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Bautzen: Anwohner kämpfen um alte Bäume

80 Linden stehen entlang der Paulistraße. Doch nun soll gebaut werden, und es ist fraglich, ob nur einer der Bäume überlebt.

Marco Kosak wohnt an der Paulistraße in Bautzen. Er wünscht sich, dass die prächtigen Linden trotz des Ausbaus der Straße erhalten bleiben.
Marco Kosak wohnt an der Paulistraße in Bautzen. Er wünscht sich, dass die prächtigen Linden trotz des Ausbaus der Straße erhalten bleiben. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Anwohner der Paulistraße in Bautzen versuchen viel, um ihre Linden zu retten. An diesem Montagabend sind einige von ihnen in den Bauausschuss des Stadtrates gekommen. Im nichtöffentlichen Teil sprechen Marco Kosak und seine Nachbarn, sie erklären ihre Argumente. Eine Rechtsanwältin teilt einen offenen Brief, der an den Oberbürgermeister gerichtet ist, aus. Die Anwohner eint eine Bitte: Die Stadtverwaltung möge darüber nachdenken, ob und wie viele Bäume an der Paulistraße gefällt werden.

Denn das ist der Punkt, der den geplanten Straßenausbau für die Anlieger so emotional macht. Rund 80 Bäume stehen noch entlang der Paulistraße. Ob einer bleibt, ist fraglich. Die Straße soll grundhaft ausgebaut werden, Gehwege, Rinnen, Borde, die Beleuchtung sowie die Leitungen für Strom, Wasser, Fernwärme und Gas sollen erneuert werden.

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Laut Daniel Linde ist das notwendig. Der Ingenieur von einem Planungsbüro aus Dresden stellt die Planung vor und zählt die unzähligen Schäden etwa an der Straßenoberfläche und den Gehwegen auf. Die Straße auszubauen und gleichzeitig die Bäume zu erhalten, sei aus verschiedenen Gründen nicht umsetzbar. Ein Gutachter müsste dann etwa jeden Tag die Standsicherheit der Bäume überprüfen.

Planer: Drei Varianten für den Ausbau

Marco Kosack würde gar nicht erst anfangen zu bauen – zumindest nicht jetzt: „Wir sollten uns noch Zeit nehmen, um nach anderen Lösungen zu suchen, um neu zu denken. Der jetzige Planungsstand ist nicht falsch und erfüllt vielleicht alle Vorschriften, aber er ist auch eine 0815-Variante. Mit der besonderen Situation unseres Baumbestandes lohnt es sich aber, Alternativen zu finden.“

Ingenieur Daniel Linde hat drei mögliche Szenarien vorgestellt: In Variante eins würden die Bäume erhalten, dafür fielen aber viele Parkflächen weg. Bauarbeiten nahe der Bäume wären nicht möglich.

Bei Variante zwei würden die Bäume gefällt und neue gepflanzt. Es blieben die jetzigen Parkplätze entlang der Straße größtenteils erhalten. Es wäre für den Ingenieur ein Kompromiss aus den Anforderungen an Gehwege, Bäume, Parkplätze und Fahrbahn.

Auch in Variante drei würden die Bäume gefällt, viele Parkplätze würden wegfallen, dafür aber ein separater Grünstreifen für die Bäume entstehen. Laut Daniel Linde wären diese Bauarbeiten aufwendiger und würden länger dauern. Dafür wäre es eine langfristige Lösung.

Baubürgermeisterin Juliane Naumann erklärt, dass sie die Konflikte, die Argumente der Anwohner, aber auch die Zwänge der Verwaltung sehe. Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) würde aus persönlicher Sicht einige alte Bäume erhalten. Sie seien wichtig fürs Stadtklima. Der Verwaltung sei klar, dass Baumfällungen den Anwohnern wehtun würden, sagte er im Bauausschuss.

Deswegen sind für Marco Kosak und die anderen Anwohner diese Kompromisse nicht die beste Lösung. „Wir haben nur die eine Chance. Wenn die Bäume gefällt wurden, ist es zu spät.“ Erst am vergangenen Freitagabend hatten sich rund 40 Anwohner zu einer spontanen Begehung der Paulistraße getroffen.

Auch Landschaftsplaner Falk Lorenz war vor Ort. Er hat sich in einer lokalen Facebook-Gruppe zu dem Thema geäußert. „Ich persönlich finde es grausam und unsensibel, was in den letzten Jahren mit den ganzen Straßenerneuerungen im ‚Villenviertel‘ passiert ist. Wir haben hier wirklich drei Punkte, die vernachlässigt wurden: Denkmalschutz, Naturschutz und Lebensqualität der Anwohner. Mich wundert es nicht, dass die Anwohner der Paulistraße ihr letztes Grün halbwegs erhalten wollen.“

Gutachten: Nur 16 Bäume überlebensfähig

Das Baumgutachten, auf das sich die aktuellen Planungen beziehen, nennt allerdings nur 16 Bäume, die theoretisch erhaltensfähig sind. Der Rest sei zu stark geschädigt. Und auch ob diese 16 die Bauarbeiten überleben, scheint nicht sicher zu sein, wie Garten- und Landschaftsarchitekt Mario Schubert erklärt. Er ist mit seinem Büro ebenfalls in die Planungen involviert.

„Wurzeln werden definitiv bei den Bauarbeiten verletzt“, so Schubert. Das ließe sich nicht ausschließen. Er verstehe die Anliegen der Anwohner, sehe aber auch in der Neupflanzung eine Option. So ließe sich die Straße ordentlich bauen, und den neuen Bäumen könnte ein guter Start ermöglicht werden. Würden alle bestehenden Bäume gefällt, könnten 113 neue gepflanzt werden. Bis diese eine Höhe von 15 bis 18 Metern erreicht haben, dauere es allerdings etwa 20 Jahre.

Deutlich schneller soll es bei den Planungen mit der Paulistraße vorangehen. Baubürgermeisterin Juliane Naumann kündigte eine separate Anliegerversammlung nach der Sommerpause an. Marco Kosak kann sich auch runde Tische und Bürgerversammlungen vorstellen, um herauszufinden, was alle Anlieger wollen. Wenn die Mehrheit für die Baumfällung sei, würde Kosak das akzeptieren. „Die Bürger sollten aber mitgenommen werden, sonst besteht die Gefahr, dass ihr Engagement immer weiter sinkt.“

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