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Bautzens bekannteste Baustelle

Im Herbst soll im Dom der erste Gottesdienst nach der Sanierung gefeiert werden – die Chancen stehen gut.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

Die gesunde Drittelstunde

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Die Farbe schmatzt beim Pinselstrich an der gräulich-weißen Decke. Das ist das einzige Geräusch unter dem knapp 3 500 Quadratmeter großen Gewölbehimmel im Bautzener Dom St. Petri. Auf einer Stahlkonstruktion stehen die Mitarbeiter rund um Restaurator Günter Walther auf Holzbrettern in 13 Metern Höhe. Bei überschlagenen Temperaturen fassen sie die bogenförmigen Rippen in Farbe. „Wir frischen auch die Rippenkreuze mit Originalfarben auf, so wie sie im Mittelalter verwendet wurden“, sagt Christian Schaufel. Der Dresdner Architekt betreut in enger Zusammenarbeit mit dem Restaurator Jörg Freund Bautzens bekannteste Baustelle.

Die Maler arbeiten sich schrittweise von West nach Ost vor. Das südliche Seitenschiff ist schon wieder frei, das Gerüst in diesem Bereich verschwunden. Seit Juni 2014 füllt das Skelett aus Stützen, Leitern, Stangen und Verstrebungen die Kirche.

Alte Fundamente gefunden

Die Arbeiten im knapp 600 Jahre alten Gotteshaus begannen im Oktober 2013. Bei der Verlegung neuer Leitungen im Fußboden fanden Archäologen damals auch die Fundamente des Vorgängerbaus. Die Experten vom Landesamt für Archäologie datieren ihre Funde auf die Zeit um 1200.

Die erste Kirche auf Bautzens höchstem Punkt lässt Graf Eido von Rochlitz allerdings bereits um 1000 bauen. Gut 200 Jahre später errichtet der Meißener Bischof Bruno das Kollegiatstift St. Petri. Sieben Priester beauftragt er, das Kirchenwesen in der Oberlausitz durch Gründung neuer Gemeinden und die Ausbildung von Predigern aufzubauen. Die Kirche wird 1221 als Stadt- und Stiftskirche geweiht. Seine heutige Gestalt erhält der Dom um 1430.

Farbenfrohe Bemalungen

Aus dieser Zeit sind keine farblichen Spuren in St. Petri mehr auffindbar. Um 1887 bekommt die Kirche eine neugotische Fassung. Das heißt, sie wurde so gestaltet, wie man sich seinerzeit eine mittelalterliche Kirche vorstellte: mit farbenfrohen Bemalungen, zum Beispiel entlang der Säulen, und bunte Verglasungen an den Fenstern. Nach dem Zweiten Weltkrieg entsprach diese Form der Gestaltung jedoch nicht mehr dem Zeitgeist, sie galt als unhistorisch. In den 1950er Jahren erhielt der Dom deshalb seine heutige schlichte Fassung. „Vergleichbare sächsische Hallenkirchen in Annaberg und Pirna haben eine reichere Ausstattung“, sagt der Architekt. Der Bautzener Dom wird hingegen auch nach der Sanierung sein schlichtes Inneres behalten. Wegen der vielen Eingriffe seit Ende des 19. Jahrhunderts lässt sich beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen, wie die Kirche einmal ausgesehen hat. Daher entschieden die Fachleute, es bei einer Auffrischung der heutigen Farben zu belassen.

„Wenn jetzt nicht noch frostige Tage kommen, können wir in zwei Monaten die Malerarbeiten an der Gewölbedecke abschließen“, sagt Christian Schaufel. Er liegt mit dieser Planung genau im Zeitplan. Nachdem das Gerüst verschwunden ist, beginnen zügig die Feinarbeiten. Es werden beispielsweise die Fugen im Fußboden geschlossen, die Holzpodeste und die Bestuhlung wieder auf den 1400 Quadratmetern verteilt. Auch der neue Anlaufpunkt für Besucher zwischen evangelischem und katholischem Teil wird eingebaut.

Hilfe auch von privaten Spendern

Danach kehren die Einrichtungsobjekte an ihre angestammten Plätze zurück. Etwa 40 verschiedene Positionen stehen auf der Inventarliste, so auch das große Abendmahlbild von Wenzel Schwarz. Wie die Altäre und andere Kunstschätze wird es während der Sanierungsarbeiten im Dom in riesigen begehbaren Kisten aufbewahrt. So sind die Kunstschätze vor Schmutz und Beschädigung geschützt – und doch zugleich für die Restauratoren zugänglich.

Ein Großteil der Restaurierungskosten für die wertvolle Innenausstattung schultern die Ostdeutsche Sparkassenstiftung und die Sparkasse Bautzen. Hinzu kommen private Spenden. Die Innensanierung selbst kostet insgesamt 2,1 Millionen Euro. 1,7 Millionen Euro davon kommen aus dem Programm städtebaulicher Denkmalschutz. Für den übrigen Betrag kommen die katholische Dompfarrei und die evangelische Kirchgemeinde St. Petri auf.

„Wir haben jetzt etwa die Hälfte des Geldes abgerechnet. Die Zeit der Überraschungen ist vorbei. Wir gehen fest davon aus, dass wir den knappen Zeitplan einhalten werden“, sagt Christian Schaufel. Der erste Gottesdienst nach Sanierung soll im Herbst dieses Jahres gefeiert werden.

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