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Bedenken wegen Schnellrestaurant

Ein Investor plant an der A4-Abfahrt Ottendorf einen Mc Donald’s. Bisher schien alles klar. Seit Montag nicht mehr.

Von Marleen Hollenbach

Wenn der kleine Hunger kommt, dann lockt der große Buchstabe eines bekannten Schnellrestaurants. Burger, Pommes, Salate – alles gibt es hier in wenigen Minuten. Wer möchte, der kann gemütlich am Tisch sitzen, oder einfach nur beim Vorbeifahren die Tüte mitnehmen. Dieses Angebot könnten auch die Ottendorfer bald nutzen. Ein Investor hat sich bei der Gemeindeverwaltung gemeldet. Er möchte zwischen der Autobahnabfahrt der A 4 und der Zufahrt zum Ottendorfer Gewerbepark ein Schnellrestaurant und eine Tankstelle errichten. Die Pläne hat er den Mitgliedern des Technischen Ausschusses bereits vorgestellt, hat ihre Bedenken angehört und ihre Fragen beantwortet. „Wir haben in einer Präsentation gesehen, wie das alles einmal aussehen soll“, erklärt Ottendorfs Bürgermeister Michael Langwald (parteilos). Am Ende sprachen sich die Ottendorfer mehrheitlich für das Projekt aus. Noch in diesem Jahr könnten die Bauarbeiten an der Radeberger Straße in Ottendorf-Okrilla beginnen, das Schnellrestaurant und die Tankstelle stehen.

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Anwohner haben Bedenken

So zumindest hatte sich das die Ottendorfer Gemeindeverwaltung vorgestellt. Bürgermeister Michael Langwald wähnte die Gemeinderatsmitglieder im Rücken. Um den Investor nicht zu verlieren, wollte er das Projekt jetzt beschleunigen. Am vergangenen Montag sollten sich die Gemeindevertreter noch einmal dafür aussprechen, den Bebauungsplan beschließen. Dann hätte einer flotten Umsetzung nichts mehr im Weg gestanden. „Wir haben uns auch für eine frühzeitige Bürgerbeteiligung entschieden, damit wir die Bedenken der Anwohner zeitig an den Investor weiterreichen können“, erklärte Bauamtsleiter Andreas Jäpel. Schon heute wollte er die Pläne im Rathaus öffentlich auslegen.

Doch auch wenn es um das Schnellrestaurant McDonald's geht, treffen die Gemeinderatsmitglieder keine eilige Entscheidung. Viele hatten am späten Montagabend auf einmal Bedenken gegen dieses Vorhaben. Im Fokus der Kritik stand die Rodung der Waldfläche, die mit dem Bauprojekt einhergeht. So wollte Grünbergs Ortsvorsteherin Heike Gaum (CDU) zum Beispiel wissen, welche Vorteile das Projekt der Gemeinde bringt. „Derzeit sehe ich nämlich keinen Sinn darin, den Wald dafür zu opfern“, sagte sie. Dem stimmte auch Gemeinderätin Birgit Pfützner (FDP) zu. „Der Wald ist doch ein wichtiger Lärmschutz für die Anwohner“, erklärte sie, fragte nach den Ausgleichsflächen. Bauamtsleiter Andreas Jäpel konnte aufklären. „Der Investor hat schon mit dem Sachsenforst gesprochen. Es wird eine Ausgleichsmaßnahme geben, nur nicht im Gemeindegebiet“, erklärte er. Ein Raunen ging durch den Raum. So hatten sich die Ottendorfer das wohl nicht vorgestellt. „Es gibt aber keine Alternativen. Der Investor will an dieser Stelle bauen oder gar nicht. Wir können uns jetzt dafür oder dagegen entscheiden“, sagte Bürgermeister Langwald, der so der aufkeimenden Standort-Diskussion zuvorkommen wollte.

Die Waldrodung war nicht der einzige Kritikpunkt. Eine weitere Befürchtung plagte die Gemeindevertreter. „Was ist, wenn an dieser Stelle dann noch ein Autohof entsteht?“, fragte René Edelmann (Linke) besorgt. Zwar konnte Bauamtsleiter Andreas Jäpel gleich beruhigen, den Gemeindemitgliedern mitteilen, dass das gar nicht geplant sei. Doch das reichte denen nicht. Unterstützung bekamen sie vom Ottendorfer Steffen Rödig, der bei der Anwohnersprechstunde seine Bedenken äußerte. „Ein Autohof zieht eine Klientel an, die wir hier in Ottendorf nicht gebrauchen können. Kriminalität ist da keine Ausnahme“, sagt er. Auch der Anwohner Heiko Vogel erklärte, dass viele Ottendorfer dem Projekt grundsätzlich sehr skeptisch gegenüberstehen würden. Einzig Gemeinderätin Ute Reichenauer (Linke) wusste auch am vergangenen Montag noch, warum der Technische Ausschuss sich damals für dieses Projekt entschieden hatte. „Ein Schnellrestaurant und eine Tankstelle bringen Arbeitsplätze. Außerdem müssen wir hier auch an unsere Jugend denken, die sich über ein solches Angebot sicherlich freuen würde“, sagte sie.

Und nun? Es hilft alles nichts: Die Entscheidung muss vertagt werden. Der Ortschaftsrat von Ottendorf soll es richten. „Bei so einem großen Bauprojekt ist es wichtig, die Meinung des Ortschaftsrates vorher einzuholen“, erklärte Mirko Thomas (CDU) am Ende der Diskussion. Darauf konnten sich alle Gemeinderatsmitglieder einigen. Und auch Bürgermeister Michael Langwald gab sich geschlagen. „Nach der durchweg positiven Resonanz im Ausschuss war nicht absehbar, dass das Thema eine solche Brisanz hat. Aber wenn Diskussionsbedarf besteht, müssen wir diesen Weg gehen“, sagte er. Am 10. April tagt der Ottendorfer Ortschaftsrat. Anschließend wird das Projekt bei der Gemeinderatssitzung wieder auf der Tagesordnung stehen. Noch vor Ostern soll das geschehen. Dann will es der Bürgermeister aber wissen. Burger und Fritten in Ottendorf – ja oder nein.