SZ +
Merken

Bautzen will den Kreissitz

Reform. Für die künftigen Kreise gibt es noch immer keine klaren Grenzen, dafür Streit um die Kreisstadt.

Teilen
Folgen

Von Ulli Schönbach

Lange Zeit war es verdächtig still, doch jetzt – wenige Wochen vor dem Beschluss der Sächsischen Staatsregierung zu den künftigen Kreisgrenzen – läuft die Diskussion aus dem Ruder. Zumindest östlich von Dresden. Nahezu jede denkbare Gebietsaufteilung ist in den vergangenen Tagen noch einmal ins Spiel gebracht worden – bis hin zum Großkreis Oberlausitz.

Nur mit einer Lösung kann sich fast keiner der Offiziellen so richtig anfreunden: der Teilung in einen Neißekreis mit Görlitz, dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis (NOL) und Löbau-Zittau sowie in einen Westkreis mit Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda. Das Problem dabei: Genau diese Variante ist der Favorit der Landesregierung. Und es spricht vieles dafür, dass sie sich am Ende auch durchsetzt.

Zwar machte Bautzens Landrat Michael Harig am Freitag noch einmal die Position der Landkreise deutlich. Sie plädieren für ein Dreiermodell: Kamenz plus Hoyerswerda, Bautzen plus Löbau-Zittau und der NOL vereint mit Görlitz. Doch weder Kamenz und Hoyerswerda noch Görlitz und der NOL-Kreis erreichen in dieser Konstellation die geforderte Mindesteinwohnerzahl.

Der Bautzener Landrat ließ durchblicken, dass sein Herz zwar nach Süden schlägt und man intensiv mit Löbau-Zittau spricht, er aber letztlich auch mit einer anderen Lösung leben könnte. – Ganz so wie Radebergs Bürgermeister Gerhard Lemm, der lange Zeit Vorkämpfer für den Kragenkreis um Dresden war. Da dieser aber nicht durchsetzbar scheint, wären aus seiner Sicht die Fusion von Kamenz und Hoyerswerda oder der Großkreis Bautzen Alternativen. Allerdings nur, wenn bürgernahe Verwaltungsaufgaben auf die größeren Städte in der Fläche übergehen.

Einen neuen Schauplatz eröffnet unterdessen der Bürgermeister von Kamenz, Roland Dantz: Er will den Kreissitz des Westkreises nach Kamenz holen. Reaktion aus Bautzen: „Eine Diskussion um einen Kreissitz alternativ zu Bautzen wird es unsererseits nicht geben“, stellte Landrat Harig klar. Entscheidend seien Funktionalität und Zentralität. „Das Thema ist zu ernst für die Verteilung politischer Geschenke.“