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Nach 22 Jahren: Schulleiterin sagt Tschüss

Sie hat die Montessori-Grundschule in Bautzen mit aufgebaut, jetzt geht Änne Dürigen in den Vorruhestand. Für ihre Schüler hat sie noch einen Wunsch.

Nach 22 Jahren verabschiedet sich Änne Dürigen, die Leiterin der Bautzener Montessori-Grundschule in den Vorruhestand. Ihre Mutter komme aus Norddeutschland, deswegen heiße sie nicht Anne, erklärt sie ihren besonderen Vornamen.
Nach 22 Jahren verabschiedet sich Änne Dürigen, die Leiterin der Bautzener Montessori-Grundschule in den Vorruhestand. Ihre Mutter komme aus Norddeutschland, deswegen heiße sie nicht Anne, erklärt sie ihren besonderen Vornamen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Änne Dürigen hätte diese Herausforderung nicht mehr gebraucht. Gemeistert hat sie die Schwierigkeiten rund um die Corona-Schutzmaßnahmen trotzdem. Jetzt verabschiedet sich die 63-Jährige in den Vorruhestand, und die Montessori-Grundschule in Bautzen verliert ihre langjährige Schulleiterin. Eine Nachfolgerin ist aber schon da, sie wird seit Februar eingearbeitet. „Das hat mir die Entscheidung leichter gemacht“, sagt Änne Dürigen, die an diesem Mittwoch offiziell verabschiedet wurde, auch von Vertretern des Bistums Dresden-Meißen, das Träger der Bautzener Schule ist.

Am Vormittag kam Bischof Heinrich Timmerevers, um auch die Viertklässler traditionell zu verabschieden. Neben der Segnung gab es einen Abschlussgottesdienst. Am Nachmittag fand der große Festakt mit Altbischof Joachim Reinelt statt, der auch die Festrede hielt. Damit schließt sich für Änne Dürigen ein Kreis. Gerade ihm sei sie mit Blick auf die Trägerschaft über die Schule zu großem Dank verpflichtet. „Er hat unserer Schule 1998 den Zuschlag gegeben, dabei gab es noch eine Bewerbung eines anderen Standortes.“ 

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„Hier kann nicht jeder machen, was er will."

Änne Dürigen war seit der Gründung der Bautzener Montessori-Schule vor 22 Jahren auch deren Leiterin. Nach der Montessori-Pädagogik lernen die Kinder sehr viel in Freiarbeit und aus eigener Motivation. Sie suchen sich aus, wo, mit wem oder mit welchem Material sie arbeiten. Klare Regeln gibt es trotzdem, und der Lehrplan des Freistaates Sachsens gilt auch hier.

„Das Konzept ist, ganz individuell auf jedes Kind einzugehen und seine Selbstständigkeit zu fördern“, erklärt Änne Dürigen. Und für alle gibt es Jahrespläne. Jedes Kind sei schließlich ein Geschöpf Gottes in seiner Einzigartigkeit. „Hier kann nicht jeder machen, was er will. Am Ende wird abgerechnet. Es wird auch bei uns geführt, aber nicht so eng wie an anderen Schulen.“

Von diesem Konzept war die 63-Jährige bereits überzeugt, als ihre eigenen Kinder im katholischen Kinderhaus in Bautzen nach der Montessori-Pädagogik betreut wurden. Gemeinsam mit anderen Eltern hat sie sich damals dafür eingesetzt, auch eine Schule zu gründen, damit es nach der Kita weitergeht.

Änne Dürigen hat daraufhin ihr Montessori-Diplom gemacht und jahrelang nicht nur als Schulleiterin, sondern auch als Lehrerin gearbeitet. Genau das habe sie immer begeistert. Bis vor fünf Jahren war sie selbst noch Klassenleiterin, was an öffentlichen Schulen kaum vorkommt. Ich wollte das immer sein und habe es deswegen so spät abgegeben.“

"Das war stets meine größte Freude.“

1998 habe sie mit zwei weiteren Pädagogen und rund 30 Kindern begonnen. „Wir waren damals noch in den Räumen einer Grundschule im Gesundbrunnen eingemietet. 2001 sind wir dann in die ehemaligen Räume des Benno-Krankenhauses an der Tzschirnerstraße umgezogen.“ Hier ist die Schule nach wie vor. Mittlerweile mit acht Klassen und rund 200 Schülern.

Mit dieser gestiegenen Verantwortung habe sie über die Jahre auch mehr Selbstbewusstsein gewonnen, sagt Änne Dürigen. „Natürlich konnte ich Schule gestalten, musste aber auch viel managen.“ Sie sei froh über die aktiven Eltern und habe immer mehr gelernt, diesen zu vertrauen und Hinweise anzunehmen. Und was würden ihre Kollegen über sie sagen? „Ich hoffe, dass ich immer ein offenes Ohr gehabt und versucht habe, gerecht zu sein sowie ehrliche, richtungsweisende Ansagen zu machen.“ Noch wichtiger seien aber die Reaktionen der Kinder. „Von ihnen habe ich immer unmittelbare Rückmeldungen bekommen, und das war stets meine größte Freude.“

Gedanken um ihren Ruhestand hat sich Änne Dürigen noch gar nicht gemacht. Dazu sei keine Zeit gewesen, und sie könne das auch noch gar nicht so richtig beschreiben. „Ich habe nichts vorausgeplant und werde schauen, was mir begegnet.“ Nachdem sie sich noch am Montag mit der Umsetzung des Digitalpakts beschäftigt hat, steht am Freitag ihr letzter Schultag an. Es wird den Abschlussgottesdienst in der Liebfrauenkirche für alle Schüler geben, wenn auch Corona-bedingt in Etappen.

Änne Dürigen wünscht sich vor allem, dass die Schule nach den Sommerferien ohne Einschränkungen starten kann. „Alles, was unsere Schule ausmacht, das Gemeinschaftsleben, bremst Corona gerade aus. Der Austausch untereinander fehlt uns sehr, und das reicht jetzt.“ 

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