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So soll Bautzens gefährlichste Kreuzung sicherer werden

In der Nähe von Doberschau ereignen es immer wieder schwere Unfälle. Deshalb gilt die Stelle als gefährlichste im Landkreis. Nun ist eine Lösung in Sicht.

Ein Motorradfahrer verlor vor zwei Jahren bei einem Unfall an der Kreuzung von Neukircher und Brösanger Straße bei Drauschkowitz sein Leben. Der Verkehrsknoten gilt als gefährlichste Unfallstelle im Landkreis Bautzen.
Ein Motorradfahrer verlor vor zwei Jahren bei einem Unfall an der Kreuzung von Neukircher und Brösanger Straße bei Drauschkowitz sein Leben. Der Verkehrsknoten gilt als gefährlichste Unfallstelle im Landkreis Bautzen. © Archivfoto: Lausitznews/Jens Kaczmarek

Bautzen. Vielleicht war es ein kurzer Moment der Unachtsamkeit. Vielleicht war es das hohe Gras, das am Straßenrand wuchs und dem Autofahrer, der bei Drauschkowitz auf der Brösanger Straße fuhr und die Neukircher Straße kreuzen wollte, die Sicht versperrte. Oder aber es war die Geschwindigkeit, mit der der Motorradfahrer auf der Neukircher Straße angebraust kam. So genau lässt sich das heute nur noch schwer feststellen. Sicher ist: Der Motorrad- und der Autofahrer sind zusammengestoßen an diesem Tag. Es war der Pfingstmontag 2017 – und der Unfall kostete dem Motorradfahrer das Leben. Derzeit muss sich der Autofahrer vor dem Bautzener Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor.

Der Unfall an besagtem Junitag im Jahr 2017 – er war nicht der einzige, der an ebendieser Kreuzung bei Doberschau, zwischen Drauschkowitz und Gnaschwitz, passierte. Insgesamt fünfmal knallte es dort 2017, zweimal waren Motorradfahrer in die Kollisionen verwickelt. Beide verloren bei den Unfällen ihr Leben. Zwei weitere Personen wurden zudem schwer verletzt, zudem sieben andere leicht.

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Zum Vergleich: 2017 gab es insgesamt 129 Verkehrsunfälle mit Motorrädern im gesamten Landkreis Bautzen. 35 Motorradfahrer wurden dabei schwer und 56 leicht verletzt. Insgesamt starben zwei – beide auf der Kreuzung bei Doberschau.

Neue Schilder, auffällige Markierungen

Auch 2018 gab es viele Verkehrsunfälle auf der Kreuzung – insgesamt acht. Niemand starb, jedoch gab es abermals viele Verletzte: Eine Person kam mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus und sieben erlitten leichte Blessuren.

Insgesamt 42 sogenannte Unfallhäufungsstellen gibt es im Kreis Bautzen. So schlimm waren die Unfälle aber an der Kreuzung der Brösanger und der Neukircher Straße, und so viele waren es an der Zahl, dass das Landratsamt den Knotenpunkt als „gefährlichste Unfallhäufungsstelle im Landkreis“ bezeichnet. „Seit vielen Jahren ist der Knoten Gegenstand der Beratungen der Verkehrsunfallkommission des Landkreises“, berichtet Sprecherin Frances Lein. Dass es dort häufig zu Unfällen kommt, hat vor allem den Grund, dass die Kreuzung schwer einsehbar ist.

Viele Maßnahmen hat die Unfallkommission deshalb mittlerweile durchgesetzt. Der Verkehr, der von den Nebenstraßen kommt, muss anhalten: Es gibt dort mittlerweile Stopp-Schilder. Die Polizei hat Kontrollen durchgeführt, ob die Verkehrsteilnehmer sich auch an die Hinweise halten. Die Fahrbahnmarkierung wurde auffälliger gestaltet. An allen Knotenästen hat das Landratsamt Schilder mit dem Aufdruck „Unfallgefahr“ anbringen lassen. Es wurde bestimmt, dass das Gras am Fahrbahnrand häufiger gemäht werden muss. Und die Linksabbiegespuren wurden auf dem Fahrbahnboden gekennzeichnet.

Alle diese Ideen haben einen Zweck: weitere Unfälle zu verhindern. Doch auch 2018 war die Kreuzung eben immer noch eines: „Spitzenreiter im negativen Sinne“, so formuliert es das Landratsamt. Mittlerweile seien alle verkehrstechnischen und organisatorischen Möglichkeiten ausgeschöpft. Schon lange „fordert die Verkehrsunfallkommission den verkehrsgerechten Umbau des Knotens“, sagt Frances Lein. Zuständig ist dafür das Landesamt für Straßenbau und Verkehr, kurz Lasuv.

Kreisverkehr soll Sicherheit erhöhen

Tatsächlich hat das Lasuv Pläne, gegen den Unfallschwerpunkt vorzugehen. Ein Kreisverkehr soll Abhilfe schaffen, den Verkehr verlangsamen. Wie lange es dauert, bis der gebaut ist, ist allerdings offen: „Da wir in dieser frühen Vorbereitungsphase noch nicht einschätzen können, ob das Baurecht einvernehmlich hergestellt oder durch ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren beantragt werden muss, können wir noch keine Prognose für eine Zeitschiene abgeben“, erklärt Lasuv-Sprecherin Isabel Pfeiffer. Bis Ende 2019 soll es eine Vorplanung geben.

Es wäre nicht die einzige Kreuzung im Kreis, in der ein Umbau den gewünschten Erfolg bringen würde und die Unfallgefahr bannen könnte. Gar nicht so weit entfernt von Bautzens gefährlichster Kreuzung hat das zum Beispiel geklappt. Wer die Neukircher Straße in Richtung Bautzen entlang fährt, der kreuzt irgendwann die S 106, die nach Salzenforst führt. Auch dieser Straßenabschnitt galt lange Zeit als Unfallhäufungsstelle. Wie das Landratsamt mitteilt, wurde dort eine sogenannte Dreiecksinsel, also eine dreieckig geformte Verkehrsinsel, zurückgebaut. So sei es gelungen, die zuvor eindeutige Unfallgefahr zu bannen.

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Ähnliche Baumaßnahmen wurden an der A 4-Auffahrt in Burkau und an der Kreuzung der Weißiger Straße mit der S 94 bei Straßgräbchen umgesetzt. An anderen Unfallproblemstellen wurde mit Ampeln gearbeitet: Zum Beispiel an der A 4-Auffahrt bei Ottendorf-Okrilla konnte so die Unfallzahl gesenkt werden.

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