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Bombardier: Wie sicher sind die Jobs in Sachsen?

Erst sorgt die Ankündigung des Verkaufs an den Alstom-Konzern für Unruhe in den Werken in Bautzen und Görlitz. Jetzt droht auch noch ein neues Sparprogramm.

Bombardier hat in seinem Bautzener Werk Millionen investiert, erst Ende 2019 wurde ein neues Testcenter eingeweiht. Doch nun hat der Konzern ein neues Sparprogramm angekündigt.
Bombardier hat in seinem Bautzener Werk Millionen investiert, erst Ende 2019 wurde ein neues Testcenter eingeweiht. Doch nun hat der Konzern ein neues Sparprogramm angekündigt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Auf den Gleisen des Bautzener Bombardier-Werkes stehen lieferfertige Straßenbahnen für Berlin und Frankfurt (Main) neben neuen Doppelstockwagen für die Deutsche Bahn. Gerade kam ein weiterer Großauftrag aus Düsseldorf und Duisburg ins Haus. Der größte Industriebetrieb der Spreestadt hat gut zu tun und ist auch ohne nennenswerte Probleme durch die Corona-Krise gekommen. Kurzarbeit war zwar vorsorglich angemeldet worden, aber davon musste das Unternehmen keinen Gebrauch machen.

Für Unruhe sorgt nun ein neues Sparprogramm der Konzernführung. Anfang der Woche war durchgesickert, dass der kanadische Bahnbauer seine Personalkosten in Deutschland um rund 120 Millionen Euro pro Jahr senken will. Dem Handelsblatt zufolge wackeln deutschlandweit mehr als 1.000 Arbeitsplätze. Außerdem möchte das Unternehmen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld für die Beschäftigten sparen und Mehrarbeit ohne Lohnausgleich durchsetzen.

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Ob und wie viele Jobs in den Bombardier-Werken in Bautzen und Görlitz auf dem Spiel stehen, möchte Deutschland-Chef Michael Fohrer nicht sagen. Er bestätigt aber, dass es Verhandlungen gibt – die allerdings den ganzen Konzern betreffen, nicht gesondert die beiden Werke in der Oberlausitz.

Das falsche Signal zur falschen Zeit

Die Empörung über die Bombardier-Pläne zieht sich durch das gesamte politische Lager. So warnen beispielsweise die Linken-Bundestagsabgeordnete Caren Lay und der CDU-Landtagspolitiker Marko Schiemann vor einem Kahlschlag in den Werken Bautzen und Görlitz und vor dem Verlust von Kaufkraft. Die Industriegewerkschaft Metall werde Stellenabbau und Lohnkürzungen nicht unwidersprochen hinnehmen, sagt Ostsachsen-Chef Jan Otto. Personalabbau sei für die Oberlausitz „das falsche Signal zur falschen Zeit“, erklärt der Metaller mit Blick auf die Ankündigung der Deutschen Bahn, bei Niesky einen großen Testring für Schienenfahrzeuge zu bauen.

Was niemand offen, aber fast jeder hinter vorgehaltener Hand sagt: Mit den Einsparungen soll die Braut hübsch gemacht werden. Der französische Alstom-Konzern möchte 2021 die Bahnsparte von Bombardier kaufen, und da soll die Angeheiratete keine zu hohen Kosten mit in die Ehe bringen. Klar scheint schon, dass ein fusionierter Großkonzern nicht mehr zwei Verwaltungen braucht. Das spricht dafür, dass sich die nächste Sparrunde wohl weniger in den Werkhallen als mehr in den Büros auswirken könnte.

Schon seit 2015, als von dem Kauf durch Alstom noch keine Rede war, läuft bei Bombardier eine Sparrunde nach der anderen. Von damals rund 9.000 Mitarbeitern in den neun deutschen Werken sind nur noch etwa 6.300 geblieben. Dazu kommen aktuell etwa 1.000 Leiharbeiter. Das jüngste, 2018 gestartete Konzept für den Konzernumbau läuft Ende dieses Jahres aus.

In dieser Zeit wurde das Werk in Bautzen mit Millioneninvestitionen als zentraler Fertigungsstandort profiliert, der Betrieb in Görlitz spezialisiert sich auf den Bau von Wagenkästen. Zu den jüngsten Ausgaben in Bautzen gehört eine vor wenigen Monaten eingeweihte Prüf- und Testhalle, in der jedes neue Fahrzeug unter anderem einem künstlichen Starkregen ausgesetzt wird.

Beschäftigte sollen zur Kostensenkung beitragen

Nach diesem Konzernumbau wolle sich Bombardier nun „zu der Zukunft des Unternehmens über 2020 hinaus verständigen“, so Fohrer gegenüber Sächsische.de. „Dabei geht es einerseits darum, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu stärken, anderseits wollen wir Klarheit schaffen für die Mitarbeiter und Standorte.“

Fohrer lässt dabei keinen Zweifel daran, dass er „die Beteiligung der Beschäftigten an Kostensenkungen“ als „Säule unseres Konzepts“ betrachtet. Dazu würden zurzeit „Ideen mit den Tarifpartnern“ ausgetauscht, sagt Fohrer. „Ich bin mir bewusst, dass einige dieser Maßnahmen einschneidend sind. Sie fallen uns nicht leicht, sind nach unserer Bewertung jedoch unbedingt notwendig, um unser Unternehmen im internationalen Wettbewerb in eine starke Position zu bringen.“

Und dieser Wettbewerb wird härter, zumal jetzt der chinesische Weltmarktführer CRRC einen Fuß in der europäischen Tür hat. Es galt schon lange als offenes Geheimnis, dass der chinesische Staatskonzern nach Deutschland drängt. Jetzt kann er ein Lokomotivenwerk in Kiel kaufen. Zwar ein relativ kleiner Betrieb mit rund 500 Beschäftigten – aber er kennt das Procedere, wie in Deutschland Schienenfahrzeuge gebaut und zugelassen werden.

Von Kiel aus werden die Chinesen versuchen, stärker auf dem europäischen Markt zu agieren. Ein fusionierter Konzern von Alstom und Bombardier wäre weltweit eine starke Nummer zwei und ein ernstzunehmender Konkurrent für CRRC.

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