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Braucht Bautzen die Südumgehung?

Aus der Politik gibt es viel Zuspruch. Doch Bürger zweifeln am Sinn der Straße, denn schon auf der Westtangente fahren weniger Autos als geplant.

In Oberkaina könnte bald die Südumfahrung ankommen. Klaus Zschieppang fragt sich, ob die geplante Straße wirklich notwendig ist.
In Oberkaina könnte bald die Südumfahrung ankommen. Klaus Zschieppang fragt sich, ob die geplante Straße wirklich notwendig ist. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Klaus Zschieppang kramt den alten Schriftverkehr hervor. Es raschelt, mehrere Seiten hat er da in der Hand: „Schon damals habe ich gesagt, dass zwei Umgehungsstraßen weit über den Bedarf hinausgehen“, sagt der 67-Jährige. Damals, damit meint er die Zeit, als er in Kleinwelka im Gemeinderat saß, in den 90ern. Die Zeit, als parallel diskutiert wurde, die Westtangente in Bautzen zu bauen – und eine neue Südumfahrung. Für seinen Geschmack hätte es eine Art Kombination der Trassen geben sollen, eine Multifunktionsstraße quasi.

Doch es kam anders: Die Westtangente steht nun nicht mehr zur Debatte, sie ist längst gebaut worden. Und die Südumfahrung? Ein erster Bauabschnitt steht, dann fiel der Rest der Straße dem Rotstift zum Opfer. Nun wird doch wieder geplant: Der zweite Abschnitt der Straße soll gebaut werden. Gerade prüfen Planer, wie es um die Zahlen steht und welche Route sich eignet – die in der Nähe der Stadt bis Oberkaina oder die ursprüngliche Variante nach Ebendörfel.

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Weniger Verkehr auf der Westtangente als vorhergesagt

„Schon die Prognose für die Westtangente war viel zu hoch“, sagt Klaus Zschieppang, der sich noch heute für das Thema interessiert – und den Kopf schüttelt, angesichts der Debatte. „Die Südumfahrung soll parallel zur Westtangente verlaufen. Ich bezweifle, dass die Straße wirklich gebraucht wird.“

Ein Blick in die Zahlen zeigt: Tatsächlich fahren weniger Autos auf der Bautzener Westtangente B 96 als damals prognostiziert. Die Fachleute waren von 12.000 bis 17.000 Autos am Tag ausgegangen, 9.500 sind es nach der aktuellsten Verkehrszählung aus dem Jahr 2016. Ein Zeichen, dass auch auf der geplanten Südumfahrung vielleicht zu wenige Autos fahren? Zschieppang ist nicht der einzige mit dieser Meinung.

Südumfahrung: auf einigen Abschnitten nur 2.900 Autos

Auch Robert Matschie von der Bürgerinitiative gegen den Bau der Südumfahrung sagt: „Die Westtangente ist nicht ausgelastet, die Südumfahrung verläuft parallel und in unmittelbarer Nähe. Das klingt nicht nach einem durchdachten Verkehrskonzept.“ Grünen-Gemeinderat Siegfried Kühn sagt: „Wenn schon von den Planern zugegeben werden muss, dass auf der Westtangente nur ein Bruchteil des ursprünglich prognostizierten Verkehrs fährt, muss die Frage erlaubt sein, woher die Fahrzeuge kommen sollen, für die die Südumfahrung gebaut werden soll.“

Aber was für Zahlen prognostizieren die Planer eigentlich? Zählungen zufolge fahren auf dem ersten Bauabschnitt der Südumfahrung bei Oberförstchen etwa 4.200 Autos am Tag. Für das Jahr 2020 sind 5.700 Autos pro Jahr prognostiziert. Kommt der zweite Bauabschnitt, so gehen die Planer im Jahr 2030 für die Trasse mit stadtnahem Verlauf zwischen Grubschütz und Preuschwitz von 6.000 bis 7.200 Autos aus. Auf dem letzten Stück bis Oberkaina könnten 4.000 Autos pro Tag fahren. Für die Trasse bis Ebendörfel gehen die Planer von zwischen 7.100 Wagen zu Beginn der Trasse und 2.900 Autos bei Ebendörfel aus.

Bürgermeister sehen in der Straße eine Chance

Reicht das? Wenn man Bautzens Landrat Michael Harig (CDU) fragt, genügt diese Frage nicht, „um das Für oder Wider von Straßeninvestitionen zu begründen“. Er spricht sich für die neue Straße aus: „Eine bessere Erreichbarkeit der Anschlussstelle Salzenforst auf die A 4 würde die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Bautzener Oberland verbessern“, sagt er. Auch, wenn der Öffentliche Personennahverkehr im ländlichen Raum gut sein solle, würden dafür überregionale Straßenverbindungen gebraucht.

Und auch die Bürgermeister der anliegenden Gemeinden sind für die Umfahrung, zum Beispiel Michael Herfort aus Wilthen. Der Großpostwitzer Bürgermeister Markus Michauk findet, die Westtangente entlaste zwar die Bautzener Innenstadt – reiche aber nicht aus, um das Oberland besser an die Autobahn anzubinden. Und Thomas Polpitz, Bürgermeister von Obergurig, sagt: „Der zweite Bauabschnitt ist ein Sprungbrett für Gewerbeansiedlungen für die anliegenden Gemeinden Doberschau-Gaußig, Obergurig und Großpostwitz“. Das Zahlen-Argument könne er nicht nachvollziehen: „Gerade zu Stoßzeiten ist die B 96, beispielsweise in Großpostwitz, total überlastet.“ 

So soll die Südumfahrung für Bautzen aussehen.
So soll die Südumfahrung für Bautzen aussehen. © SZ Grafik

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