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Beate Klarsfeld kommt nach Koselitz

Lange haben die 186 ermordeten KZ-Häftlinge kaum Beachtung gefunden. Sonnabend bekommen die Opfer eine ganz besondere Würdigung.

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© Robert Michael

Von Jens Ostrowski

Koselitz. Der 17. April 1945 gehört zu den schlimmsten bekannten Mordaktionen der Nazis in Sachsen. Weil die Rote Armee immer näher rückt, wird das Außenlager Gröditz des KZ Flossenbürg, deren Häftlinge im Stahlwerk Waffen produzieren mussten, auf Befehl von SS und Gestapo hastig geräumt. Für den 13. April 1945 war ein Bestand von 743 Häftlingen gemeldet. Insgesamt durchliefen rund 1 000 Männer aus 14 Ländern das Lager.

Nach einem Befehl Himmlers sollten KZ-Häftlinge nicht lebend in die Hände der Alliierten fallen, und die Werksleitung wollte verhindern, dass sie im Stahlwerk von der Roten Armee befreit werden. Zwei aus Dresden am selben Tag eintreffende SS-Offiziere geben der Werksleitung bekannt, dass die Häftlinge selektiert werden: Wer ist gesundheitlich zu einem Marsch ins Innere des verbliebenen deutschen Machtbereichs fähig, wer nicht. Für 186 körperlich stark geschwächte und kranke Häftlinge fällt das Todesurteil.

In den frühen Morgenstunden des 17. April werden die Häftlinge auf Lkw geladen, die die Leitung des Stahlwerks Gröditz bereitstellte. SS-Männer erschießen und verscharren die Häftlinge in einer Kiesgrube in Koselitz. Die meisten Namen der Opfer sind bis heute unbekannt.

Beate Klarsfeld, die sich mit ihrem französischen Ehemann Serge das Aufdecken von Nazi-Verbrechen zur Lebensaufgabe gemacht hat, kommt mit Angehörigen der Opfer nach Koselitz, um zweier Franzosen zu gedenken. Dank ihrer Recherchen wurde 1983 auch der frühere Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, von Bolivien ausgeliefert und in Frankreich verurteilt.

Zu Barbies Opfern gehören die beiden später in Koselitz erschossenen französischen Juden Leon Halaunbrenner und Jean Bloch, die im Teenageralter von 13 und 14 Jahren in Lyon und Toulouse 1943 und 1944 verhaftet und über Auschwitz und Sachsenhausen nach Gröditz gelangt waren. Ihnen setzen die Familien am Sonnabend am Denkmal für die Ermordeten jeweils einen Gedenkstein. Organisiert wird die Gedenkfeier von der Gemeinde Röderaue. „Das ist eine großartige Wertschätzung für das, was hier einst passiert ist“, sagt Jens Nagel, Historiker der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain. „Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Koselitz ein Verbrechen an Menschen aus ganz Europa war“, sagt Nagel.

Die öffentliche Gedenkfeier findet Sonnabend, 6. Juni, nahe der Kiesgrube an der Wülknitzer Straße (Höhe Ortsausgang Richtung Wülknitz) statt.