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Bauverbot für die zweite Reihe

Der Stadtrat beschließt einen Bebauungsplan für Teile der Eduard-Bilz-Straße. Doch nicht alle Räte sind für diesen Plan.

© Norbert Millauer

Von Peter Redlich

Radebeuls Stadtführer gehen mit Touristen immer wieder diese Straße entlang. Prächtige Villen, großzügige Gärten, ausladende Bäume säumen die Eduard-Bilz-Straße. Baumeister wie die Gebrüder Ziller haben hier im 19. Jahrhundert für vermögende Zuzügler in Oberlößnitz Häuser entworfen und errichtet. Bis zu 5 000 Quadratmeter sind solche Grundstücke groß.

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Teurer Baugrund, den mancher zu Geld machen möchte. Und auch schon gemacht hat. An der südwestlichen Eduard-Bilz-Straße sind in den 1990er-Jahren Gebäude aus der schnell gezogenen Architektenschublade entstanden – in der ersten, wie auch in der zweiten Reihe.

Jetzt versucht die Stadt, das Bauen in der zweiten Reihe zumindest einzudämmen. Der bisher noch unbebaute rückwärtige Gartenbereich mit seinem teilweise prägenden und wertvollen Baumbestand sei zu schützen, heißt es in einem gerade beschlossenen „Bebauungsplan Nummer 79 Eduard-Bilz-Straße“.

Grünen-Stadträtin Gabriele Schirmer, von Beruf selbst Architektin sagt dazu: „Als die Brüder Ziller hier 1880 bis 1905 bauten, gab es damals auch schon Bauleitpläne.“ Diese Ordnung sei auch heute nötig. Die großen Grünflächen mit inzwischen 100 Jahre alten Bäumen seien ein Naturgut, welches geschützt werden müsse, sagt die Stadträtin. Hier gehe Allgemeinwohl vor Privatinteressen. Auch wenn etwas weiter südlich in der Straße 1990 Fehler gemacht wurden. Schirmer: „Es ist jetzt unsere Entscheidung, ob wir diese Fehler weiter fortsetzen und die Gärten zubauen lassen oder nicht.“

Auch Stadtrat Wolfgang Jacobi (CDU) will Gebäudestruktur und Baumbestand, so wie es jetzt besteht, als lebenswerten Raum erhalten, aber nicht ausweiten.

Unterstützung bekommt der von Verwaltung und Räten gestützte Bebauungsplan auch von Anwohnern der Eduard-Bilz-Straße. Bettina Gruber-Scheller ist extra deswegen ins Rathaus gekommen. Sie sagt: „Die Gärten gehören zu den Villen. Die Mehrzahl der Bürger ist gegen eine weitere Verdichtung der Grundstücke.“

Eine Ansicht, die zwar die Mehrheit der Räte im Stadtrat auch so mitträgt, aber eben nicht alle. Thomas Gey von der SPD sieht mit dem Bebauungsplan allenfalls die Möglichkeit, ein Bauverfahren noch ein wenig hinauszuzögern. Aber an einen Erfolg glaube er nicht. Ob er für das Bauen in der zweiten Reihe ist, sagte er im Stadtrat allerdings nicht.

Ganz anders Johannes Domasch. Der FDP-Stadtrat betrachtet die Entscheidung, das Bauen dort zu verbieten, für einen Eingriff in die Rechte privater Eigentümer. Das könne er so nicht mit beschließen. Auch Roland Schreckenbach (Freie Wähler) ist nicht für diesen Bebauungsplan und stimmt Domasch zu.

Anlass für die Stadt, diesen Bebauungsplan überhaupt aufzustellen und fast ganze drei Jahre seit 2011 im Bauausschuss darüber zu diskutieren, waren Grundstücksverkäufe und Bauabsichten an der Eduard-Bilz-Straße. Zwei kleinere Gebäude im Nordteil des Planes (blau umrandet) sind vor fast 20 Jahren bebaut worden. Die rot umrandeten Gebäude stehen sowieso unter Denkmalschutz.

Das grün umrandete Baufeld (siehe Grafik) beinhaltet das Haus Eduard-Bilz-Straße Nummer 42. Villa Eugenie steht am Giebel. Längs durchs Grundstück führt eine starke städtische Wasserleitung. Vor allem im größten Grundstück an der Straße, südlich der Villa Eugenie, gibt es seit einiger Zeit das Ansinnen zu bauen.

Der Radebeuler Immobilienmakler Jens Beck ist hier vermittelnd zwischen den Besitzern, deren Architekt und der Stadt tätig. Beck: „Wir sind mit der Entwicklung des Grundstücks beauftragt worden. Die Eigentümer sind unentschlossen, ob sie gegen den beschlossenen B-Plan vorgehen.“

Er bespreche gerade mit ihnen Planungen für zwei Häuser auf dem grün umrandeten Baufeld im Südteil des Bebauungsplanes, direkt an der Eduard-Bilz-Straße. In den Häusern könnten jeweils drei großzügige Vier- bis Sechszimmer-Wohnungen sein. Eins der Häuser wäre auch als einzelne Villa für eine Familie geeignet. Beck: „Für Radebeul gibt es Interessenten, die in solchen Lagen solche Grundstücksgrößen kaufen würden.“