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Bautzener Altstadtverein will bedrohte Häuser retten

Der Verein ist nicht gegen das geplante Einkaufszentrum Lauencenter. Er fordert jedoch die Suche nach einem Kompromiss.

Von Christoph Scharf

Manche bröckeln vor sich hin, andere leuchten in hellen Farben. Doch eines eint die Fassaden an Goschwitz- und Äußerer Lauenstraße: Sie alle sollen dem Abrissbagger zum Opfer fallen, wenn das Lauencenter Wirklichkeit wird.

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Während eine Bürgerinitiative schon länger gegen dieses Vorhaben kämpft, regt sich nun auch von anderer Seite Widerstand: Der Bautzener Altstadtverein setzt sich dafür ein, dass die historischen Häuser unbedingt erhalten werden. „Der gesamte Komplex gehört zum Stadtbild einfach dazu“, sagt die Vereinsvorsitzende Stephanie Queißer. Eines macht der Rechtsanwältin besonders Angst. „Wir reißen hier etwas ab, das wir später niemals wieder herstellen können.“

Schließlich müssten die Bautzener auch an die nächste Generation denken. „Was ist denn, wenn in 20Jahren die Leute kopfschüttelnd vor dem Center stehen und sich fragen, wie man das historische Areal damals nur schleifen konnte?“

Dabei hat der Altstadtverein nicht grundsätzlich etwas gegen ein neues Einkaufscenter. Schließlich gehe es dem Verein nicht um die Interessen von anderen Händlern, sondern um die Erhaltung des Stadtbilds. Und da dürfe Bautzen nicht die Fehler machen, die andere Orte in Deutschland schon hinter sich haben. „Man braucht sich nur die ganzen Großstädte in Westdeutschland anzuschauen: Dort wurde oftmals nach dem Krieg erst alles niedergerissen und dann nichtssagend und einförmig wieder aufgebaut.“

Bautzen dagegen habe noch die Chance, unverwechselbar zu bleiben. Das Erscheinungsbild sei auch der Grund, warum Touristen von der Stadt an der Spree begeistert seien.

Den Einwand, dass die vom Denkmalschutz als besonders wertvoll erachteten Gebäude Äußere Lauenstraße 9 und Goschwitzstraße 9 stark verfallen sind, lässt die 51-Jährige nicht gelten. „Die Bautzener Altstadt war 1989/90 teilweise in einem viel schlimmeren Zustand. Und heute kann man sehen, was daraus geworden ist.“

Sollte es allerdings völlig unmöglich sein, die kompletten Gebäude in das geplante Center zu integrieren, sollten wenigstens die historischen Fassaden erhalten werden. Der Altstadtverein hofft einerseits auf das Landesamt für Denkmalpflege, das sich um den Abriss von 14 historischen Gebäuden sorgt, von denen fünf als Kulturdenkmale zählen.

Andererseits sei mit einem jahrelangen Gerichtsstreit um Abrissgenehmigungen auch niemandem gedient. „Die Stadt und die Stadträte müssen in die Offensive gehen und dem Investor sagen, dass die Fassaden unverzichtbar sind.“ – Baubürgermeister Peter Hesse (CDU) hatte sich zuletzt allerdings gegenteilig geäußert. Er bevorzugt eine „zeitgemäße“ Gestaltung des Centers. Der Stadtrat erteilte dem Investor bei seinem letzten Beschluss zum Lauencenter lediglich die Auflage, den Erhalt der besonders bedeutenden früheren Posthalterei zu prüfen.

Stephanie Queißer regt deshalb einen Bürgerentscheid ähnlich wie beim Bau des Kornmarkt-Centers an. „Schließlich geht das geplante Vorhaben alle Bautzener an!“