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Tolle Bescherung: Anklage statt Christbaum

Ein Mann aus Großdubrau sägte am Nadelbaum eines anderen – und wurde erwischt. Über eine Sache muss der Mann vor Gericht nun selber lachen.

Ein Mann aus der Gemeinde Großdubrau hat im Dezember 2019 am Baum eines anderen gesägt. Jetzt saß er deshalb in Bautzen auf der Anklagebank.
Ein Mann aus der Gemeinde Großdubrau hat im Dezember 2019 am Baum eines anderen gesägt. Jetzt saß er deshalb in Bautzen auf der Anklagebank. © SZ

Bautzen. Der Mann aus Großdubrau hatte das verdächtige Geräusch gehört, als er gerade zu seinen Kaninchen in den Schuppen laufen wollte: Ritsch-ratsch machte es da. Das Geräusch hatte er schon erwartet. Sogar auf die Lauer gelegt hatte er sich in den Tagen davor. Denn sein Grundstück ist von Nadelbäumen umsäumt, er und seine Frau haben die Bäumchen als Sichtschutz gesetzt und gepflegt. In den Jahren zuvor hatten aber, jeweils zwei Tage vor Weihnachten, Unbekannte einen Baum abgesägt und gestohlen.

2019, da wollte der Mann auf der Hut sein – doch der ominöse Baumdieb blieb fern. So zumindest erzählt der Mann die Geschichte am Mittwoch vor dem Bautzener Amtsgericht – und landet bei seiner Erzählung schließlich am späten Abend des 23. Dezember 2019. Jenem Moment, an dem er schon gar nicht mehr mit dem Sägen-Geräusch gerechnet hatte. Doch tatsächlich machte sich da ein Mann aus der Gemeinde mit einer Fuchsschwanz-Säge an einem Baum zu schaffen.

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Jetzt musste sich der 67-Jährige unter anderem wegen des versuchten Diebstahls – wegen der mitgeführten Säge angeklagt als Diebstahl mit Waffen – und Nötigung vor Gericht verantworten.

Polizeibesuch statt gemütlichem Bad

„Kann ich helfen?“, mit diesen Worten – so erzählt es der Baumbesitzer heute – habe er den Angeklagten beim Sägen angesprochen. Was beim Richter ein Lachen hervorruft, sorgte 2019 dafür, dass der Angeklagte versuchte zu fliehen. Es folgte eine Verfolgungsjagd – zu Fuß. Denn den Erzählungen zufolge versuchte der Mann mit der Säge zu fliehen. „Er rief mir zu: Hau ab oder ich bring dich um“, berichtet der Geschädigte. 

Hin und her sei es gegangen, in etwa so: Er habe versucht, den Mann zu schnappen – dieser habe mit dem Werkzeug in Richtung seiner Beine geschlagen. Daraufhin sei er ausgewichen, zurückgesprungen – und wieder nach vorne, um nach dem 67-Jährigen zu greifen. Der Angeklagte leugnet die Schläge und die Drohung.

Ein Ende fand die Jagd erst vor einem Wohnhaus, an dem der Fliehende klingelte. Durch das Wohnzimmer entkam er. Aber der Bewohner des Hauses kannte den Mann und konnte ihn identifizieren. Später am Abend klingelte die Polizei dann an dessen Haustür. Selbst der Angeklagte lacht nun zaghaft: „Ich lag in der Badewanne, musste mich erst anziehen.“

Dennoch: Übermäßig heiter ist die Sache für ihn nicht. Während der Verhandlung nuschelt er, versteckt sein Gesicht hinter einem Mund-Nasen-Schutz, blickt die meiste Zeit nach unten. Mehrfach entschuldigt er sich.

Wegen des versuchten Diebstahls und der Nötigung verwarnt das Gericht den Mann. Nur wenn er gegen Auflagen verstoßen sollte, muss er zahlen. Dann kommt eine Summe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro auf ihn zu. Außerdem zahlt er jeweils 100 Euro an den Umwelt-Verein Grüne Liga und an den Eigentümer des Baumes.

Trotz allem noch ein frohes Fest?

Erzählen könnte man die Geschichte nun mit drei Enden. Da ist zum einen ein komisches: „Haben Sie sich noch einen Weihnachtsbaum besorgt?“, fragt Richter Dirk Hertle. Der Mann bejaht: Er habe im Ausverkauf eines Baumarktes einen erworben. Für zehn Euro.

Da ist auch noch ein emotionales Ende: Der Bewohner des Hauses, durch das der Angeklagte floh, trat als Zeuge auf. Er und der Angeklagte waren einst Freunde, sind sich seit der Sache aus dem Weg gegangen. Warum? „Ich habe mich geschämt“, sagt der Angeklagte. „Es tut mir leid.“ Die beiden vertragen sich wieder – immerhin zum Teil ein glückliches Ende für ein aus dem Ruder gelaufenes Weihnachtsfest.

Und da ist auch noch ein trauriges Ende, nämlich das des Baumes: Von dem ist nur noch ein Stumpf geblieben. „Der angesägte Baum wäre beim nächsten Wind umgefallen“, erklärt der Eigentümer. „Ich musste ihn fällen.“

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