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Die ganze Stadt ist eine Baustelle

An allen Ecken in Zittau wird gebaut - die einen regt das auf, die anderen freut's.

Die Äußere Weberstraße ist zwischen der Rietschelstraße und dem Stadtring seit Monaten gesperrt.
Die Äußere Weberstraße ist zwischen der Rietschelstraße und dem Stadtring seit Monaten gesperrt. © Matthias Weber/photoweber.de

Von Benjamin Pohl und Jan Lange

Damit hätte Detlef Neuse nicht gerechnet: Das erste Mal ist der Berliner in Zittau und gleich hat er sich ordentlich verfahren - obwohl sein Wohnmobil ein Navi hat. Aber das zeigt eben die aktuellen Baustellen nicht an. Nur über Umwege erreichte er schließlich den Campingplatz am Olbersdorfer See.

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Mit dem Fahrrad wollten der 66-Jährige und seine Frau später noch die Innenstadt erkunden und standen vor dem gleichen Problem. Überall Sperrungen, kein Weiterkommen. So schön das Zentrum von Zittau auch sein mag, man müsse sich erst mal dahin finden, meint Detlef Neuse. Auch anderen Urlaubern schlagen die zahlreichen Baustellen gewaltig auf die Nerven. 

Aber nicht nur ihnen - selbst die Einheimischen stören sich daran. "Man regt sich künstlich auf, weil so viele Straßen gebaut und saniert und hergerichtet werden", fasst Zittaus Stadtsprecher Kai Grebasch die Stimmung bei Facebook zusammen. Wenn an Straßen nichts gemacht wird und die Schlaglöcher immer größer werden, dann ruft das die Kritiker auf den Plan. Werden die Straßen saniert, äußern sie ebenfalls ihren Unmut. So auch jetzt wieder. Die ganze Stadt ist eine Baustelle, findet mancher Zittauer. Überall nur gesperrte Straßen.

Innenstadt-Straßen voll gesperrt

Ganz unrecht haben sie damit nicht. Die Liste der aktuellen Vollsperrungen ist lang - wie eigentlich in jedem Sommer. Die Innere Weberstraße ist im unteren Abschnitt dicht, ebenso wie die Brunnenstraße, wo gerade das frühere Bürgermeisterhaus saniert wird, und die Amalienstraße. Derzeit ist auch die Böhmische Straße wegen der Arbeiten auf der Amalienstraße gesperrt. 

Seit Monaten geht ebenso auf der Äußeren Weberstraße zwischen Rietschelstraße und Stadtring verkehrstechnisch nichts mehr. Die Bergstraße ist noch bis Ende November dicht, die Gerhart-Hauptmann-Straße soll immerhin schon in zwei Wochen wieder für den Verkehr freigegeben werden. Hinzu kommen noch die Eckartsberger Straße und der Lutherplatz, wo es bis Ende August beziehungsweise Ende September ebenfalls Vollsperrungen gibt.

Nicht berücksichtigt sind in dieser Aufzählung die halbseitigen Sperrungen. Auf der Friedensstraße können Autofahrer momentan ab der Kreuzung Südstraße nur in Richtung Grenze fahren. Wer beispielsweise vom Tanken in Polen zurückkommt oder zur Brückenstraße will, der muss größere Umleitungen fahren.

Auch die Amalienstraße ist derzeit gesperrt.
Auch die Amalienstraße ist derzeit gesperrt. © Matthias Weber/photoweber.de

Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) erreichen deshalb regelmäßig Nachfragen und Beschwerden, wie er in seinem Bericht im jüngsten Stadtanzeiger erklärt. Dass er sich im städtischen Amtsblatt zu den Baumaßnahmen äußert, zeigt, dass das Thema die Zittauer beschäftigt. Er werde immer wieder gefragt, warum so viel auf einmal gebaut werden muss, schreibt Zenker. Weil wirklich große Baumaßnahmen eben nur im Sommer möglich sind, ist seine Antwort. Zenker ist nach eigener Aussage froh, dass so viel gebaut werden kann. Schließlich zeige das auch, dass entgegen vieler Unkenrufe die Leistungsfähigkeit der Stadt Zittau noch nicht verloren gegangen ist.

Zudem seien einige der aktuellen Baumaßnahmen in der Vergangenheit aus finanziellen Gründen verschoben worden. Die Erneuerung der Inneren Weberstraße war zum Beispiel schon für 2019 vorgesehen, lag dann aber ein Jahr auf Eis - ebenso wie die Sanierung der Amalienstraße.

Hauptmann-Straße als nächstes fertig

Bei den momentanen Bauvorhaben sei die grundsätzliche Notwendigkeit zum Handeln gegeben, findet Zittaus Rathauschef. Das gelte für die Bergstraße genauso wie für die Äußere Weberstraße oder die Neusalzaer Straße. Zenker hofft auf einen unfallfreien Bauablauf, damit die gesperrten Straßen planmäßig wieder freigegeben werden können. Laut den Ankündigungen der Stadt soll als nächstes die Gerhart-Hauptmann-Straße wieder geöffnet werden - und zwar ab dem 28. August.

Auch Grebasch sieht die zahlreichen Baustellen positiv. Neben dem Straßenbau entstehen derzeit ja auch zwei neue Hotels, Grundsteinlegungen und Spatenstiche finden im Akkord statt - der nächste an diesem Freitag am Fraunhofer Kunststoffzentrum Oberlausitz, das erweitert werden soll. "Es gibt eigentlich wenig Grund, sich zu ärgern, oder?", meint Grebasch.

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