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Neue Spreebrücke – eine Gefahr für Vögel?

Als neue Verbindung zwischen Protschenberg und Ortenburg in Bautzen ist ein verglastes Bauwerk im Gespräch. Naturschützer sehen das kritisch.

Eine vollverglaste Brücke über die Spree in Bautzen könnte eine große Gefahr für Vögel darstellen, warnt der Naturschutzbund Nabu. Die Stadt beruhigt.
Eine vollverglaste Brücke über die Spree in Bautzen könnte eine große Gefahr für Vögel darstellen, warnt der Naturschutzbund Nabu. Die Stadt beruhigt. © Visualisierung: Ehrlich Architekten GbR

Bautzen. Zwei Eisvögel liegen auf einer Brücke, tot. Sie sind abgeprallt am Glasgeländer der Klausbrücke in Halle/Saale; zuvor bestand das Geländer aus Beton. Das Foto schlug in Halle Wellen. Dieser Fall treibt auch Robert Lorenz aus Wuischke um.

Angesichts der Pläne, eine neue Brücke vom Protschenberg über die Spree in Bautzen zur Altstadt zu bauen, sorgt er sich, „dass es zu Genickbrüchen von Vögeln kommen wird“. Was er meint: Das Brückenmodell, das Stadtverwaltung, Planer und Stadträte favorisieren, ist ein zweigeschossiger Fachwerkbau. Die Brücke soll auch bei schlechtem Wetter begehbar sein, deshalb steht ein Modell mit Fenstern aus Glas zur Diskussion. „Bisher war dort nie ein Hindernis über der Spree“, sagt Robert Lorenz. Die Vögel könnten nicht erkennen, wenn dort plötzlich eins ist, – und gegen die Scheibe fliegen.

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100 Millionen Vögel sterben an Glasscheiben

Und noch mehr: „Wenn die Brücke nachts beleuchtet ist, könnte sie auch eine Falle für Insekten sein“, vermutet Robert Lorenz. Nicht nur er sorgt sich um die Tiere, auch einige andere Bautzener tun das. Von einer „tödlichen Falle für Vögel“ schreibt eine Frau im Brücken-Diskussionsforum der Stadt Bautzen. „Die massive Glasfläche in dieser Höhe wird Hunderte Vögel jährlich das Leben kosten“, vermutet ein Mann.

„Aus meiner Sicht ist eine Verglasung einer solchen Brücke abzulehnen“, sagt auch Uwe Leipert vom Naturschutzbund (Nabu) Kamenz, „weil es trotz Maßnahmen wie der Anbringung von Vogelsilhouetten immer wieder zu tödlichen Anflügen kommt.“

Von mindestens 100 Millionen Vögeln geht der Nabu aus, die jedes Jahr deutschlandweit durch die Kollision mit Glasscheiben an Wohnhäusern, Bushaltestellen-Häuschen oder Schallschutzwänden sterben. „Der Vogeltod an Glasscheiben kann durchaus einen Anteil am Rückgang der Singvögel haben“, erklärt Marius Adrion, Referent für Vogelschutz des Nabu. Und: „Eine verglaste Brücke ist wesentlich gefährlicher als die Fenster eines Wohn- oder Bürohauses, da die Scheiben an der Brücke vollkommene Durchsicht ermöglichen.“

Die Gefahr kann gebannt werden

Der Vogelschutz-Experte legt auch eine Schätzung vor, was das bei einer Brücke wie der geplanten in Bautzen bedeuten könnte. Schätzungen zufolge kollidieren pro Haus pro Jahr im Schnitt ein bis zwei Vögel mit Glasscheiben. „Für eine 120 Meter lange Brücke, deren beide Seiten doppelstöckig vollständig verglast sind, und das auch noch in einem Flusstal, würde ich von mindestens 250 tödlichen Vogel-Kollisionen pro Jahr ausgehen“, sagt Adrion.

Die Gefahr für Vögel - ein Argument gegen die Brücke an sich? „Diese Kollisionen sind vermeidbar“, sagt Marius Adrion. Ohne Glas oder nur vergittert, erklärt der Experte, wäre der Bau für die Tiere nicht mehr gefährlich. Wenn es Glas sein soll, dann müsste dies durchgängig gemustert, geriffelt, bedruckt oder mattiert sein. Dann wäre es für die Vögel als Hindernis erkennbar.

Und was sagt die Stadt dazu? „Die Visualisierungen sind zum jetzigen Zeitpunkt quasi nur Platzhalter“, erklärt Pressesprecherin Laura Ziegler. „Der Brückentyp sowie die genaue Gestaltung sind noch offen.“

Stadtverwaltung gibt Entwarnung

Laura Ehrlich vom Architekturbüro Ehrlich hat die Modelle mit ausgearbeitet. „Wir befinden uns in einer ganz frühen Planungsphase“, erklärt sie. Es sei bislang lediglich um die Frage gegangen, ob eine Brücke überhaupt machbar sei. Genaugenommen um die Frage, ob sie technisch und wirtschaftlich machbar sei und wo das Bauwerk ankommen könnte. Das genaue Aussehen sei noch völlig offen, dafür müsste es neue Planungen geben. „Statt einer Vollverglasung wäre auch eine Teilverglasung möglich“, sagt Laura Ehrlich, „oder auch ein Metallgewebe.“ Selbst, ob die Fachwerkbrücke tatsächlich zweigeschossig gebaut werden soll, sei noch offen. „Die Frage der Vögel“, sagt die Architektin, „lässt sich nicht abschließend beantworten.“

Deutlicher antwortet die Stadt: Die Brücke werde so gestaltet, dass Vögel sie als Hindernis erkennen, erklärt Pressesprecherin Laura Ziegler. „Fest steht außerdem schon, dass es eine Vollverglasung nicht geben wird“, sagt sie. „Dagegen hatte der Landeskonservator Einwände, und auch die Architekten haben dies bereits geäußert.“

Auch in Halle wurde nach dem Eisvogel-Unfall übrigens etwas an der Glaskonstruktion geändert. „Die Stadt hat die Situation vor Ort geprüft und Anfang Mai undurchsichtige Folien aufgebracht“, sagt Halles Stadtsprecher Drago Bock. Außerdem prüfe die Stadt auch, ob an anderen Brücken Glasfüllungen auszutauschen seien. Solche, die komplett durchsichtig sind, würden umgerüstet.

Meinungen sind gefragt

Wollen die Bautzener eine neue Brücke über die Spree? Und wenn ja, wie sollte diese aussehen? Sächsische.de freut sich über Ihre Meinung - an [email protected]. Auch die Stadt Bautzen hat ein Diskussionsforum eingerichtet: Zu finden ist es auf der Homepage der Stadt. Auch via Mail nimmt die Stadt Hinweise entgegen.

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