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Bautzener Segler suchen Nachwuchs

Der Verein feiert im Mai sein 25-jähriges Bestehen. Mit einem besonderen Angebot wollen die Mitglieder junge Leute locken.

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© Uwe Soeder

Von Frances Scholz

Mit voller Konzentration blicken Jessica und Jana auf das Wasser. Dann geht der Blick nach oben. Auf ein kleines rotes Fähnchen am Mast ihres Segelbootes. In welche Richtung weht es? Wann kommt die nächste Böe? Wie muss das Ruder gelenkt werden? Diese Fragen beantworten die Mädchen instinktiv. Denn sie segeln seit fünf Jahren im Bautzener Segelclub.

Dieser feiert nun sein 25-jähriges Bestehen. „Wir planen ein großes Fest auf unserem Vereinsgelände am Stausee. Dort wollen wir auch Probesegeln für Kinder und Erwachsene anbieten“, sagt Vereinsvorsitzender Klaus Hanisch. Dadurch erhoffen sich die Mitglieder, einige Besucher für das Segeln begeistern zu können, vor allem Kinder und Jugendliche. Denn der Verein hat Nachwuchssorgen. „Momentan haben wir zehn Kinder und Jugendliche im Verein“, sagt ihr Trainer Lutz Wierschbitzki.

Dabei ist das Segeln gar nicht so schwer. „Es gibt keine speziellen Voraussetzungen. Natürlich sollte ein Kind aber schwimmen können“, sagt der Trainer. Zudem sollte man keine Angst vor Wasser haben. „Auch Geduld ist wichtig. Denn wenn mal kein Wind weht, sitz man im Boot und muss warten, bis man wieder in Fahrt kommt“, sagt Lutz Wierschbitzki. Trainiert wird jeden Sonnabend auf dem Bautzener Stausee. Von November bis März müssen die Segler auf ihren Sport verzichten. Dann wird nur in der Schwimmhalle trainiert oder die Theorie geübt.

Warum es für den Verein so schwer ist, neue junge Mitglieder zu finden, kann sich Vorstand Klaus Hanisch nur so erklären. „Viele Leute kennen unseren Verein wohl gar nicht und wenn doch, dann denken sie, dass Segeln ein teurer Sport ist. Dabei haben wir ganz gute Mitgliederbeiträge“, sagt er. So zahlen Erwachsene jährlich 140 Euro für ihre Mitgliedschaft. Für ein Kind kostet sie 60 Euro im Jahr.

Und unabhängig von den Preisen sieht Klaus Hanisch viele weitere Vorteile im Bautzener Segelverein. „Segeln kann man bis ins hohe Alter. Wir haben ein Mitglied, das ist schon über 70 und noch sehr aktiv.“ Zudem hätten die 66 Mitglieder des Bautzener Vereins einen starken Zusammenhalt und deswegen ein gutes Vereinsleben. „Und es gibt viele Veranstaltungen. Außerdem haben wir gute Schulungsräume und eine gute Infrastruktur. 35 bis 40 Boote gibt es im Verein, die man auch ausleihen kann.“ Jährlicher Höhepunkt ist der Wettbewerb um den Stauseepokal im September. „Dann kommen auch immer internationale Gäste aus Polen, Tschechien und Ungarn“, zählt Klaus Hanisch auf.

Doch das ist nicht der einzige Wettbewerb. Über das Jahr verteilt gibt es fast jedes Wochenende Möglichkeiten an verschiedenen Touren teilzunehmen. „Bei den Kindern und Jugendlichen entscheidet der Trainer, wer wohin fahren sollte“, sagt der Vereinsvorsitzende.

Für die beiden jungen Seglerinnen Jana und Jessica sind die Wettbewerbe ein Ansporn. „Es gibt viele Feinheiten, auf die man achten muss, um besser zu sein als die Konkurrenz“, sagt die 12-jährige Jana. Mehr Spaß als die Wettkämpfe macht den beiden Mädchen aber das Vereinsleben. „Der Gruppenzusammenhalt ist super und, dass man das Erlebte miteinander teilen kann. Außerdem ist Segeln einfach ein tolles unbeschreibliches Gefühl“, sagt die 13-jährige Gymnasiastin Jessica.

Doch bevor sie auf den See können, müssen sie einige Vorbereitungen treffen. Die Segel müssen gespannt werden. Kleinteile, wie zum Beispiel eine Abschöpfkanne, werden gesichert. Diese Aufbauarbeiten dauern 15 bis 30 Minuten. Und dann ziehen sich die Segler noch einen dicken Neopren- oder Trockenanzug an. „Denn bei Wind wird es schon kalt auf dem Boot und nass wird man sonst auch“, sagt Jana.

Trainer Lutz Wierschbitzki hält Segeln für einen guten Sport für Kinder und Jugendliche. „Im Team wird die Sozialkompetenz gefördert. Man ist aufeinander angewiesen und muss sich aktiv einbringen“, sagt der 32-jährige Bautzener, der selbst seit seinem achten Lebensjahr segelt. Zudem ist man immer in der Natur. Und die Kinder und Jugendlichen müssen sich mit der Physik auseinandersetzen. „Sie müssen berechnen, in welchem Winkel man segeln muss“, sagt der Trainer.

Den haben Jana und Jessica schon berechnet. Eine Böe kommt. Jetzt nimmt ihr kleines Boot Fahrt auf. Zwei bis drei Stunden segeln sie so nun bei Sonnenschein über den Bautzener Stausee.

25-jähriges Jubiläum des Bautzener Segelvereins am 9. Mai ab 10 Uhr, Neumalsitz 1, 02625 Bautzen, weitere Infos www.bautzener-segelclub.de