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Bautzener Puppendoktor gestorben

Dietmar Günther, der erst im Januar seine Werkstatt wieder eröffnen konnte, isttot.LautPolizeiangaben erlag er am Freitag einem Unfall in seiner Wohnung.

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Von Christoph Scharf

Brennende Kerzen, ein gemaltes Kinderbild, mehrere Rosen: Freunde und Bekannte haben das Schaufenster des Puppendoktors in der Bautzener Heringstraße geschmückt, um an den am Wochenende gestorbenen Dietmar Günther zu erinnern. Nach Polizeiangaben wurde er am Freitag Abend tot in seiner Wohnung gefunden. „Alles deutet auf einen häuslichen Unfall hin, eine Straftat ist ausgeschlossen“, sagte Polizeisprecherin Petra Kirsch zur SZ. „Es hat wohl eine Verkettung unglücklicher Umstände gegeben.“ Seine Weggefährten können das Unglück noch gar nicht fassen. „Wir verlieren einen sehr, sehr guten Freund, der immer für einen da war“, sagt Edelgard Richter, die das Geschäft „Kerzen am Lauenturm“ führt.

Erst im vergangenen Jahr hatte sie gemeinsam mit anderen für den bekannten Puppendoktor Spenden gesammelt: Dessen kleiner Laden in der Altstadt war im Mai durch einen technischen Defekt fast völlig ausgebrannt. Dabei waren rund 300Puppen und Tiere beschädigt worden, es entstand ein Schaden von 20000 Euro. Die Nachbarn in der Heringstraße sammelten Geld, sein Sportverein, der MSV04 Bautzen, organisierte ein Hockeyspiel, dessen Einnahmen dem Wiederaufbau seines Geschäfts zugute kam. Selbst Unbekannte überwiesen Geld auf ein Spendenkonto.

Von der Welle der Hilfsbereitschaft war Dietmar Günter überrascht – umso tragischer, dass er sein am 2.Januar wieder aufgemachtes Geschäft nicht mal einen Monat lang betreiben konnte. Die benachbarten Geschäftsleute sind erschüttert, viele haben den Puppendoktor gut gekannt und jeden Tag gesehen. Auch etliche Passanten bleiben am mit Blumen und Kerzen geschmückten Schaufenster stehen, hinter dem noch immer etliche Puppen auf ihre Reparatur warten. „Wir werden Dich alle sehr vermissen“, hat jemand auf ein Bild an der Ladentür geschrieben.

Sohn will Geschäft fortführen

Allerdings wird die monatelange Wiederaufbau-Arbeit des 54-Jährigen nicht umsonst gewesen sein: Der Sohn von Dietmar Günther will die Puppenklinik in der Bautzener Heringstraße fortführen. „Wiedereröffnung im März“ verheißt eine Aufschrift am Fenster. „Das wäre ganz sicher auch im Sinne des viel zu früh gestorbenen Puppendoktors“, sagt Edelgard Richter.