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Müssen Touristen in Bautzen künftig zahlen?

Die Stadt überlegt, von Gästen eine Abgabe zu verlangen. Das kommt zum völlig falschen Zeitpunkt, argumentieren Hoteliers.

Müssen Touristen für einen Besuch in Bautzen künftig eine Gästetaxe zahlen? Darüber denkt die Stadt nach.
Müssen Touristen für einen Besuch in Bautzen künftig eine Gästetaxe zahlen? Darüber denkt die Stadt nach. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. In Gesprächen mit der Stadt fiel das Wort immer häufiger in Nebensätzen. SPD-Stadträtin Gunhild Mimuß erwähnte es, der Oberbürgermeister ebenfalls: Mal war von einer Kurtaxe die Rede, mal von einer Tourismusabgabe. Was ist dran? Müssen Touristen in Bautzen künftig eine Abgabe zahlen? Tatsächlich: „Wir denken über die Einführung einer Tourismusabgabe nach“, sagt Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD).

Warum überlegt die Stadt, die Gebühr einzuführen?

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Wer als Tourist eine Nacht in Cuxhaven an der Nordsee verbringt, der muss eine Kurtaxe zahlen; wer in Cunewalde übernachtet, ebenfalls. Cuxhaven begründet das auf seiner Internetseite damit, dass die Stadt ein anerkanntes Nordseeheilbad ist – und von dem Geld die Strände instand gehalten, der Wattrettungsdienst bezahlt und die touristischen Bäder am Laufen gehalten werden. Gäste zahlen pro Nacht zwischen 1,10 und 2,80 Euro.

Cunewaldes Gäste zahlen pauschal einen Euro. Die Gemeinde begründet das damit, der einzige staatlich anerkannte Erholungsort im Kreis Bautzen zu sein und dass sie mit der Einnahme zum Beispiel die Wanderwege finanziert. Und Bautzen? „Den Besuchern der Stadt stellen wir eine umfangreiche touristische Infrastruktur bereit“, erklärt Ahrens. Er meint: unentgeltliche Parkplätze, Wegweiser in der Stadt, Museen und Bäder. „Um einen Teil der Kosten zu decken“, sagt er, „die für die Errichtung und Unterhaltung dieser Infrastruktur anfallen, ziehen wir eine Tourismusabgabe in Erwägung.“ Die Einnahmen dürften nur für touristische Zwecke eingesetzt werden. Konkret: „Dazu könnte auch eine künftige Spreequerung zählen.“

Für wen soll die Gebühr gelten?

Die Gästetaxe würde für alle Übernachtungsgäste in Bautzen anfallen, die keine Geschäftsreisenden sind. Wie hoch die Gebühr ausfallen soll, sei noch unklar. In der Stadt gibt es 190.000 Übernachtungen pro Jahr, so Ahrens. Wie viele davon Geschäftsreisende sind, ist unklar.

Wie sicher ist, dass die Abgabe kommt?

Bislang handelt es sich nur um eine Idee, so der Oberbürgermeister – „um erste Überlegungen. Im Zusammenhang mit der Vorstellung des Stadtmarketing-Konzeptes soll diese Idee diskutiert werden“, sagt Ahrens.

Was sagen Tourismusverein und Hoteliers dazu?

Betreiber von Hotels und Herbergen in der Stadt zeigen wenig Begeisterung für das Vorhaben. Als Stefanie Kretzschmar vom Hotel Villa Antonia davon hört, fällt sie aus allen Wolken. „Wir können gerne mehr Geld sammeln, um Bautzen für Touristen attraktiver zu machen – aber nicht so“, sagt sie. Was sie vor allem stört, ist der hohe Verwaltungsaufwand. Sie zählt auf: Je nach Buchungsportal gingen bereits zwölf bis 15 Prozent pro Buchung an das Portal, dann die Kreditkartengebühr, unterschiedliche Steuerbeträge. Und gesondert davon auch noch die Gästetaxe einkassieren? Und darauf vielleicht auch noch eine Kreditkartengebühr zahlen müssen? Zu viele einzelne Beträge, wenn man Kretzschmar fragt. Und: „Wir müssten abfragen, wer Tourist und wer Geschäftsreisender ist“, sagt sie.

Ähnlich argumentiert auch Maik Sabri vom Hotel Goldener Adler: „Für uns bedeutet das einen immensen Verwaltungsaufwand und für die Stadt wahrscheinlich auch.“ Sandro Reichel, Hoteldirektor des Best Western, spricht von einem „fatalen Zeichen“ – und bezieht das auch auf die aktuelle Situation. „Die Einführung einer solchen Abgabe wird die ohnehin schwache Auslastung der Betten in Bautzen weiter schwächen“, sorgt er sich. Auch Kretzschmar betont, dass gerade jetzt, nach der Corona-Pause, die falsche Zeit sei, eine solche Debatte zu beginnen. „Wir sind froh über jeden Gast, den wir haben“, sagt sie. Und: „Das ist auch eine Image-Frage: Was kriegen die Gäste denn für die Gebühr?“

Reichel und Sabri fordern, dass die Stadt mehr für den Tourismus tut. „Es ist geradezu eine Schande, dass eine so begeisternde und bildschöne Stadt wie Bautzen, die das Potenzial hat, ein Touristenmagnet wie ihre Partnerstadt Heidelberg zu werden, dieses Potenzial nicht zu nutzen versteht“, sagt Sabri. Er merke es immer wieder: Leute kennen von Bautzen das Gelbe Elend und den Senf. „Bautzen als Urlaubsregion hingegen ist in den alten Bundesländern gänzlich unbekannt oder sogar mit einem Negativ-Image behaftet.“ Das müsse sich ändern, bevor die Stadt über eine Gästetaxe nachdenke.

Reichel argumentiert ähnlich, fordert erst einmal ein funktionierendes Stadtmarketing, um die Übernachtungszahlen zu erhöhen. Darauf legt auch Dietmar Stange vom Tourismusverein wert. Es müsse klar sein, dass der Tourismus gefördert wird, sagt er. „Erst wenn es gute Ergebnisse gibt“, sagt er in Bezug auf das Marketing, „dann könnte Bautzen langfristig über eine Gästetaxe nachdenken.“

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