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Zittau

Klavierbauer möbelt Rathaus auf

Bechstein hat der Stadt Seifhennersdorf zwei historische Tische restauriert. Einen hatte man zufällig wiederentdeckt.

Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Karin Berndt zeigt  Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mitte) und CDU-Landtagsabgeordneten Stephan Meyer einen von Bechstein restaurierten historischen Tisch aus dem Rathaus.
Seifhennersdorfs Bürgermeisterin Karin Berndt zeigt Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mitte) und CDU-Landtagsabgeordneten Stephan Meyer einen von Bechstein restaurierten historischen Tisch aus dem Rathaus. © Matthias Weber

Als Produktionsleiter Matthias König vor wenigen Tagen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), CDU-Landtagsabgeordneten Stephan Meyer und weitere Gäste durch die  C. Bechstein Pianofortefabrik in Seifhennersdorf führte, gab es beim Firmen-Rundgang plötzlich einen nicht eingeplanten Zwischenstopp. 

Geschickt hatte Bürgermeisterin Karin Berndt (UBS) dafür gesorgt. Denn was im Vorraum der Lackiererei stand, wollte sie nicht unerwähnt lassen. Bechstein hatte für die Stadt kostenlos zwei historische Möbelstücke fachgerecht saniert. Stolz führte Karin Berndt die Gäste zu den zwei Tischen hin. "Wer will der Dame schon was abschlagen", meinte Matthias König. 

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Die Tische hatte einst Seifhennersdorfs berühmter Architekt Bruno Paul entworfen, der auch beim Bau des Rathauses mitgewirkt hatte. Bruno Paul ist einer der berühmtesten Söhne der Stadt und wird in einem Atemzug mit Zinzendorf, Polenz, Pückler und anderen Größen der Oberlausitz genannt. Größere Bauten hat Bruno Paul, dessen 50. Todestag die Stadt 2018 gedachte, Seifhennersdorf nicht hinterlassen. Die findet man dafür in Berlin, Frankfurt/M., Köln und Prag, beschreibt Dirk Herrmann im Lausitzer Hausbuch. Aber einige Einrichtungsgegenstände, die er entworfen hatte, gibt es heute noch in der Stadt.  

Bei den jetzt restaurierten Möbeln des Architekten handelt es sich um einen großen und einen kleineren Tisch. Es sind die beiden letzten noch erhaltenen Original-Möbelstücke, die 1925 zur Eröffnung des Seifhennersdorfer Rathauses im Ratssaal standen. 

"Was aus den anderen alten Tischen wurde, ist nicht bekannt", berichtet die Bürgermeisterin. Der große Ratstisch stand zuletzt in einem Nebenraum im Rathaus. "Sein Rand war abgeplatzt, so dass man leicht beim Vorbeigehen mit der Kleidung daran hängen bleiben konnte", erzählt Karin Berndt. Auf der Oberfläche gab es Wasserflecke und nicht fachgerechte Verschönerungsarbeiten sorgten zu DDR-Zeiten nicht gerade für neuen Glanz am historischen Möbelstück. 

Lange Zeit galt der Tisch als einzig erhaltenes Exemplar aus dem Original-Mobiliar des Ratssaales. Dann hatte die Bürgermeisterin zufällig im Bauhof den kleineren Tisch entdeckt. "Wisst ihr, was ihr hier stehen habt, hatte ich damals zu den Kollegen gesagt", erinnert sie sich. 

Karin Berndt ist froh, dass Bechsteins Produktionsleiter Matthias König nicht lange zögerte, als sie ihm von Bruno Paul und den zwei Möbelstücken erzählte. Denn für eine Restauration der Tische hat die Stadt kein Geld.

Nun sollen die beiden Bruno-Paul-Tische einen würdigen Platz im Rathaus bekommen. Die Bürgermeisterin kann sich gut vorstellen, dass zumindest der große Tisch wieder als Schmuckelement im Ratssaal stehen könnte.    

Michael Kretschmer und Stephan Meyer lobten ebenfalls das Engagement des Klavierbauers in der Stadt, der nicht nur immer wieder in seinen Firmenstandort in Seifhennersdorf investiert, sondern mit Konzertreihen auch das kulturelle Leben der Region bereichert.

Und die Konzert-Reihe "Kultur im Zelt am Anfang der Welt" wird 2019 fortgesetzt. Wie 2018 werden die Konzerte in einem großen Veranstaltungszelt auf dem Firmengelände gegeben. Das erste Konzert mit Graceland - eine Hommage an "Simon & Garfunkel" - ist ausgebucht. Für das zweite Konzert mit der Lausitzer Philharmonie am 7. September gibt es im SZ-Treffpunkt auf der Neustadt in Zittau noch Karten, ebenso für das am 14. September. Dann holt Bechstein die "Münchener Freiheit" nach Seifhennersdorf. 

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