merken
PLUS Bautzen

Unklarheit um rechten Treff in Bautzen

Der Musiker Chris Ares kündigt weiterhin die Eröffnung eines Geschäfts an. Doch die Informationen dazu sind widersprüchlich.

Der rechtsextreme Rapper Chris Ares - hier eine Fotomontage, die ihn vor einer Ansicht von Bautzen zeigt - will in der Stadt ein Geschäft eröffnen.
Der rechtsextreme Rapper Chris Ares - hier eine Fotomontage, die ihn vor einer Ansicht von Bautzen zeigt - will in der Stadt ein Geschäft eröffnen. © Foto: SZ/Uwe Soeder, Screenshot: SZ

Bautzen. Mitte Juli hat Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens im Stadtrat mitgeteilt, dass Christoph Aljoscha Zloch alias Chris Ares ein Gewerbe in Bautzen angemeldet hat. Ares wird vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet und als rechtsextrem eingestuft. Im September soll sein Geschäft eröffnet werden, doch das steht noch nicht fest.

Gemeinsam mit dem Tätowierer Jan David Fautz hat Ares zum 1. September ein Gewerbe angemeldet. Die „Ares & Fautz Art Company UG“ will Tätowierungen anbieten sowie Kleidung und Tonträger verkaufen. Dazu hat die Unternehmergesellschaft (UG) Geschäftsräume in der Wendischen Straße 1 in der Bautzener Altstadt gemietet. Das geht aus der Gewerbeanmeldung hervor, die Sächsische.de vorliegt. In der Facebook-Gruppe „Das ist Bautzen“ hat Ares vor wenigen Tagen den 14. September als Eröffnungstermin genannt. Dort sowie auf seinem Telegram- und dem vermeintlichen Instagram-Kanal des Ladens wirbt er dafür, Termine zum Tätowieren zu vereinbaren. In den vergangenen Monaten hatte Ares zudem angekündigt, ein Wohnprojekt in der Region umzusetzen. Laut den Recherchen des Spiegel-Magazins bento, finden diese Pläne in Ares‘ Umfeld aktuell kaum konkrete Unterstützer.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Gewerbeanmeldung und Mietvertrag in Bautzen

Neben der Gewerbeanmeldung existiert auch der Mietvertrag für die Wendische Straße 1. Das bestätigt die Stadtverwaltung Bautzen. Der Vermieter will sich allerdings nicht zu dem Thema äußern. In Absprache mit ihm übernimmt diese Aufgabe das Büro des Bautzener Oberbürgermeisters. Dessen Mitarbeiter Markus Gießler teilt auf Anfrage mit, dass es aktuell weder eine Abmeldung des Gewerbes noch eine Anmeldung für einen anderen Standort gebe.

Der Vermieter habe Chris Ares und seinem Geschäftspartner allerdings Auflagen erteilt. So dürften ausschließlich Tätowierungen angeboten werden. Andere Nutzungen wie etwa Partys oder Aktionen vor dem Gebäude seien untersagt. Im Frühjahr hatte Ares auf Instagram noch von einem „Jugendzentrum für Patrioten“ mit „Tischkicker, Kampfsport-Training und Musik-Workshops“ in Bautzen geschrieben.

Ares selbst ruft zwar dazu auf, Termine in seinem Tattoostudio zu vereinbaren, aber die genaue Adresse gebe es erst nach der Zusage. In der genannten Facebook-Gruppe schrieb er jetzt, dass der Laden zehn Minuten außerhalb Bautzens liege. Dafür gibt es bislang keine offiziellen Bestätigungen. Der in den sozialen Netzwerken sehr aktive Ares hat zwar mögliche Tattoo-Motive und den Eröffnungstermin 14. September veröffentlicht, aber noch nicht ein Bild von seinem Tattoostudio gezeigt. Eventuell sind die Räume jetzt, nur zweieinhalb Wochen vor dem möglichen Start, noch gar nicht fertig.

Unterschriften und Protest gegen Ares

Der Bautzener OB hatte im Juli mit dem Vermieter über das Thema gesprochen. Dieser lasse den Mietvertrag juristisch prüfen. Laut Raimund Kühne, Fachanwalt für Mietrecht aus Dresden, seien die Möglichkeiten im Gewerbemietrecht aber begrenzt. Hier schließe man im Sinne beider Parteien lange Verträge. „Oft werden fünf Jahre Mietdauer fest vereinbart. Deswegen gibt es für beide Seiten auch keine Kündigungsmöglichkeit.“ Außerordentliche Kündigungsgründe würden allerdings auch hier greifen, etwa wenn „ein ganz anderes Gewerbe betrieben wird als im Vertrag angegeben“ oder es zu „Zahlungsverzug oder Täuschung über die Liquidität seitens des Mieters“ komme. Bautzens OB hatte sich im Juli klar gegen die Pläne von Chris Ares ausgesprochen. Dem folgten auch die meisten Stadträte.

Im Gebäude an der Wendischen Straße 1 in Bautzen will Chris Ares laut bisheriger Pläne ein Geschäft eröffnen. Es ist das Geburtshaus des Bautzener Arztes, Ratsherren und Mäzens Gregorius Mättig.
Im Gebäude an der Wendischen Straße 1 in Bautzen will Chris Ares laut bisheriger Pläne ein Geschäft eröffnen. Es ist das Geburtshaus des Bautzener Arztes, Ratsherren und Mäzens Gregorius Mättig. © SZ/Uwe Soeder

Die zweite öffentliche Reaktion kam von der Mättig-Stiftung, da die Wendische Straße 1 das Geburtshaus des Bautzener Arztes, Ratsherren und Mäzens Gregorius Mättig ist. Die Stiftung hatte sich mit einem offenen Brief an die Bautzener gewandt und dazu aufgerufen, sich nicht „missbrauchen zu lassen“. Laut dem Stiftungsratsvorsitzenden Uwe Koch gab es ein Gespräch mit dem Vermieter, in dem man klargemacht habe, dass dieses Haus mehr sei als eine Immobilie, „ein wichtiger Ort der Bautzener Erinnerungskultur“. Man wolle am Haus deshalb an Mättig und seinen Geburtsort erinnern, zum Beispiel mit einer Tafel an der Fassade.

Zudem wurden zwei Online-Petitionen gegen das Vorhaben von Chris Ares gestartet. Jüngste Aktion ist die Gründung des Bündnisses „Keep together - zusammen gegen rechts“, das sich im Landkreis Bautzen gegen die Pläne von Ares einsetzen möchte, wie Sprecherin Hanna Scheudeck erklärt. „Vieles liegt zwar nicht in unseren Händen, aber wir wollen die Bevölkerung informieren und alles dafür tun, dem entgegenzustehen.“ Erste Aktionen und Veranstaltungen seien in Planung. 

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen