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Bautzen: Zu wenig Busse zum Stausee

Vor allem abends und am Wochenende sind die Verbindungen zur Talsperre schlecht. Der Landkreis verspricht Verbesserungen.

Jonas Löschau wollte am Wochenende mit dem Bus zum Stausee fahren - das gestaltete sich schwieriger als gedacht.
Jonas Löschau wollte am Wochenende mit dem Bus zum Stausee fahren - das gestaltete sich schwieriger als gedacht. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die Nachricht über die Erweiterung des Stausee-Parkplatzes, die brachte für Jonas Löschau das Fass zum Überlaufen. Eine „absolut verwerfliche“ Entscheidung sei das, findet der Bautzener Grünen-Kreisrat. Vor allem aus einem Grund: Seit mehreren Jahren ärgere er sich schon, weil die Busse zum Stausee so schlecht fahren. Warum also ein neuer Parkplatz? Um das Busnetz müssten sich Stadt und Landkreis vielmehr endlich kümmern, findet er.

Zum Beispiel am Pfingst-Wochenende, erzählt Löschau aufgebracht, sei ihm das Problem wieder einmal vor Augen geführt worden. Am späten Nachmittag entschied er sich, zum Stausee fahren zu wollen – und scheiterte mit diesem Plan. Denn es fuhr einfach kein Bus.

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Ein Blick in die Fahrpläne: In der Woche fahren die Buslinien 104, 106 und 125 vom Bautzener Busbahnhof zur Haltstelle Burk Talsperre. Vom Stausee aus zurück in die Stadt fährt der letzte Bus wochentags gegen 19 Uhr. Die Haltestelle Schullandheim fahren diese Busse nicht an.

Fünf Busse am Sonntag

Am Wochenende können Bautzener von der Tzschirnerstraße, dem Postplatz und dem Kornmarkt aus in Richtung Wasser fahren – der Bus der Linie drei bringt die Badegäste und Spaziergänger allerdings nur bis zur Haltestelle Schullandheim. Die Haltstelle Talsperre wird nicht bedient. Wer also zum Beispiel zur Ocean Beach Bar gelangen möchte, muss etwa einen Kilometer laufen. Insgesamt fünf Mal startet die Linie sonnabends und sonntags auf dieser Route: von 9 bis 17 Uhr, im Zwei-Stunden-Takt. Sonnabends fährt zudem ab und zu, als Rufbus, die Linie 104. Zurück fährt der letzte Bus um 17.33 Uhr.

Wenn man Jonas Löschau fragt, reicht das nicht. „Es sind nicht alle Menschen mobil“, sagt er. Er habe selbst an jenem Pfingst-Wochenende in Bautzen kein Fahrrad gehabt. Zu Fuß laufen? Dafür sei der Weg zu weit. „Das hätte sich nicht mehr gelohnt – ich bin dann gar nicht mehr zum See gefahren“, sagt er. Gerade am Wochenende, findet er, haben doch viele Menschen Zeit – und würden diese vielleicht gerne am Stausee verbringen, vielleicht auch nur ein paar Stunden am Nachmittag.

Am späten Abend fährt kein Bus mehr

Aber auch in der Woche fahren Jonas Löschau zu wenig Busse in den Abendstunden. „Selbst, wer mit dem Auto kommen kann, möchte vielleicht zu späterer Stunde ein oder zwei Bierchen trinken“, sagt er, „und würde deshalb mit dem Bus fahren, wenn es einen gäbe.“ Und selbst wenn denn am Wochenende Busse fahren, müssen die Badegäste ab der Haltestelle Schullandheim laufen. Das Fazit von Löschau: nicht optimal.

Ähnlich sieht das auch Matthias Schneider, Betreiber der Ocean Beach Bar. „Die Bus-Zeiten passen nicht zu den Arbeitszeiten der Bautzener“, sagt er. Die Leute kämen vor allem abends vorbei, auf ein Feierabend-Getränk. Dann aber fahren die Busse nicht mehr. „Bei gutem Wetter bleiben die meisten Besucher bis etwa 23 Uhr“, sagt er, „danach gibt es nur noch einen harten Kern“. Immer wieder fragen ihn die Gäste dann nach Bussen, erzählt er – doch er muss verneinen. Vor allem Touristen vom Zeltplatz fragten danach, sagt er.

Campinggäste fragen nach Verbindung in die Stadt

Das bestätigt Campingplatz-Betreiberin Birgit Haubner. „Wir haben hier internationales Publikum“, erzählt sie, „viele kommen mit dem Wohnmobil.“ Viele ältere Menschen seien darunter, die nicht mehr alle gut zu Fuß unterwegs sind. Einige, sagt Birgit Haubner, wollen sich in ihrem Campingurlaub gerne die Stadt Bautzen ansehen. „Sie haben aber keine Lust, ihr ganzes Camp ständig auf- und abzubauen, um mit dem Wohnmobil zu fahren – zumal auch die Parksituation in der Stadt schwierig ist.“

Stattdessen fragen ihre Gäste nach öffentlichen Verkehrsmitteln. Für die Campingplatzbesucher sei die Haltestelle Schullandheim näher – die Anbindung dafür in der Woche schlecht. „Klar, so eine Busverbindung ist eine wirtschaftliche Frage“, sagt Haubner, „aber wir bringen so doch auch Touristen in die Stadt.“

Auch Malte Rastemborski vom Klettergarten würde sich über eine bessere Busanbindung freuen – zumindest am Freitagabend und am Wochenende. „Eine Idee wäre doch ein zu bestellender Rufbus“, schlägt er vor.

Landratsamt will etwas tun

Tatsächlich ist das Busnetz gerade Thema in Kreistag, auch Jonas Löschau kann mit abstimmen, für die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen. Die Grobplanung ist durch – nun geht es um Details. „Wir wollen abwarten, wie sich das Ganze entwickelt – und im Zweifel einen Antrag zu dem Thema einbringen“, sagt Löschau.

Fest steht: Für den Stausee soll sich die Lage in Zukunft ein wenig bessern. Die Linien 106 und 125 sollen die Talsperre mit dem neuen Liniennetz häufiger bedienen, auch am Wochenende. Das teilt das Landratsamt mit. Auch am Sonntag soll es mehr Busse geben: Die Linie 125 zwischen Uhyst und Bautzen, Zwischenstopp Talsperre, soll ausgebaut werden. Vier Fahrten je Richtung soll es sonntags geben. Und: Von Montag bis Freitag soll der Bus in der Zukunft stündlich fahren, sonnabends soll es sechs Fahrten je Richtung geben. Der Haken: Bis es so weit ist, dauert es wohl noch. „Spätestens ab dem 1. Januar 2022“, heißt es vonseiten des Landratsamtes, soll die Änderung gelten.

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