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Bautzens schärfster Botschafter

250 Präzisionsschneider verlassen jährlich das Perfecta Schneidemaschinenwerk – auch in die USA, China und Japan.

© Uwe Soeder

Von Miriam Schönbach

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Bautzen. Ohne sie wären Herrnhuts Botschafter weniger auf Zack. Schließlich wird mithilfe der Schnellschneider aus dem Perfecta Schneidemaschinenwerk in Bautzen das Material für die Sterne aus Kunststoff zurechtgeschnitten. „Ende vergangenen Jahres ging die Maschine an den Kunden heraus“, sagt Geschäftsführer Thomas Kaulitz. Insgesamt verlassen jährlich 250 Präzisionsschneider mit Schnittbreiten zwischen 80 Zentimeter und 2,25 Meter mit der Aufschrift „Made in Germany“ das Werk in der Schäfferstraße. Die wenigsten davon bleiben in Deutschland.

Thomas Kaulitz öffnet die Tür zum Produktionsbereich. Seit acht Jahren leitet der promovierte Maschinenbauingenieur das traditionsreiche Unternehmen. Die Geschichte der XXL-Scheren beginnt 1896 als Maschinen und Kartonagen GmbH. Das Unternehmen stellte zunächst Buchbinderei-Hilfsmaschinen, später kamen Schneid- und sogar bis 1936 Druckmaschinen dazu. „Heute steckt in jeder unserer Arbeit das Wissen aus über 120 Jahren Maschinenbau für die grafische Industrie“, sagt der 41-Jährige. Das Wirkprinzip sei dabei immer dasselbe geblieben, verändert hätten sich die Programmierung, die Bedienung über einen Touch-Screen, der Umgang mit dem Material und auch die Arbeitssicherheit. In der ersten Werkhalle stapeln sich diegusseisernen Teile für die schnittigen Konstruktionen. „Früher wurden sogar diese Teile selbst hergestellt, heute bekommen wir sie von regionalen Zuliefern und aus China“, sagt Kaulitz. Beim Bautzener Ableger der Baumann-Gruppe werden sowohl einfache Schneidmaschinen für den Familiendruckbetrieb wie vollautomatisierte Systeme für die Großdruckerei gebaut. 95 Prozent sind dabei auf das Schneiden von Papier und Pappe spezialisiert, der Rest entfällt auf das Zertrennen von Kunststoff, Aluminium oder Laminat. Dabei sei die Perfecta ein fester Bestandteil der Zulieferindustrie für Druckereien und Buchbindereien.

Zusätzliche Ausbildung

Doch bevor die Maschinen an den Kunden ausgeliefert werden, wirft Michael Richter in der Qualitätssicherung einen letzten Blick darauf. Der 63-Jährige hat 1972 seine Lehre als Maschinen- und Anlagenmonteur im Betrieb begonnen, danach schloss er noch eine weitere Ausbildung zum Elektromonteur an. Der langjährige Mitarbeiter hat in dieser Zeit die Entwicklung der Präzisionsschneider miterlebt. Als Außendienstler ist er bis zur Wende in der DDR und im sozialistischen Ausland unterwegs gewesen, um die Schneidmaschinen aufzustellen, einzurichten und die künftigen Arbeiter einzuweisen.

Michael Richter beugt sich über die 132 SE, einen Schnellschneider für Formate bis 132 Zentimeter. „Zuerst schaue ich immer auf den Messerspalt und mache einen Probeschnitt, schließlich arbeiten unsere Maschinen auf Zehntelmillimeter schnittgenau“, sagt der Qualitätsprüfer. Sein erster Aufbau-Auftrag nach der Wende führte ihn übrigens nach Griechenland, danach ging es unter anderem noch nach Taiwan, China, Südamerika, ja quasi einmal um die halbe Welt. Denn überall dort sind Bautzens „schärfste Botschafter“ zu finden. In 80 Ländern gibt es Perfecta-Vertretungen.

„Leider können wir nicht mehr sagen, wie viele unserer Maschinen weltweit aufgestellt wurden, gerade in die ehemalige Sowjetunion sind große Kontingente versandt worden“, sagt Thomas Kaulitz. Ganz aktuell sind für das Bautzener Werk große Märkte die USA, China, die Länder in der EU und Japan. Dorthin reist der Geschäftsführer erst wieder in dieser Woche. Im Land der aufgehenden Sonne werden 249 Kilo Papier pro Person und Jahr verbraucht, nur in den USA ist der Pro-Kopf-Papierverbrauch von 335 Kilo noch einmal höher. Auch wegen dieser Zahlen schaut Thomas Kaulitz optimistisch in die Zukunft. „Schneidmaschinen sind ein Muss für jeden Druckbetrieb. Die Investitionsbereitschaft ist in der grafischen Branche zurückgekehrt“, sagt der Manager. Große Systeme würden wieder angefragt. Gleichzeitig wird Nachwuchs für alle Bereiche gesucht: Zerspanner, Maschinenbauingenieure, Experten für Vertrieb und Service. Auch für die Lehrstellen als Mechatroniker und Zerspanner können noch Bewerbungen abgeben werden. „Wir sind ein junges Team. Wer vom weißen Blatt – dem Entwurf einer Idee – bis zur fertigen Maschine einen Prozess begleiten möchte, ist bei uns richtig“, sagt der Geschäftsführer.