merken
PLUS Zittau

Vier Wochen Vorlauf in Waltersdorf

Auch das gibt's: Eine Großbaustelle, auf der alles läuft, Anwohner, die nichts auszusetzen haben, und Bauleute, die sogar die Müllabfuhr übernehmen.

Die Hauptstraße in Waltersdorf wird derzeit grundhaft ausgebaut.
Die Hauptstraße in Waltersdorf wird derzeit grundhaft ausgebaut. © Matthias Weber/photoweber.de

Der Vorgarten ist ziemlich ramponiert. Einige Rosenstöcke mussten ganz dran glauben, große Erdhaufen liegen jetzt zwischen den anderen. Und blaue und gelbe Rohrleitungen. "Kein Problem", sagt der Rentner, der hier wohnt, und winkt ab. "Das bringen die nachher alles wieder in Ordnung."

Die bunten Rohre im Rosenbeet sind die Behelfsleitungen für Gas und Wasser, die die Anwohner an der Waltersdorfer Hauptstraße nun schon seit Monaten versorgen. Die einzige Straße durch den langgezogenen Ort ist seit Mai eine Großbaustelle. Der Abschnitt vom Quirlehäusl bis hoch zum oberen Touristen-Parkplatz - insgesamt rund 700 Meter lang -wird grundhaft ausgebaut. Noch bis nächstes Jahr wird das dauern.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Der Rentner im ramponierten Vorgarten nimmt das völlig gelassen. Interessiert beobachtet der 75-Jährige das Treiben. "Das läuft hier wie am Schnürchen", lobt der Mann. Das kann auch Großschönaus Bauamtsleiter, Markus Hummel, bestätigen. Er ist an diesem Vormittag mit Projekt-Planer Robert Sünder zur Baubesprechung nach Waltersdorf gekommen. Und erfährt etwas beinahe schon Außergewöhnliches.

Die größte Baumaßnahme in der Gemeinde liegt nicht im Zeitverzug. Sie hat sogar vier Wochen Vorlauf. "So reibungslos wie hier klappt das selten", weiß Robert Sünder, der Projektleiter. Und dabei ist die Baustelle keine einfache: Die Waltersdorfer Hauptstraße hat ein starkes Gefälle, sie ist schmal, die angrenzenden Häuser rechts und links stehen dicht an der Fahrbahn. 

Eine logistische Herausforderung

Und auch die vielen Medien auf engstem Raum machen es kompliziert, erklärt der Planer. Neben dem Regenwasserkanal werden auch die Gasleitungen und die  Straßenbeleuchtung erneuert. Und an diesem Vormittag ist besprochen worden, dass die Waltersdorfer bei der Gelegenheit hier auch gleich noch schnelles Internet bekommen. Ein gutes Timing ist da alles. "Es müssen eben alle Beteiligten so gut wie möglich in den Zeitplan eingetaktet werden", erklärt Robert Sünder.

Bauleute beraten, wie es an der Waltersdorfer Riesen-Baustelle weitergeht.
Bauleute beraten, wie es an der Waltersdorfer Riesen-Baustelle weitergeht. © Matthias Weber/photoweber.de

Der Zeitplan sieht vor, dass die neuen Medien bis zum Wintereinbruch alle drin sind. Die Straße soll dann den Winter über behelfsmäßig befahrbar sein, bevor es im Frühjahr weitergeht.

Der Straßenbau über 700 Meter unter Vollsperrung ist aber auch eine logistische Herausforderung. Die Grundstücke im Baustellenbereich müssen immer erreichbar sein - nicht nur für die Anwohner selbst, sondern im Notfall auch jederzeit für die Feuerwehr und den Rettungsdienst.

"Das klappt wirklich super", sagt der Rentner im ramponierten Vorgarten. "Wir brauchen die Bauarbeiter nur anzusprechen, die helfen immer." Die Bauarbeiter kommen von der Hainewalder Firma Franke-Bau. Alle Anwohner haben Briefe mit den Telefonnummern der Ansprechpartner bekommen, die jederzeit für sie erreichbar sind. "So muss das sein, und dann läuft das auch", sagt der Rentner. "Die Bauleute bringen an den Abfuhrtagen sogar unsere Mülltonnen an die Sammelstellen."

Der nächste Abschnitt wird noch schwieriger

Für den jetzt laufenden Bauabschnitt kann der Verkehr in Richtung Lausche über die Jonsdorfer Straße und die Windgasse unkompliziert umgeleitet werden. Für den nächstes Jahr geplanten Weiterbau der Straße oberhalb des Touristenparkplatzes aber gibt es keine Umleitungsstrecke - dafür aber viel touristischen Verkehr zu den oberhalb liegenden Gasthäusern und Hotels und zum Lauschegipfel.

"Das wird dann noch mal richtig schwierig", weiß Markus Hummel schon jetzt. Der ursprünglich geplante Bau einer Behelfsstraße war an dem Veto von Grundstückseigentümern gescheitert. Der Abschnitt muss deshalb unter halbseitiger Sperrung mit Ampelregelung gebaut werden - wofür die schmale Straße aber gar nicht ausreicht.

Weiterführende Artikel

Wer plant denn so einen Betonwall?

Wer plant denn so einen Betonwall?

Eine gigantische Mauer erhitzt die Gemüter in Waltersdorf. Bauarbeiter haben sie im Zuge des Hauptstraßen-Baus vor mehrere Häuser gesetzt. Ist das ihr Ernst?

Was Sie von der Lausche nie gesehen haben

Was Sie von der Lausche nie gesehen haben

Der neue Aussichtsturm ist fast fertig und zeigt Beeindruckendes. Doch mit der geplanten Einweihung am 21. August gibt es ungeahnte Probleme.

Damit der Verkehr dann an der Baustelle vorbeigeleitet werden kann, müssen Anwohner für die Bauzeit ihre Vorgärten opfern. Die Bauzeit verlängert sich dadurch um ein ganzes Jahr. Und umfangreiche Mehraufwendungen und Sicherungsmaßnahmen lassen die Gesamtkosten für das Projekt auf insgesamt 2,7 Millionen Euro wachsen.

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier

Mehr zum Thema Zittau