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Bautzener gedenken der Opfer

Bürger erinnerten am Dienstag an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 70 Jahren und wandten sich gegen eine Schlussstrich-Debatte.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

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Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus findet am Ehrenmal an der Neuschen Promenade nun schon seit 1996 statt. Wie Stadtrat Claus Gruhl in seiner Rede sagte, besteht die Gefahr, dass solche Veranstaltungen zum Ritual werden. Deswegen sei es ganz wichtig, dass Bezüge zur Gegenwart hergestellt werden. Der Stadtrat verglich deshalb Forderungen der Pegida mit denen der Nationalsozialisten. Beide hätten Minderheiten zu Sündenböcken gemacht und eine homogene Volksgemeinschaft gefordert, die nichts anderes zulässt. Damals wie heute seien die Mitläufer aus der Mitte der Gesellschaft gekommen.

Der einzigartige Zivilisationsbruch, wie er von den Nazis begangen wurde, indem Millionen unschuldiger Menschen ermordet wurden, dürfe niemals in Vergessenheit geraten, mahnte der Stadtrat, der für das Bündnis „Räte für Respekt und Miteinander“ auftrat. Diesen neuen Namen hatten sich die „Stadträte gegen Rechts“ kürzlich gegeben, wie Claus Gruhl mitteilte. Der Stadtrat forderte alle Bautzener auf, die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Monate als Chance zu begreifen. Asylsuchende seien keine Bedrohung, sondern eine Bereicherung. Die Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin interpretierte er als Aufforderung, den eigenen Verstand zu benutzen. „Demokratie ist anstrengend und bedarf der Mitwirkung aller“, sagte Claus Gruhl. Und er appellierte in Hinblick auf Pegida: „Folgt denen nicht!“

Gegen das Vergessen

Zu den Bautzenern, die am Gedenkstein für die Außenstelle des KZ Groß Rosen Blumen niederlegten und ehrende Worte sprachen, gehörte auch Bürgermeister Michael Böhmer. Ihn habe besonders eine kürzlich veröffentlichte Befragung der Bertelsmann-Stiftung erschüttert, bei der 81 Prozent der Befragten geäußert hatten, dass unter die Judenverfolgung endlich ein Schlussstrich gezogen werden müsse. Auch Statistiken, die zeigen, wie wenig Deutsche im Vergleich zu anderen Nationen das KZ Auschwitz besuchen, gäben ihm zu denken. Über die Vergangenheit nachzudenken sei jedoch Voraussetzung dafür, sich für die Zukunft zu orientieren. Drei Schülerinnen der Allende-Schule taten dies, indem sie sich mit Anne Frank, den Geschwistern Scholl und einem Gedicht von Peter Härtling auseinandersetzten.

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