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Bautzen: Neun Fragen zur neuen Brücke

Über 200 Bürger haben sich schon an der Debatte um das Projekt beteiligt, Sächsische.de hat bei den wichtigsten Punkten nachgehakt.

So könnte die Brücke über die Spree vom Protschenberg bis in die Altstadt aussehen. Die Visualisierungen sind dabei bislang nur Ideen - die konkreten Planungen hat die Stadt noch nicht beauftragt.
So könnte die Brücke über die Spree vom Protschenberg bis in die Altstadt aussehen. Die Visualisierungen sind dabei bislang nur Ideen - die konkreten Planungen hat die Stadt noch nicht beauftragt. © Visualisierung: Ehrlich Architekten GbR

Bautzen. Fast 200 Kommentare haben die Bautzener bereits zur Spreebrücke abgegeben - und zwar allein auf der städtischen Homepage. Hinzu kommen viele Mails an die Sächsische Zeitung und Kommentare auf Facebook. Aber was beschäftigt die Bautzener? Welche Fragen haben sie zur Brücke, was kritisieren sie? Sächsische.de hat sich das angesehen – und bei der Stadt nachgehakt.

Warum wird die Brücke so teuer?

Ursprünglich waren die Kosten für eine neue Spreequerung mit einer Million Euro beziffert worden – doch diese Zeiten sind vorbei. Allein der Bau einer Brücke wird fünf bis sieben Millionen Euro kosten, sagt die Stadt jetzt – mit der Sanierung von Burgwasserturm und Langhaus schätzt sie das Projekt auf bis zu zwölf Millionen Euro. Zu teuer, finden viele der Brücke-Kommentatoren und sorgen sich: Das Projekt wird doch sicher noch teurer? „Grundsätzlich muss mit Kostensteigerungen beim Bau immer gerechnet werden“, bestätigt Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD). Wie groß diese ausfallen, dazu wagt die Stadt keine Prognose. Die Berechnungen basieren auf dem Baupreisniveau von Sommer 2020. Ahrens dazu: „Stadtentwicklung gibt es nicht geschenkt.“ Im konkreten Fall handele es sich um ein anspruchsvolles Projekt.

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Wie sicher ist, dass es Fördermittel gibt?

Bautzens Oberbürgermeister geht davon aus, dass der Freistaat einen Großteil der Kosten übernimmt. Er spricht in diesem Zuge von einer Förderung in Höhe  von 85 bis 90 Prozent. Sicher ist das allerdings nicht; die Mittel sind noch nicht beantragt. Das geht erst, wenn der Stadtrat oder auch die Bürger durch einen Bürgerentscheid beschlossen haben, dass die Brücke tatsächlich entstehen soll. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) äußert sich ausweichend: „Der Bau einer Spreebrücke vom Protschenberg in die Altstadt ist ein spannendes Projekt mit viel Potential für Bautzen und den Tourismus.“ Auf eine konkrete Summe geht er nicht ein, sagt aber: „Ich bin mit Oberbürgermeister Ahrens im Gespräch und möchte gern helfen, um eine Realisierung des Projekts zu ermöglichen.“

Wäre das Geld nicht woanders besser aufgehoben?

Es ist eine Frage, die immer wieder auftaucht: Viele Bürger wollen wissen, ob die zwölf Millionen nicht besser in andere Projekte fließen sollten. Sie nennen Schulen, Kitas und sanierungsbedürftige Fußwege in der Stadt. Das ist keine Option, wenn man Alexander Ahrens fragt: Die Fördermittel wären zweckgebunden, erklärt er. Die Stadt würde „diese definitiv nicht erhalten, wenn das Projekt nicht umgesetzt wird.“

Nur die Skybar – aber keine Brücke. Geht das auch?

Mit den Fördermitteln zusammen hängt ein anderer Wunsch einiger Bürger: Einige wünschen sich, dass nur Langhaus und Ortenburg saniert werden – die Brücke selber jedoch nicht gebaut wird. Dazu der Oberbürgermeister: „Theoretisch denkbar ist es, nur eine Brücke ohne Einbeziehung von Langhaus und Burgwasserturm zu errichten.“ Andersherum jedoch eher nicht: „Ohne eine Brückenanbindung wird es weder die Sanierung von Langhaus und Burgwasserturm geben, noch die Skybar. Diese zusätzlichen Elemente ergänzen die Brücke, andersherum funktioniert das wahrscheinlich nicht“, so Ahrens.

So könnte eine Skybar in und auf dem Langhaus und der Ortenburg aussehen.
So könnte eine Skybar in und auf dem Langhaus und der Ortenburg aussehen. © Visualisierung: Ehrlich Architekten GbR

Warum soll die Brücke überhaupt gebaut werden?

So lange schwelt die Debatte um die Brücke bereits, dass dabei für einige das Kernanliegen verloren gegangen ist: Was ist der Nutzen einer zweiten Brücke, direkt neben der Friedensbrücke, fragen sie. Der Oberbürgermeister betont, dass es nicht nur um eine Brücke geht – sondern um das Gesamtprojekt. Dazu gehören auch die Sanierung des Langhauses und des Burgwasserturms, eine Bürgerwiese auf der Protschenbergseite und die Erweiterung des Parkplatzes an der Schliebenstraße.

„Die historische Altstadt, die derzeit praktisch eine Sackgasse ist“, ist er überzeugt, „würde bei einer Umsetzung eine deutliche Aufwertung erfahren.“ Sie bekäme mit dem Projekt „ein neues Eingangsportal“. Durch den Aufzug im Burgwasserturm wäre es möglich, auf direktem Wege vom Spreetal in die Altstadt zu gelangen. Das Parkplatzproblem in der Innenstadt soll so entschärft werden. Und die Brücke soll, so die Sicht der Stadt, eine touristische Attraktion werden. Wie viele Leute die Brücke überhaupt nutzen würden, bleibt indes unklar. Dazu wartet die Stadt noch auf ein Studienergebnis.

Wird nicht Bautzens Stadtansicht zerstört?

Viele Bautzener sind überzeugt: Die Brücke stört das Altstadt-Panorama. Auch Oberbürgermeister Alexander Ahrens kennt das Problem, findet aber: „Eine Fachwerkkonstruktion passt gut zu einer Burganlage“. Auch der Landeskonservator spricht mit. Ihm ist laut der Stadtverwaltung wichtig, dass die Brücke filigran ist. Eine Vollverglasung lehnt er ab. Er favorisiert eine Version, bei der die Brücke im Langhaus ankommt – und lehnt eine Ankunft im Burgwasserturm ab.

Droht Vögeln an der Glaswand der Brücke Gefahr?

Es ist eine Sorge, die viele Kommentierende umtreibt: Vogelschlag. Die Tiere könnten die Scheiben übersehen und sich das Genick brechen, wenn sie dagegen fliegen. Ein „transparenter Wetterschutz“, so die Stadt, wird nötig sein. Ob es dabei um Teilverglasungen oder Metallgewebe geht, ist offen. Fest steht, das betont Ahrens, dass es „artenschutzfachliche Gutachten“ geben wird – wenn Behörden und Umweltverbände das fordern.

Kommt der Bürgerentscheid?

Der Oberbürgermeister hatte es erst angekündigt, dann seine Aussagen revidiert. In den Kommentaren pochen aber viele auf den Entscheid. „Ich bin überzeugt davon, dass sich der Stadtrat für einen Bürgerentscheid ausspricht“, sagt Ahrens jetzt, angesichts der vielen Kommentare auf der städtischen Homepage. Das Meinungsspektrum sei sehr groß. In der Stadtratssitzung im September soll es um den Bürgerentscheid gehen.

Wie geht es weiter?

Damit die Brücke geplant werden kann, muss die Stadt das Projekt europaweit ausschreiben. Diese Ausschreibung bereite die Stadt derzeit vor, im Dezember soll das Planungsbüro feststehen – also noch vor dem Bürgerentscheid. „Die technischen Planungen für die favorisierte Variante – eine moderne Fachwerkkonstruktion – werden konkretisiert“, sagt Ahrens, „darauf aufbauend werden die Baukosten ermittelt“. Der Bürgerentscheid könnte dann mit der Bundestagswahl 2021 durchgeführt werden.

Meinungen sind gefragt

Wollen die Bautzener eine neue Brücke über die Spree? Und wenn ja, wie sollte diese aussehen? Sächsische.de freut sich über Ihre Meinung - an [email protected]. Auch die Stadt Bautzen hat ein Diskussionsforum eingerichtet: Zu finden ist es auf der Homepage der Stadt. Auch via Mail nimmt die Stadt Hinweise entgegen.

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