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Stausee Bautzen: Eidechse sorgt für Baustopp

Der Betreiber der Beach Bar will ein zweites Lokal errichten. Doch weil dort geschützte Tiere leben, geht das nicht. Und es steht noch mehr auf der Kippe.

Matthias Schneider, Inhaber der Ocean Beach Bar, will am Bautzener Stausee ein zweites Lokal errichten. Doch eine geschützte Tierart macht ihm einen Strich durch die Rechnung.
Matthias Schneider, Inhaber der Ocean Beach Bar, will am Bautzener Stausee ein zweites Lokal errichten. Doch eine geschützte Tierart macht ihm einen Strich durch die Rechnung. © Steffen Unger

Bautzen. Aufgeben oder abwarten? Das ist nicht die Art von Matthias Schneider, dem Betreiber der Ocean Beach Bar am Bautzener Stausee. „Ich bin eher der Macher-Typ“, sagt er. Entsprechend lang ist die Liste der Pläne, die er hat: ein Restaurant errichten, eine Kegelbahn, die Minigolfanlage auffrischen. Vielleicht noch einen Escape-Room gestalten oder eine Schneekanone für den Winter anschaffen. Vieles hat Matthias Schneider vor – doch seinen Plänen liegen Steine im Weg. Oder besser gesagt: Eidechsen.

Als er seine Geschichte erzählt, flattert im Hintergrund die Plane eines Zeltes im Wind. „Italienisches Eis“ steht auf einem Verkaufswagen. „Das ist die Notlösung“, erklärt Schneider mit Blick auf das Zelt. „Eigentlich wollte ich hier schon fertig sein.“ Denn die eine seiner Ideen, die Schneider jetzt umsetzen wollte, ist die eines zweiten Lokals.

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Pizza-Restaurant soll auch im Winter offen sein

Auf der Fläche, auf der nun das Zelt Platz gefunden hat, sollte das neue Restaurant längst stehen. „Es sollte aus Containern errichtet werden“, sagt Schneider. „Mediterran sollte es eingerichtet sein, mit Bullaugen als Fenster – wie ein Boot.“ Und das Wichtigste: Es sollte das ganze Jahr über geöffnet sein, denn „auch im Winter kommen immer mehr Menschen an den Stausee“, erzählt Schneider. Die Container, aus denen er das Lokal bauen wollte, hat er bereits gekauft. Sie stehen jetzt am Wegesrand; warten darauf, dass es weitergeht. Auch das Fundament ist fertig, Leitungen sind verlegt.

Pizzafischerei sollte das Lokal, wenige Schritte von der Beach Bar entfernt, heißen. Der Name verrät, was die Speisekarte anbieten sollte. Um die Ecke, hinter einer Holzhütte, sitzt eine menschengroße Anglerfigur auf einer Bank: „das Maskottchen“, erklärt Schneider. „Der sollte eine Angel mit einem Stück Pizza am Angelhaken halten und auf das Dach des Restaurants gesetzt werden.“ So schnell wird der Angler dort aber wohl nicht hinaufklettern. Denn wann es weitergehen kann, ist unklar.

Mit etwas Glück kann man am Bautzener Stausee Eidechsen beobachten. Diese hat Malte Rastemborski vom Hochseilgarten fotografiert.
Mit etwas Glück kann man am Bautzener Stausee Eidechsen beobachten. Diese hat Malte Rastemborski vom Hochseilgarten fotografiert. © malte rastemborski

Tatsächlich bestätigt die Stadt das Problem: Es leben Zauneidechsen an der Talsperre. Das Reptil des Jahres 2020 wird etwa 18 Zentimeter groß. Die Weibchen sind bräunlich, die männlichen Tiere sind in der Paarungszeit leuchtend smaragdgrün. Zu sehen sind sie häufig dann, wenn sich die Tiere aufwärmen wollen: Dann suchen sie sich sonnige Plätzchen an Brachflächen, Kiesgruben, Wald- oder Wegrändern.

Weil immer mehr Lebensräume der Tierart verschwinden, ist die Zauneidechse  gefährdet. Aufforstung von Lichtungen, Überbauung, der Bau von Lärmschutzwänden oder Überweidung von Grünflächen – all das trägt dazu bei. Die Tierart ist deshalb streng geschützt. Es ist verboten, ihre Lebensräume zu beschädigen oder zu zerstören.

Für den Betreiber der Ocean Beach Bar bedeutet das: Bevor für die Zauneidechsen nicht Ersatzlebensräume geschaffen worden sind, geht es nicht weiter. Die Tiere müssen geborgen und umgesiedelt werden, teilt die Stadt mit. Erst, wenn Umweltschutz-, Artenschutz- und Waldbelange geklärt sind, ist eine Änderung des Bebauungsplanes möglich. Bis wann das passiert, ist offen.

Aus diesen Containern will Matthias Schneider ein neues Lokal am Stausee bauen.
Aus diesen Containern will Matthias Schneider ein neues Lokal am Stausee bauen. © Steffen Unger

Und nicht nur die Pläne des Betreibers der Ocean Beach Bar stehen dadurch auf der Kippe. Auch der Hochseilgarten musste seine Pläne, Unterkünfte für die Gäste zu bauen, erst einmal stoppen. „Wir wollten Tippis aufstellen“, erzählt Malte Rastemborski vom Kletterpark, „und den Spiele-Parcours erweitern.“ Auch am Imbiss wollten die Hochseilgarten-Betreiber bauen. Im Herbst sollte es losgehen.

Dennoch – Malte Rastemborski nimmt es gelassen. „Die Natur ist schützenswert“, sagt er. „Egal, was wir machen – die Eidechsen gucken uns immer zu. Wir wollen eine friedliche Koexistenz“, erklärt er und lacht. Sogar einen Steinhaufen haben die Hochseilgarten-Betreiber errichtet, auf dem sich die Tiere aufwärmen können.

Kegelanlage und Eisstockbahn gekauft

Verstehen kann Malte Rastemborski den Frust seines Nachbarn dennoch. „Er hatte ja schon viel Geld in die Hand genommen, als der Baustopp kam“, sagt er. Denn Matthias Schneider möchte sich ungern weiter gedulden, ist verärgert. „Das Ganze zieht sich jetzt schon seit Januar“, sagt er. „Ich erwarte keinen roten Teppich bei der Stadtverwaltung“, so Schneider, „aber wir haben hier viel geschaffen. Warum unterstützt uns die Stadt nicht mehr?“

Für den Betreiber der Beach Bar steht mehr auf der Kippe als nur das Pizzafischer-Restaurant, sagt er – und meint die Attraktionen, die er schaffen wollte, um auch im Winter Besuchern am Stausee etwas bieten zu können. Eine alte Holz-Kegelbahn aus den 1950er-Jahren hat er sogar schon gekauft und eine Eisstockbahn. Auch eine Schneekanone wollte der Beach Bar-Betreiber für den Winter installieren. „Ich wollte das alles dieses Jahr fertigmachen“, sagt er. „Wie es jetzt weitergeht, ist offen.“

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