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Bautzen: Getreideernte besser als erwartet

Die Regenfälle der jüngsten Zeit kamen gerade noch rechtzeitig. Dennoch haben die Bauern im Landkreis Sorgen.

Der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Bautzen-Kamenz, Stefan Triebs, zeigt frisch geerntetes Getreide. Rund 10.000 Tonnen lagern in großen Hallen bei Radibor.
Der Vorsitzende des Regionalbauernverbandes Bautzen-Kamenz, Stefan Triebs, zeigt frisch geerntetes Getreide. Rund 10.000 Tonnen lagern in großen Hallen bei Radibor. © Steffen Unger

Bautzen. So also sieht das aus, was mal ein Brötchen werden will. Und gegenüber liegt der Senf in spe - natürlich Bautzner. In großen Hallen nahe dem kleinen Radibor lagern fast alle Zutaten für den typischsten aller typisch deutschen Imbisse. Gut, mit einer Bock- oder Bratwurst können die Bauern im Unternehmensverbund Schwarzadler nicht (mehr) dienen. Aber mit allem anderen schon.

Hier erhebt  sich ein Kegel aus Weizen, da einer aus Roggen. Für den Laien ist Getreide gleich Getreide, doch Stefan Triebs kennt die Unterschiede genau. "Das hier ist Hafer, da drüben liegt Wintergerste", erklärt der Geschäftsführer mehrerer Landwirtschaftsbetriebe im Städtedreieck zwischen Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda.

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In den Hallen bei Radibor liegt das Getreide, aus dessen gemahlenen Körnern hiesige Bäckereien Brot, Brötchen und Kuchen zaubern. Ebenso Futtergetreide, zum Beispiel für die 1.000 Rinder in der benachbarten Milchviehanlage. Auch Saatgetreide für das nächste Jahr. Und der Berg Senfkörner verwandelt sich ein paar Kilometer weiter tatsächlich in die  beliebteste Speisewürze des deutschen Ostens.

Mit Kälte gegen Käfer

Etwa 10.000 Tonnen Getreide passen in die Hallen bei Radibor. In den vergangenen Tagen brachte ein Lkw nach dem anderen die kostbare Fracht von den Feldern. Die Bauern haben teils Tag und Nacht gearbeitet - reifes Getreide kennt keinen Feierabend. Bis zur Ernte 2021 sind die Körnerberge wieder verschwunden.

Neben den Hallen recken sich Silos für Futter und Getreide. Zu Füßen der silberfarbenen Behälter tuckert eine Maschine. Sie pumpt kalte Luft in die Silos, und Stefan Triebs weiß  den Grund. Der heißt Getreidekäfer und lässt sich nicht vertreiben. Die Bauern können den unerwünschten Besucher mit Chemie bekämpfen - oder mit Kälte. Denn bei weniger als neun Grad Celsius vergeht den Tieren die Lust, sie vermehren sich nicht mehr. Rund 30.000 Euro hat die Maschine gekostet, etwa genauso viel Geld verbraucht sie im Jahr für Strom.  "Ein Bauer allein könnte sich das nicht leisten. Aber im Unternehmensverbund können wir das", erklärt der Chef.

Stefan Triebs lässt Körner durch seine Finger rieseln. "Triticale", erklärt er, "ein Futtergetreide." Davon brachten die Bauern im gesamten Landkreis Bautzen in diesem Sommer etwa zehn Prozent weniger ein als vor einem Jahr. Anders beim Winterraps, da gab es ein Plus von 12,5 Prozent gegenüber 2019. An Winterweizen ernteten die Bauern im Landkreis genau ein Zehntel mehr als vor einem Jahr, bei Wintergerste 2,5 Prozent weniger.

Triebs kennt alle Zahlen, denn er leitet zugleich den Regionalbauernverband Bautzen-Kamenz mit Sitz in Bischofswerda. Und er spricht für alle, wenn er sagt: Die Getreideernte ist besser gelaufen als im Frühjahr erwartet. Die Regenfälle in den vergangenen Wochen kamen gerade noch rechtzeitig, nachdem zunächst alles auf das dritte Dürrejahr in Folge hinauszulaufen schien. Aber die Trockenheit im März und April hatte auch ihr Gutes: "Dadurch blieben die Pflanzen gesund und frei von Pilzkrankheiten", erklärt Stefan Triebs. "Die kühle, aber sonnenreiche Witterung im Mai und Juni hat dazu geführt, dass die sehr gesunden Pflanzen viel in die Körner einlagern konnten, ohne Hitzestress."

Wasserreserven fehlen

Doch alle Sorgenfalten konnten die Regenfälle nicht glätten. Denn im Boden stecken keine Wasserreserven mehr. Das bekommen Pflanzen wie Mais und Zuckerrüben zu spüren. "Der Mais rollt sich zusammen und die Zuckerrüben brauchen mehr Zeit zum Wachsen, sogar auf den besseren Böden entlang der Autobahn", sagt der Chef des Regionalbauernverbandes.

Auch das Grünfutter für die Tiere leidet darunter, dass die Wasservorräte im Boden erschöpft sind. "Viele Flächen sind verbrannt und werden dieses Jahr wahrscheinlich kaum noch Ertrag bringen." Triebs rechnet vor, dass die Erträge beim Grünfutter wohl bei nur rund 50 Prozent der üblichen Menge liegen werden. Statt viermal wird das Futter nur zweimal geschnitten. Um die Verluste wenigstens halbwegs auszugleichen, bauen die Landwirte auf ihren Getreidefeldern sogenannte Zwischenfrüchte für die Tiere an. Aber das kommt am Ende teurer, als zweimal mehr Futter zu schneiden.

"Einem Tier nur die Hälfte Futter geben und es hungern lassen, das geht nicht", erklärt Bauer Triebs. Es bleiben also drei Wege: Zwischenfrüchte anbauen, Futter kaufen oder den Tierbestand verkleinern. Aber wenn viele Landwirte gleichzeitig auf die Idee kommen, etwa Rinder zu verkaufen, drückt das den Preis. Und die Preise für Milch und Getreide sind ohnehin alles andere als üppig. Weil es sich am Ende nicht  rechnete, halten die Landwirtschaftsbetriebe im Unternehmensverband Schwarzadler auch keine Schweine mehr.

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