, wie es weitergehen solle. Schon jetzt hätten zahlreiche Schulklassen wegen der komplizierten Anreisesituation abgesagt. Die Situation sei äußerst prekär.

Uwe Riße, der Chef der beauftragten Baufirma aus Klipphausen, bestätigt, dass die Arbeiten bis zum Beginn der Sommerferien abgeschlossen sein sollten. Für die Verzögerungen gäbe es aber einen gewichtigen Grund. „Es stellte sich heraus, das die Kappen der gesamten, rund 200 Meter langen Stützmauer saniert werden müssen. Das war vorher nicht bekannt und damit natürlich auch nicht eingeplant gewesen“, so Riße. Damit habe sich der Bauumfang und auch die Bauzeit verdoppelt. „Das ist auch für uns als Baufirma schwierig, denn wir hatten für diese Zeit andere Vorhaben eingeplant“, so Riße.

Inzwischen sei die Stützmauer fertig, jetzt könne man sich dem eigentlichen Vorhaben, der Sanierung der Brücke, widmen. Ziel sei es jetzt, bis zum Beginn der Herbstferien fertig zu werden. Eine Umleitung für Radfahrer sei machbar gewesen, aber nicht weiter entwickelt worden, sagt der Geschäftsführer.

Für Sven Näther ist das wenigstens ein kleiner Lichtblick. Doch zunächst hat er die Notbremse gezogen, sich zu einem Schritt entschlossen, den es nicht mal nach dem Hochwasser 2013 gab. Er hat den für Sonntag geplanten Bauernmarkt, der unter dem Motto „Besenheidemarkt“ stattfinden sollte, abgesagt. Da die Baustelle bereits das komplette Jahr die Kundschaft abschneide, habe es schon Beschwerden von Anbietern und Kundschaft gegeben. Aufgrund der immer noch andauernden Baustelle und des in Riesa stattfindenden „Tages der Sachsen“ sehe er sich zur Absage gezwungen. Die „Blume des Jahres“ sollte im Mittelpunkt des Marktes stehen. 

Jessica Bernd, die im Tierpark derzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolviert, werde für interessierte Besucher trotzdem für diesen Tag einige Infos zusammenstellen. Der nächste Bauernmarkt, der für den 3. Oktober geplant ist, soll dann wieder stattfinden. In den Herbstferien finden Aktionstage statt, und für 31. Oktober ist wieder ein Tierparkfest geplant, für das ebenfalls noch Unterstützung und Sponsoren gesucht werden.

Der Tierpark ist täglich geöffnet. Zurzeit gibt es Nachwuchs bei den Minischweinen und Bulgarischen Langhaarziegen, so Näther. Er betont ausdrücklich, dass für Autofahrer die Zufahrt zum Elbe-Tier-Park Hebelei ungehindert möglich ist. Busreisenden empfiehlt er, die Haltestelle „Weg zur Göhrischgärtnerei“ zu nehmen. Von dort könnten sie direkt auf dem Fahrradweg in die Hebelei zu laufen.

Fest stehe aber schon jetzt, dass der Elbe-Tier-Park in diesem Jahr extrem von Spenden abhängig sei, weil die Baustelle die komplette Saison bestimmte und es derzeit kein wirtschaftliches Polster für die Absicherung des Winters gibt.

Von dem gegründeten Förderverein „Tierpark“ Hebelei kann er vorerst wohl keine Hilfe erwarten. Dem Verein wurde keine Gemeinnützigkeit zuerkannt. Wie es weitergeht, ist unklar. Am Montag will Sven Näther in der Gemeinderatssitzung über die prekäre Lage sprechen.

Spenden können auf das Tierparkkonto überwiesen werden an Elbepark Hebelei, IBAN: DE04 8505 5000 3100 0050 65, Verwendungszweck: Hilfe für den Tierpark. Auch Futter- und Sachspenden sind herzlich willkommen.

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