SZ +
Merken

Bayern mit Respekt vor Pirlo

Die Münchner treffen in der Fußball-Champions-League auf Juventus Turin. Dortmund bekommt es mit Malaga zu tun.

Teilen
Folgen

Von Jörg Obergethmann

Das Aufatmen bei Michael Zorc war förmlich spürbar, als Losfee Steve McManaman den FC Malaga als Gegner für Borussia Dortmund gezogen hatte. „Dieses Los nehmen wir an. Jedenfalls besser als Barcelona, Madrid oder München“, sagte der BVB-Sportdirektor über den Kontrahenten des deutschen Fußball-Meisters im Viertelfinale der Champions League.

Es hätte noch schlimmer kommen können, lautete auch der Tenor beim FC Bayern München nach der Zeremonie am Uefa-Sitz in Nyon, wenngleich Trainer Jupp Heynckes sofort vor dem Gegner Juventus Turin warnte: „Das ist ein richtiges Kaliber, eine Mannschaft, die sehr gut zusammengestellt ist“, sagte Heynckes, der 1998 mit Real Madrid das Champions-League-Finale gegen Juve gewonnen hatte. Gleichermaßen froh waren beide deutsche Klubs darüber, nicht den Liga-Rivalen erwischt zu haben. Die Bayern haben bei ihrem insgesamt vierten Champions-League-Duell mit dem italienischen Rekordmeister zunächst Heimrecht. Der BVB bestreitet das erste Spiel beim Tabellenvierten der Primera Division mit den ehemaligen Bayern-Profis Martin Demichelis und Roque Santa Cruz.

„Juventus ist eine sehr gute, sehr hart spielende Mannschaft mit extremen Spielern wie Pirlo. Italiener sind clever, abgezockt, gefährlich. Gegen Juventus waren es immer schwere Spiele, taktisch ist das eine exzellente Mannschaft“, urteilte Bayerns Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger über den kommenden Gegner, den die Münchner zuletzt 2009 in Turin mit 4:1 bezwungen hatten. „Für mich ist das nach Barcelona das unangenehmste Los. Wenn wir an unsere Leistungsgrenze kommen, werden wir weiterkommen. Aber wir brauchen zwei Topspiele“, meinte Toni Kroos. „Der bekannteste Spieler, und für mich immer noch einer der weltbesten, ist Pirlo. Wie er in diesem Alter immer noch Fußball spielt, ist beeindruckend“, lobte Superstar Arjen Robben. Am 33 Jahre alten Pirlo hatte sich erst im vergangenen Sommer bei der Europameisterschaft die deutsche Nationalmannschaft im Halbfinale (1:2) die Zähne ausgebissen.

Auch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge hat größten Respekt vorm Tabellenführer der Serie A: „Das ist kein Traumlos. Da werden wir zwei gute Tage brauchen, um das Halbfinale zu erreichen. Das wird kein Selbstläufer, davor warne ich.“ Für Matthias Sammer sind die Italiener eine willkommene Herausforderung. „Für unseren Kopf, unseren Fokus, ist ein Kaliber wie Juventus gerade richtig“, sagte der Bayern-Sportvorstand über die Spiele gegen Juve. Gegen die „alte Dame“ weisen die Münchner eine negative Bilanz in der Königsklasse auf: Zwei Siegen stehen ein Remis und drei Niederlagen bei insgesamt 7:6 Toren gegenüber. Für Juve-Sportdirektor Pavel Nedved ist „Bayern einer der schwierigsten Gegner, den wir bekommen konnten, aber wir gehen mit Freude an diese Aufgabe heran“.

Endlich mal Losglück, lautete die Devise bei der Borussia, die mit Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam die schwerste Vorrundengruppe erwischt und auch im DFB-Pokal-Viertelfinale mit dem Spiel bei den Bayern kein Fortune hatte. „Malaga ist ein gutes Los, vor allem erst auswärts. Ich freue mich drauf. Ich denke, wir können es packen“, erklärte Kapitän Sebastian Kehl. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke äußerte sich vorsichtiger: „Im Viertelfinale gibt es keine schweren und leichten Gegner. Insofern war es uns sehr wichtig, dass wir erst auswärts spielen.“ Er warnte aber: „Ich werde verrückt, wenn jetzt irgendjemand in völlig unangebrachte Euphorie verfällt.“ Malaga-Profi Joaquin bekundete „maximalen Respekt vor Borussia Dortmund“. Sein Team müsse „200 Prozent geben, um diese Runde zu überstehen“.

Für BVB-Trainer Jürgen Klopp treffen „zwei Überraschungsmannschaften der Champions League aufeinander, somit steht fest, dass es einen überraschenden Halbfinalteilnehmer geben wird“. Die BVB-Aktie reagierte am Freitag mit Kursgewinnen auf die Auslosung und baute zum Mittag ihre Gewinne mit plus 1,57 Prozent auf 3,23 Euro aus. „Das Los FC Malaga und dann zunächst auch noch die Auswärtsreise – Borussia Dortmund und seine Investoren dürften zumindest leise gejubelt haben“, sagte der Analyst Daniel Saurenz von Feingold Research. (dpa, sid)