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Bautzen: Das planen die neuen Mieter im Hexenhaus

Gerlind Alius will das Gebäude an der Spree altertümlich herrichten und für Besucher öffnen. Für Kinder hat sie eine besondere Idee.

Gerlind Alius, Türmerin der Neuen Wasserkunst, hat große Pläne für das Bautzener Hexenhäusel.
Gerlind Alius, Türmerin der Neuen Wasserkunst, hat große Pläne für das Bautzener Hexenhäusel. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die neuen Dinge, die interessieren Gerlind Alius nicht. Ob Möbel, Kleidung oder Geschirr – Modernem fehlt etwas Entscheidendes, ist sie überzeugt. Denn Ungebrauchtes erzählt keine Geschichten. „Schon als kleines Kind habe ich mich immer für die Dinge der Omas und Uromas interessiert“, sagt die 59-Jährige. „Ich habe Familien-Erbstücke gesammelt, Bilder, alte Teile, Verschnörkeltes.“

Auch kleine alte Häuschen haben es der Bautzenerin schon damals angetan. „Ich fand die immer so anheimelnd, habe mich im Großelternhaus meines Vaters als Mädchen immer gefühlt wie in einer Märchenwelt“, erzählt sie. Wenig verwunderlich scheint also, dass für Gerlind Alius auch vom Bautzener Hexenhäusel ein gewisser Reiz ausging.

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„Wie wahrscheinlich viele andere auch habe ich immer mal versucht, hineinzuschauen – gehofft, drinnen etwas Altes, vielleicht Schrulliges zu sehen“, erzählt sie und lacht. „Zweimal habe ich geklingelt, aber es hat niemand aufgemacht.“

So sieht es jetzt in der Küche des Hexenhauses aus. Fußboden und Wände sollen wieder ursprünglicher gestaltet werden.
So sieht es jetzt in der Küche des Hexenhauses aus. Fußboden und Wände sollen wieder ursprünglicher gestaltet werden. © Archivfoto: Steffen Unger

Heute, da muss Gerlind Alius nicht mehr klingeln, wenn sie Bautzens wohl ältestes Haus betreten möchte. Sie kann einfach den Schlüssel im Türschloss herumdrehen, denn sie ist die neue Mieterin. Und sie hat Großes vor: Damit andere nicht - wie sie einst - vor verschlossener Tür stehen, will sie Führungen darin anbieten.

Vorher ist aber noch einiges zu tun. Alius steht in der Stube des Hauses und zeigt auf ein Stück Tapete, das lose herabhängt. „Wir haben die Tapete abgerissen, um herauszufinden, was sich darunter verbirgt“, sagt sie. Sind da vielleicht Balken? Lehmwände? „Wir wollen das Haus entkernen und in einen ursprünglicheren Zustand versetzen“, sagt sie und meint, wenn sie „wir“ sagt, sich und ihren Lebensgefährten Ronny Neumann.

Noch steht diese alte Küchenhexe - ein mit Brennholz befeuerter Herd - in der Neuen Wasserkunst. Aber nicht mehr lange. Auch das Regal und der Waschtisch ziehen ins Hexenhaus.
Noch steht diese alte Küchenhexe - ein mit Brennholz befeuerter Herd - in der Neuen Wasserkunst. Aber nicht mehr lange. Auch das Regal und der Waschtisch ziehen ins Hexenhaus. © SZ/Theresa Hellwig

Das Ziel der Bautzener Stadtführerin: die Dielen des Hauses und die alten Holzdecken freilegen, vorgesetzte Wände entfernen. Beim Sanieren will das Paar auch mit alten Techniken arbeiten. In ihrem Haus in Seifersdorf haben die beiden das bereits erprobt: „Falls es Lehmwände gibt, wollen wir mit traditionellen Lehmwickeln arbeiten“, erklärt Gerlind Alius. Dafür müssen sie Stöcke mit Stroh umflechten und mit Lehm bewerfen.

Eingerichtet wird das Haus mit alten Möbeln, etwa aus den Jahren 1850 bis 1920. Das Gebäude stammt zwar von etwa 1600, aber „damals lebte eine arme Fischerfamilie darin. Solche Familien hatten vielleicht ein paar Regale und Schemel“, erzählt Alius, „mehr nicht.“ Die Hängekörbchen für Kinder, die es gab, Öfen mit Holzstangen zum Trocknen von Kräutern und Wäsche, alte Kommoden und Waschschüsseln – all das will sie zeigen.

Auch das alte Biedermeier-Kanapee, das jetzt in der Neuen Wasserkunst steht, kommt ins Hexenhäusel.
Auch das alte Biedermeier-Kanapee, das jetzt in der Neuen Wasserkunst steht, kommt ins Hexenhäusel. © SZ/Theresa Hellwig

Einige der Möbel besitzt die Pächterin der Neuen Wasserkunst schon. In dem alten Bauwerk wenige Schritte entfernt wartet eine alte Küchenhexe - ein mit Brennholz befeuerter Herd - auf ihren Einzug ins Hexenhäusel, ebenso ein Waschtisch und ein altes Regal. Auch alte Schemel aus dem 18. Jahrhundert stehen dort und ein Biedermeier-Kanapee.

Die Besucher sollen aber noch mehr zu sehen bekommen. In einem Raum will Gerlind Alius kleine Puppenstuben von Gudrun Schöne aufstellen, der Inhaberin des Puppenmuseums in Lichtenberg. In diesen Stuben soll zu sehen sein, wie eine historische Küche bei ärmeren Leuten aussah – und wie bei wohlhabenden. Oder auch ein historisches Geschäft. „In diesen Stuben wollen wir all das zeigen, was wir im Original so nicht anbieten können“, erzählt Gerlind Alius.

Selbst den Treppenaufgang will sie nutzen. Dort wird sie Bilder des Bautzener Malers Georg Heine ausstellen, der im Hexenhaus geboren wurde – und dies gezeichnet hat. An anderer Stelle will sie die Geschichten der ehemaligen Bewohner zusammentragen. Im Keller möchte Alius Besuchern ein Erklär-Video zeigen. Nach dieser Einführung dürfen die Gäste eigenständig durch das Gebäude laufen.

So hat der Bautzener Maler Georg Heine das Hexenhäusel zu Papier gebracht. Er wurdedarin geboren.
So hat der Bautzener Maler Georg Heine das Hexenhäusel zu Papier gebracht. Er wurdedarin geboren. © Repro: Steffen Unger

Die Ideen, die Alius hat, sind zahlreich. In etwa zwei Jahren will sie mit dem Gröbsten fertig sein. Öffnen möchte sie das Haus aber schon eher, zu Beginn einzelne Räume zeigen. Die Kosten für den Eintritt sollen unter zehn Euro liegen, für Kinder unter fünf. „Mir ist wichtig, dass jedem der Eintritt ermöglicht wird“, sagt Gerlind Alius, die selbst Grundschullehrer ausbildet. 

„Das Haus soll auch ein Bildungshaus werden. Kinder sind besonders eingeladen.“ Auch als kleine Hexe will sie deshalb manchmal auftreten und Geschichten erzählen. Und wer weiß, vielleicht erleben ja einige der kleinen Besucher denselben magischen Moment wie einst Gerlind Alius in dem Häuschen der Großeltern ihres Vaters.

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