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Corona: Bautzener Tafel sucht Hilfe

Wegen der Pandemie musste der Verein umziehen. Doch an der neuen Adresse mangelt es noch an Vielem.

Matthias Engelmann arbeitet bei der Tafel in Bautzen. Wegen Corona musste diese schneller als geplant umziehen - und lebt jetzt mit Provisorien. Derzeit werden die Lebensmittel aus einem Auto heraus verteilt.
Matthias Engelmann arbeitet bei der Tafel in Bautzen. Wegen Corona musste diese schneller als geplant umziehen - und lebt jetzt mit Provisorien. Derzeit werden die Lebensmittel aus einem Auto heraus verteilt. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Ihr Blick scheint überall. „Bleiben Sie zurück!“ „Halten Sie Abstand!“ „Die blaue Box nicht dort hin!“ – Elke Krause steht auf dem Hof des Grundstücks an der  Czornebohstraße 4 und weist die Leute an; Mitarbeiter und Besucher gleichermaßen. Etwa 15 Menschen mit Mundschutz im Gesicht haben sich in einer Schlange angestellt. Darunter überwiegend ältere Leute, aber auch eine Mutter mit Kind. Sie alle kommen wegen der Tüten und Kisten, die vor ihnen aus einem Auto gereicht werden: gefüllt mit Lebensmitteln. Fünf Euro geben die Bedürftigen – und bekommen günstig Obst und Gemüse, Konserven, Nudeln oder Fertiggerichte, die die Supermärkte nicht losgeworden sind.

Seit 22 Jahren, das betont Elke Krause immer wieder, leitet sie die Bautzener Tafel – sie hat die Sache im Griff, so scheint es. Kein Wunder: Sie hat die Tafel in Bautzen mit aufgebaut, Kraft und Energie in das Projekt gesteckt. Es ist ihr wichtig. Und bisher lief auch alles.

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Nach und nach sollte die Tafel langfristig von der Fabrikstraße in die Czornebohstraße umziehen, die Tafel hat das Gebäude vor ein paar Jahren günstig gekauft. So war der Plan – nach und nach wollte Krause einen Nachfolger anlernen, die Zügel aus der Hand geben. Denn die Zeit dafür ist reif. Ihr Alter will sie nicht verraten, aber „ich bin weit über die Risikogruppe hinaus“, beschreibt die zierliche Frau, die da doch so fest mit den Beinen auf dem Boden steht.

Coronavirus trägt Schuld

Und jetzt, jetzt kommt das Coronavirus dazwischen. Der Plan mit dem Ruhestand, der ist erst einmal verschoben. Und der Umzug, der musste plötzlich auf einen Schlag vonstatten gehen. Denn als die Corona-Krise losging, begann das Problem für die Bautzener Tafel: „In der Fabrikstraße konnten wir die Hygienevorschriften einfach nicht umsetzen“, sagt Elke Krause. „Abstand halten, das war da einfach nicht möglich. Und einen Spuckschutz konnten wir dort auch nicht errichten.“ Die Tafel musste notgedrungen schließen, sechs Wochen lang blieb sie zu.

Jetzt hat sie am neuen Standort wiedereröffnet – und mit den neuen Räumen kamen die Sorgen. Denn das Gebäude in der Czornebohstraße, eine alte Scheune, ist noch gar nicht bereit dafür.

Elke Krause wirft einen prüfenden Blick zu den Mitarbeitern und Bedürftigen an der Ausgabe, dann läuft sie zu einer der Scheunentüren. Gerade legt ein Mann eine Unterlage in ein Regal. „Die bauen hier gerade die Regale auf“, sagt Krause, „vor Kurzem haben sie die Wände gestrichen“. In einem Raum liegen schon Fliesen, ein anderer hat nur Betonfußboden. „So kann es nicht bleiben“, ärgert sich Krause. Erst seit wenigen Tagen gibt es fließendes Wasser, eine Toilette – aber all das „ist nur ein absolutes Provisorium“, sagt Krause.

Haustechniker dringend gesucht

Um zu verdeutlichen, was sie meint, öffnet Elke Krause eine der blauen Türen, erklärt: „Die Türen müssen wir erneuern“. In dem Raum hängt eine Lampe, notdürftig montiert. Die Decke: nackter Stein. „Händeringend“, sagt Elke Krause, „suchen wir jetzt Hilfe.“ Sie zählt auf: Ein Projektplaner werde gebraucht, ein Haustechniker, jemand der sich mit Elektrizität und Wasseranschlüssen auskennt, vielleicht ein Innenarchitekt – und Spenden, für eine Küche, für Möbel, für die Installationsarbeiten. Es fehlt an Licht, sanitären Anlagen, an einer Küche.

„Wir suchen jemanden, der das als Herausforderung ansieht, helfen will – der das am besten aus Spaß an der Freude macht.“ Jemanden, der sich mit den Hygieneregelungen auskennt und weiß, wie viele Toiletten es geben muss und in welchem Abstand sie zueinander stehen müssen, erklärt Krause. Der Umbau – „wir schaffen das nicht“, sagt sie. Fördermittel hat sie bereits beantragt – ob sie welche bekommt, sei offen.

Steht die Zukunft auf der Kippe?

Weil die Räume bislang bei weitem nicht ausreichend ausgestattet sind, reichen die Mitarbeiter der Tafel die Lebensmittel jetzt aus einem Auto heraus. Andere Lebensmittel werden in einem Zelt verteilt. „Ein absolutes Provisorium“, sagt Elke Krause noch einmal. Wegen der Lage können sich die Bedürftigen die Inhalte, anders als sonst, nicht aussuchen.

„Wir tun alles dafür, dass die Tafel eine gute Einrichtung bleibt“, sagt sie – und scheint die Worte nicht in den Mund nehmen zu wollen. Aber dann sagt sie zögerlich: „Wir tun, was wir können – aber wenn es nicht vorwärts geht, kann ich es hier bleiben lassen.“

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Öffnungszeiten:
Bautzener Tafel, Czornebohstraße 4, montags bis freitags, 12.30 Uhr bis 14 Uhr

Wer helfen möchte, kann sich mit einer E-Mail an Elke Krause wenden. 

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