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Bautzen: Darum ist die neue Kita so teuer

Die Kosten für den Bau am Schützenplatz sind drastisch gestiegen. Etliche Stadträte kritisieren das. Die Stadt zieht Konsequenzen.

Im kommenden Frühjahr sollen in der neuen Kita am Bautzener Schützenplatz die ersten Kinder einziehen. Bei aller Freude über die nahende Fertigstellung: Weil die Kosten für den Bau drastisch gestiegen sind, gab es Kritik vonseiten der Stadträte.
Im kommenden Frühjahr sollen in der neuen Kita am Bautzener Schützenplatz die ersten Kinder einziehen. Bei aller Freude über die nahende Fertigstellung: Weil die Kosten für den Bau drastisch gestiegen sind, gab es Kritik vonseiten der Stadträte. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Etwa 35.000 Euro zahlt die Stadt für die Malerarbeiten, kalkuliert hatte sie mit rund 66.000 Euro. Und auch die Kosten für die Böden liegen deutlich unter der Summe von 131.000 Euro, mit der die Stadt geplant hatte: Bei den Bau-Losen, die der Bauausschuss am Montagabend für die neue Kita am Bautzener Schützenplatz beschlossen hat, ist die Sache gut ausgegangen. Die Stadt hat weniger ausgegeben, als sie bei den Planungen der Kita 2017 gedacht hätte.

Doch das war nicht immer so – im Gegenteil. Die Kosten für den Kita-Neubau sind sogar so drastisch gestiegen, dass einige Stadträte eine Prüfungskommission – eine Art Untersuchungsausschuss – gefordert hatten.

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Was kostet der Bau der Kita jetzt?

Eigentlich wollte die Stadt nur 4,9 Millionen Euro für den Bau ausgeben. Schon vor Baubeginn musste das Vorhaben um etwa eine halbe Millionen Euro aufgestockt werden. Mittlerweile geht die Stadt von einer Gesamtsumme von etwas mehr als sieben Millionen Euro aus; rund 6,3 Millionen sind bereits durch Verträge gebunden.

Was sind die Gründe für den drastischen Anstieg?

„Wir haben auf viele Einzellose andere Angebote bekommen als erwartet“, sagt Bautzens Baubürgermeisterin Juliane Naumann. Einige lagen, wie die am Montagabend, unter dem geschätzten Preis – viele waren aber eben auch höher. „Vieles haben wir vorher extra bei den Bauunternehmen abgefragt – die Angebote lagen trotzdem drüber“, sagt Naumann, „wir waren zum Teil wirklich überrascht.“

Zugreifen musste die Stadt trotzdem. Sonst hätte sich der Bau verzögert. Aber nicht nur die Angebote, die mehr kosteten als gedacht, sind schuld. Auch die Planungen mussten teilweise angepasst werden. Zum Beispiel wurde die Baugrube größer als gedacht, andere Fenster waren nötig, und ein aus Holz geplantes Geländer musste aus Statik-Gründen doch aus Stahl gebaut werden.

Gibt es jetzt eine Prüfungskommission?

Die Stadträte haben eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit dem Thema befasst. Die Mitglieder können die Stadtverwaltung noch einmal detailliert befragen, wie sich die einzelnen Kostensteigerungen ergeben haben.

Was sagen die Stadträte zu den gestiegenen Kosten?

Kritik gibt es vor allem an der Auswahl des Architektenbüros. „Das Planungsbüro war überfordert“, sagt zum Beispiel Claus Gruhl von den Grünen. Auch FDP-Fraktionschef Mike Hauschild übt Kritik an dem Büro: „Das Architektenbüro wurde durch einen Wettbewerb ausgesucht, bei dem Büros aus der Region keine Chance hatten.“ Denn eine der Bedingungen sei gewesen, dass das Büro schon ähnlich große Bauvorhaben bewältigt habe. Außerdem mangele es dem Hamburger Büro an Kompetenz. Es habe vielleicht bereits große Aufträge gehabt – aber noch keine Kindergärten geplant.

Tatsächlich bestätigt das Büro auf Anfrage von Sächsische.de, dass die Kita in Bautzen das erste Kita-Projekt sei, das auch realisiert werde. „Das Unternehmen hatte null Kompetenz“, findet Hauschild – und verdeutlicht an einem Beispiel: „Eine Holzfassade mit Abstand zwischen den einzelnen Leisten war geplant – da besteht für Kinder Verletzungsgefahr.“ Claus Gruhl stellt sich dennoch schützend vor Juliane Naumann, sagt: „Trotz allem handelt es sich hier keineswegs um ein Komplettversagen der Baubürgermeisterin.“ Begründet sei die Preissteigerung auch durch die anspruchsvolle Architektur des Baus – und die sei ihm auch wichtig.

Was sagt die Baubürgermeisterin zu der Kritik?

„Wir haben nichts vertuscht. Es waren Anpassungen der Pläne notwendig, und die Baupreise steigen. Wir haben immer das günstigste Angebot gewählt, und es gibt für jede Steigerung eine Erklärung“, sagt Juliane Naumann. Und sie ist überzeugt: „Das Büro hat alle Voraussetzungen erfüllt, die im Wettbewerb gefordert worden sind. Der Wettbewerb war nach gängigen Richtlinien ausgelegt.“

Auch kleinere Büros seien „unter Beachtung der formalen Teilnahmevoraussetzungen zum Wettbewerb zugelassen“ gewesen. Es ging auch um frische Ideen: Das Hamburger Architektenbüro entspreche insofern den Teilnahmevoraussetzungen, „dass statt ausgeführter Referenzen auch prämierte Wettbewerbsarbeiten als Referenz eingereicht werden durften. So wurde sichergestellt, dass sich auch junge Büros zumindest im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens intensiv mit einer vergleichbaren Planungsaufgabe auseinandergesetzt haben.“

Welche Konsequenzen wurden gezogen?

„Wir haben aus der Sache gelernt“, sagt Juliane Naumann. Was sie meint, ist: In Zukunft will sie Kostenentwicklungen „engmaschiger“ kommunizieren. Um die Kostensteigerungen zu begrenzen, wird an einigen Stellen gespart – zum Beispiel bei den Möbeln. Statt Holz „bekommen einige Möbel nun eine Kunststoffbeschichtung.“ Und es waren alle Akustikdecken aus Holz vorgesehen – nun sind einige aus Gipskarton. Statt eines Kautschukbodens gibt es Linoleum. Etwa 100.000 Euro, schätzt Naumann, konnten auf diese Weise gespart werden.

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