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Bedingungslose Liebe zu einem alten Stein

Bernstadt. Nur demunerschütterlichen Willen einer Rentnerin ist es zu verdanken, dass einewertvolle Postmeilensäule jetzt restauriert wurde.

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Von Daniela Pfeiffer

Nein, Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Dafür ist sie jetzt umso größer. Die Liebe von Anneliese Tschiedel zum Postmeilenstein von der Russenstraße. „Das ist so richtig mein Stein geworden“, schwärmt die 63-Jährige.

Doch zumindest hat die Bernstädterin erreicht, was vor ihr keiner schaffte: Den wertvollen Stein endlich restaurieren zu lassen. „Das wurde schon zu DDR-Zeiten und dann noch mal 1997 in Angriff genommen, ist aber nie etwas geworden“, weiß Anneliese Tschiedel.

Zuerst selbst nicht beachtet

Sie selbst ist lange achtlos an ihrem heutigen Liebling vorbeigegangen. „Klar habe ich den alten Stein gesehen, wir sind ja jeden Sonntag mit meinem Mann daran vorbeispaziert. Aber ich wusste ja nicht, wie wertvoll der Stein ist.“ Bis Frau Tschiedel zufällig eine Äußerung von Peter Schöne, dem ehemaligen Bernstädter Museumsleiter, hörte. „Da ging es um diesen Stein. Und das es ein ganz besonderer sei. Aber das Gespräch war voller Resignation, eine Restaurierung wäre nicht möglich.“

Dann lief im MDR-Radio ein Beitrag über den Ostritzer Steinmetz Hans-Joachim Herbig. Das „Projekt Postmeilenstein“ war für Anneliese Tschiedel ab sofort beschlossene Sache. Auch wenn ihr viele Ansprechpartner versicherten: Das schaffen Sie sowieso nicht.

Doch die einfache Bürgerin mobilisierte, wen sie konnte. Bürgermeister, Bauamtsleiter, MDR, Steinmetz Herbig, Denkmalpflege, die Forschungsgruppe „Kursächsische Postmeilensäulen“. „Was ich für Telefonate geführt habe“, seufzt die fröhliche Frau heute erleichtert. „Ich hatte ja von nichts eine Ahnung. Ich musste mir die Fachleute alle zusammensuchen und sie dann überzeugen.“

1 300 Euro Spenden zusammen

Denn die Sandsteinsäule war in einem wahrhaft schlechten Zustand. Die obere Kuppe war völlig ab, der Stein war verwittert, die Aufschriften nur noch ansatzweise zu lesen oder zu ertasten. „Daher auch der Irrtum mit dem Posthorn. Wir dachten immer, es sei eines auf der Nordseite gewesen.“ Steinmetz Herbig stellte allerdings fest, dass da nie etwas war. Schließlich zeigt die Nordseite zum Feld.

Als Frau Tschiedel Steinmetz, Stadt und Denkmalpflege im Boot hatte, war noch die Sache mit dem Geld zu lösen: 3 500 Euro waren nötig. Und auch für das Problem ließ sich Anneliese Tschiedel etwas einfallen. Sie machte sich ans Spendensammeln. Von einer Görlitzer Werbefirma ließ sie Spendenplakate entwerfen, die als Aufkleber sogar Familie Tschiedels Auto zieren. Stattliche 1 300 Euro kamen bislang zusammen. Und obwohl das eigentlich noch nicht reicht, ist der Stein bereits fertig restauriert. „Er liegt dem Herrn Herbig auch sehr am Herzen“, weiß Anneliese Tschiedel. Deshalb soll er schon vor der Zahlung der Restsumme wieder aufgestellt werden.