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"Wir raten vom kühlen, nassen Sport ab"

Schwimmen im Berzdorfer See ist nicht verboten. Unter bestimmten Bedingungen. Warum die DLRG gut besuchte Strände derzeit dennoch mit Skepsis betrachtet.

Am Berzdorfer See ist die DLRG an der Blauen Lagune eingesetzt. Gerade jetzt keine leichte Aufgabe. Denn Retten und Abstandhalten passen nicht gut zusammen.
Am Berzdorfer See ist die DLRG an der Blauen Lagune eingesetzt. Gerade jetzt keine leichte Aufgabe. Denn Retten und Abstandhalten passen nicht gut zusammen. © Archiv: Jens Trenkler

Sebastian Knabe schwimmt derzeit höchstens in der Badewanne. Er gehört zur Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und hat mehrere Jahre Kindern das Schwimmen beigebracht. Heute ist er Geschäftsführer des Landesverbandes Sachsen. Normalerweise würde bald die Saison beginnen, seine Kollegen würden in den Freibädern und an Stränden auf die Sicherheit der Gäste achten. Aber wird es überhaupt eine Saison geben? Sebastian Knabe sagt im SZ-Gespräch, was er davon hält.

Herr Knabe, Training  ist im Moment für Sie und die anderen Schwimmer der DLRG nicht möglich, oder? 

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Das ist richtig. Die aktuelle Allgemeinverfügung in Sachsen macht uns das etwas schwer. Die  Erleichterungen bei den Schutzmaßnahmen beziehen sich nicht auf die Hallen- und Freibäder. Die bleiben weiterhin geschlossen. Sachsenweit, auch unseren Verbänden in Görlitz und Zittau, haben wir die Empfehlung gegeben, den Trainingsbetrieb erst mal einzustellen. Auch deshalb, weil es bislang keine bindende Aussage gibt, wie sich Coronaviren in stehenden Gewässern oder in gechlortem Wasser verhalten. 

Sebastian Knabe ist Vorsitzender des DLRG-Landesverbandes Sachsen. Normalerweise ist er sehr fürs Schwimmen, aber im Moment gerade nicht.
Sebastian Knabe ist Vorsitzender des DLRG-Landesverbandes Sachsen. Normalerweise ist er sehr fürs Schwimmen, aber im Moment gerade nicht. © privat

Wie sieht es mit den Seen wie dem Berzdorfer See bei uns aus? Im Moment sicher noch etwas kühl. Aber dürfte man dort schwimmen, wenn die Saison beginnt? 

Das Baden in einem öffentlichen See gilt als Bewegung und Sport an der frischen Luft. Eigentlich also ja, solange es sich um keine Sportanlage handelt. Es kommt aber auch darauf an, ob der Betreiber überhaupt möchte, dass im See geschwommen wird. Denn es ist so, dass die Betreiber die sogenannte öffentliche Verkehrssicherungspflicht einzuhalten haben. Da zählt nun gerade das Infektionsschutzgesetz dazu. Von dem Betreiber muss also zum Beispiel auf den Mindestabstand geachtet werden. Wir als DLRG sehen da ganz stark den Freistaat in der Pflicht, eine Regelung zu treffen. 

Der Bundesvorsitzende der DLRG hatte in einem Interview sinngemäß appelliert, an Land zu bleiben. Denn bei einem Unglücksfall bringe man nicht nur sich, sondern in der aktuellen Lage durch Corona möglicherweise auch die Retter in Gefahr. Wie sehen Sie das? 

Die Leute dürfen nicht vergessen, auch wenn es Lockerungen gibt, das Virus ist nach wie vor vorhanden. Ja, wir würden davon abraten, dass der kühle, nasse Sport jetzt durchgeführt wird. Es gibt andere sportliche Möglichkeiten, die besser überschaubar sind als ein See oder auch ein Fließgewässer. Auch wenn die Beschränkungen weiter gelockert werden sollten, ich würde nicht mit 15 Leuten an den See gehen. Selbst wenn es eine entsprechende Absicherung der Regelungen gibt: Die Einsatzkleidung der DLRG - egal ob das die Ortseinsatzbekleidung ist, mit der man schneller an das Opfer heranschwimmt, oder die Vollmontur - die bietet uns als Einsatzkräften keinen Schutz vor Viren. 

Ist die Lage in den Bädern anders, vielleicht einfacher? Dort sind die Hygieneauflagen ja sehr hoch. Sie sprachen auch das Chlor an. 

Man geht erst mal davon aus, dass die Chlorzugabe Viren egalisiert. Dahingehend dürfte in den Schwimmbecken nichts gefährliches drin sein. Aber es liegt keine wissenschaftliche Analyse dazu vor. Die Problematik liegt aber eigentlich woanders, nämlich davor und danach, im Sinne von: der Weg zum Bad oder See und zurück nach Hause. Das Nachverfolgen der Infektionskette ist da schwierig. Bei den Hallenbädern betrifft das zum Beispiel auch die Umkleiden oder die Duschmöglichkeiten, wo man die Leute um sich herum meistens nicht kennt. 

Gibt es dennoch von Bädern oder Kommunen mit Seen Aufträge an die DLRG für die Zeit, in der sie wieder öffnen dürfen? Oder liegt erst mal alles auf Eis? 

Es gibt Beauftragungen der DLRG. Soweit ich weiß, laufen beim Olbersdorfer See Absicherungsverhandlungen. Bei der Blauen Lagune am Berzdorfer See weiß ich es ad hoc nicht. Die Bäder halten sich auch größtenteils bereit, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können, sobald es möglich ist. 

Zum Beispiel im Reichenbacher Freibad, wo gerade das Wasser in die Becken eingelassen wurde. Im Neißebad Görlitz, ein Hallenbad, wurde jetzt der Großputz  vorgezogen. In der Hoffnung, im Sommer vielleicht durchgängig öffnen zu können. Welche Maßnahmen könnten Hallen- oder auch Freibäder treffen, um den Infektionsschutz zu erhöhen? 

Man könnte eine Vorgabe machen, wie viele Besucher pro Bahn und Stunde zugelassen werden. Das Badpersonal müsste darauf achten, dass der Abstand innerhalb der Becken und Schwimmbahnen gewährleistet wird. 

Ist das realistisch?

Es ist ein bisschen schwierig. Wie würde man zum Beispiel eine mögliche Mundschutzpflicht in einem Schwimmbad umsetzen wollen? Im Wasser ist das besonders schwer realisierbar bis hin zu gefährlich. Und solche Maßnahmen sind mit einem hohen personellen Aufwand verknüpft. Weshalb dann auch in der neuesten Allgemeinverfügung gesagt wurde, Hallen- und Freibäder bitte geschlossen lassen. 

Wie stehen Sie persönlich zur Schließung der Bäder? Hätten Sie sich vielleicht eine andere Regelung gewünscht? 

Ich finde es für die Lage jetzt erst mal richtig. Wie gesagt, man muss sich bewusst sein, dass es keine verbindliche Aussage gibt, wie sich Coronaviren im Wasser verhalten. Auf der anderen Seite: Bäder haben an sich schon sehr hohe Hygieneauflagen. Der Hauptfaktor ist hier eben der Mensch - wenn man nicht gut nachvollziehen kann, mit wem er vor oder während des Badbesuches in Kontakt kam. Deshalb finde ich, die Schließungen sind vor allem für die Bäder selbst nicht die beste Lösung, aber für die jetzige Situation eine durchdachte.  

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