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Graffiti-Ärger: Bautzens OB sauer auf Dynamo-Fans

An Straßen, an Haltestellen, am Bahnhof – die Schmierereien gibt es überall. Dem Oberbürgermeister reicht es jetzt.

Egal ob an der Westtangente in Bautzen oder an den Bushaltestellen – überall gibt es jetzt Schmierereien, die in Zusammenhang mit Dynamo Dresden stehen. Dem Oberbürgermeister reicht es jetzt.
Egal ob an der Westtangente in Bautzen oder an den Bushaltestellen – überall gibt es jetzt Schmierereien, die in Zusammenhang mit Dynamo Dresden stehen. Dem Oberbürgermeister reicht es jetzt. © Steffen Unger

Bautzen. Übersehen kann man sie nicht. Wer auf der Bautzener Westtangente fährt, der kommt an einem Schriftzug nach dem anderen vorbei. Manche Graffiti sind aufwendig gestaltet und farbig untermalt, andere einfach nur schnell hingekritzelt. Doch egal, ob künstlerisch wertvoll oder nicht – Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) kann die Dynamo-Schmierereien einfach nicht mehr sehen.

Graffiti, die einen Bezug zur Dresdner Fußballmannschaft haben, die gab und gibt es in Bautzen schon immer. Doch seit ein paar Wochen ist die Stadt damit quasi zugekleistert. Mauern, Brücken und Schaltkästen, Papierkörbe, Verkehrsschilder – einfach überall haben sich die Schmierfinken verewigt. Wo keine Graffiti sind, da gibt es Plakate. An jeder zweiten Bushaltestelle hängen welche. Die Botschaft ist klar: Mit ihrer Aktion wollen einige Fans auf das Pokalspiel aufmerksam machen, das am 30. Oktober stattfindet. Dynamo Dresden trifft dann in Berlin auf Hertha BSC.

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Spezialreinigungsfirma beauftragt

Bei dem Auswärtsspiel werden über 20 000 Anhänger aus Sachsen erwartet. Für die Mannschaft ist das toll. Doch für die Stadt heißt das: Mit viel Aufwand müssen die Schmierereien wieder beseitigt werden. „Wir können das nicht gutheißen. Es ist für uns ein großes Ärgernis“, erklärt der Oberbürgermeister. Das Hoch- und Tiefbauamt der Stadt hat die Reinigung bereits beauftragt. Schritt für Schritt soll nun sauber gemacht werden. „Das alles ist mit einem enormen Aufwand verbunden“, sagt Laura Ziegler vom Presseamt der Stadt. Um der Lage überhaupt Herr werden zu können, habe man gleich drei Firmen, darunter eine Spezialreinigungsfirma, mit der Entfernung beauftragt.

Und nicht nur das. Das Hoch- und Tiefbauamt hat auch bei der Polizei Strafanzeige gestellt. Zu diesem Schritt habe man sich entschieden, weil auch Verkehrsschilder überklebt wurden, so Ziegler. „Das ist ein Eingriff in den fließenden Verkehr“, sagt sie. Gelingt es der Stadt, die Verursacher zu ermitteln, haben diese nicht nur mit einer strafrechtlichen Verfolgung zu rechnen. Sie müssen auch Schadensersatz an die Stadt Bautzen zahlen.

Saubermachen kann angeordnet werden

Die Stadt hat einen genauen Plan, wie sie bei Schmierereien vorgeht. Zunächst schauen sich die Mitarbeiter den Ort des Geschehens an. Handelt es sich zum Beispiel um ein Haus, das sich in Privateigentum befindet, wird die Stadt nur aktiv, wenn die Schmierfinken strafrechtlich relevante Inhalte an die Fassade gesprüht haben. Die Mitarbeiter im Rathaus bitten den Eigentümer des Gebäudes dann, diese Graffiti zu entfernen. Kommt er der Aufforderung nicht nach, kann die Stadt das Saubermachen auch Anordnen.

Sind hingegen öffentliche Gebäude beschmiert, entscheidet Inhalt und Ausmaß, wie schnell die Graffiti beseitigt werden. Besonders schnell – also innerhalb von ein bis zwei Tagen – versucht die Stadt, die Schmierereien mit politischem Inhalt zu entfernen. Oder auch Graffiti, die sich an Stellen befinden, an denen sie besonders störend sind. So will man zum Beispiel den neu gestrichenen Reichenturm möglichst frei von Schmierereien halten. „Parkbänke beispielsweise werden hingegen im Regelfall nicht wegen eines Graffiti gesäubert, sondern erst, wenn eine Reinigung ohnehin ansteht“, erklärt Laura Ziegler.

Statistik sagt nur die halbe Wahrheit

Es gibt aber auch eine positive Nachricht: Zuletzt sind die Ausgaben der Stadt für die Beseitigung der Schmierereien gesunken. Noch im Jahr 2016 gab die Stadt 11 500 Euro für das Saubermachen aus. Ein Jahr später kostete die Reinigung immerhin noch 5 000 Euro. Im vergangenen Jahr sanken die Ausgaben auf nur noch etwa 3 000 Euro. Ein Grund zur Freude ist das für die Stadt aber nicht. Zum einen deshalb, weil die tatsächlichen Ausgaben noch deutlich höher liegen. Wenn nämlich zum Beispiel während einer Baumaßnahme auch gleich Schmierereien überpinselt werden, gibt die Stadt zwar Geld dafür aus, die Kosten tauchen aber nicht in der Statistik mit den Graffiti-Entfernungen auf. Außerdem erfasst die Stadt zwar die Kosten für die Entfernung, nicht aber die Anzahl der Graffiti. Ein Rückgang der Kosten heißt deshalb nicht automatisch, dass es weniger Fälle gab. Und wenn in einem Jahr Graffiti auftauchen, deren Entfernung besonders aufwendig ist, dann führt das wiederum in der Statistik zu höheren Zahlen. „Den Rückgang der Kosten werten wir daher nicht als Trend, sondern eher als Zufall“, so Ziegler.

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Generell ist es für die Polizisten schwierig, die Schmierfinken auf frischer Tat zu ertappen. Gerade bei diesem Thema seien Hinweise von Bürgern besonders wichtig, teilt die Behörde mit. Dass die Einwohner von Bautzen in der Vergangenheit schon recht aufmerksam waren, zeigt sich an der Erfolgsquote der Polizeibeamten. Immerhin konnte in den vergangenen Jahren bei etwa jedem dritten Fall die Straftat aufgeklärt werden.

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