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Wo aus Jogurtbechern neue Rohre werden

Die Rohrwerke in Bautzen beliefern Kunden in aller Welt. Für ihre Produkte verarbeiten sie auch Kunststoffabfälle aus der Gelben Tonne.

Solche Maschinen wickeln bei DRS Rohrwerke in Salzenforst bei Bautzen fertige Rohre auf eine Spule. Das Unternehmen befindet sich auf Wachstumskurs.
Solche Maschinen wickeln bei DRS Rohrwerke in Salzenforst bei Bautzen fertige Rohre auf eine Spule. Das Unternehmen befindet sich auf Wachstumskurs. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Hätte die Nikolaus-Otto-Straße im Industriegebiet Salzenforst noch keinen Namen, würde sich Rohrstraße anbieten. Denn beiderseits der Straße arbeiten Betriebe, in denen sich alles um Rohre dreht. Auf der einen Seite beschießt die Ionisos GmbH fertige Rohre mit winzigen Elektronen und macht sie so haltbarer und leistungsstärker.

Auf der anderen Seite verrät der Firmenname, was dort produziert wird: DRS Rohrwerke Sachsen GmbH. Und am Ende der Straße stapeln sich, weithin sichtbar,  Rohre verschiedenster Durchmesser. Dort hat sich DRS eine stattliche Lagerfläche geschaffen - Zeichen des Wachstumskurses, auf dem sich das Unternehmen befindet.

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2009 gründeten der hessische Rohrspezialist Frank GmbH und die G Quadrat Geokunststoffgesellschaft Krefeld (Nordrhein-Westfalen) in Bautzen ihre sächsische Tochterfirma. DRS ging damals mit 17 Mitarbeitern an den Start, inzwischen sind es fast 70, Tendenz weiter steigend. Hinzu kommen noch 30 Leiharbeiter, sechs Lehrlinge und eine Studentin der Berufsakademie.

Das Gros der Mitarbeiter kam erst in den jüngsten zwölf Monaten zu DRS. Viele von ihnen arbeiteten vorher beim Kfz-Zulieferer Flocktechnik. Nach dessen Aus übernahmen die Rohrwerke nicht nur zahlreiche Mitarbeiter, sondern auch eine Werkhalle und einen Bürotrakt.

Für viele Beschäftigte änderte sich also nicht ihre Firmenadresse, aber der Name des Unternehmens und die Tätigkeit. Die besteht darin, Kunststoffrohre für viele Zwecke zu fertigen. Zum Beispiel Lüftungsrohre für Niedrigenergiehäuser. Rohre für Glasfasern, die  schnelles Internet bis in jedes Haus bringen. Rohre für Abwasser und Regen, die mehr als 100 Jahre halten sollen. Von DRS kommen auch sogenannte Erdwärmesonden, die heißes Wasser aus dem Untergrund nach oben transportieren.

Zehn Millionen Euro in Erweiterung investiert

Geschäftsführer Andreas Seibel greift in einen großen Kübel, lässt weißliches Granulat durch seine Finger rieseln. "Das waren mal Jogurtbecher, Plasteflaschen oder was sonst noch so in der gelben Tonne oder im gelben Sack landet." DRS macht daraus Granulat und gibt so den Wertstoffen aus dem Dualen System Deutschland ein zweites Leben als Kabelschutzrohre. 

"Solche Rohre produzieren wir in diesem Jahr aus mehr als 4.000 Tonnen Kunststoffabfällen", berichtet Seibel. "Das entspricht den Abfällen von etwa 100.000 Menschen." Oder anders gesagt: zweieinhalb Mal der Einwohnerzahl der Stadt  Bautzen. Aneinandergereiht würden die gelben Säcke 20 Kilometer auf einer vierspurigen Autobahn besetzen.

DRS liefert Bautzener Rohre an Kunden in ganz Europa - und weil zu den Abnehmern auch Rohr-Händler gehören, gelangen Kunststoff-Rundlinge aus Salzenforst auch in die USA, nach China und in andere Länder der Erde. 

In die Erweiterung seines Bautzener Werkes investierte DRS in den vergangenen zwölf Monaten mehr als zehn Millionen Euro, die sich außer in den umgebauten Flocktechnik-Gebäuden auch in neuen Maschinen wiederfinden. Diese spucken nicht nur ständig neue Rohre aus, sondern wickeln die biegsamen von ihnen auch gleich auf große Spulen.

Volle Auftragsbücher trotz Pandemie

Das Wachstum soll sich auch im Umsatz widerspiegeln, blickt Andreas Seibel auf die Zahlen. Im Geschäftsjahr 2019 erwirtschafteten die DRS Rohrwerke etwa neun Millionen Euro, Ende 2020 sollen mehr als 22 Millionen Euro zu Buche stehen - ein Plus von rund 140 Prozent. Die können auch erreicht werden, weil Corona das Werk kaum getroffen hat. "Trotz der Pandemie sind unsere Auftragsbücher voll", freut sich der Geschäftsführer. Einziges Zeichen, dass etwas anders ist als sonst: In den Hallen und Büros tragen alle Mitarbeiter einen Mund-Nasen-Schutz.

Den zog sich am Donnerstag auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) über, den das Wachstum des Unternehmens nach Salzenforst gelockt hat. Dulig zeigte sich beeindruckt von den DRS-Erzeugnissen, die weltweit Sachsens Ruf als Lieferant von Qualitätsarbeit stärken.

Trotz Maske wiedererkannt? Rudolf Scharping (r.), einst Bundesverteidigungsminister und SPD-Vorsitzender, war am Donnerstag bei DRS Rohrwerke in Salzenforst zu Gast. Hier ist er im Gespräch mit Thomas Frank, Geschäftsführer der hessischen Mutterfirma von
Trotz Maske wiedererkannt? Rudolf Scharping (r.), einst Bundesverteidigungsminister und SPD-Vorsitzender, war am Donnerstag bei DRS Rohrwerke in Salzenforst zu Gast. Hier ist er im Gespräch mit Thomas Frank, Geschäftsführer der hessischen Mutterfirma von © SZ/Uwe Soeder

Aus Duligs Fahrzeug stieg am Freitag auch ein ehemaliger Politiker, der nach eigenem Bekunden noch nie zuvor in  Bautzen war: Rudolf Scharping, einst Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Bundesverteidigungsminister und eine Zeit lang auch SPD-Vorsitzender. Jetzt steht er nicht nur dem Bund Deutscher Radfahrer vor, sondern ist auch Geschäftsführender Gesellschafter einer Unternehmensberatung in Frankfurt (Main). "Mit den Inhabern der DRS Rohrwerke bin ich freundschaftlich verbunden", sagte der 72-Jährige gegenüber Sächsische.de. "Und dann hat mich Martin Dulig angerufen und gesagt, dass er den Betrieb besucht. Da bin ich gern mitgekommen."

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