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Begeistert von den Krummschnäbeln

Heinz Schlanstedt züchtet seit mehr als vier Jahrzehnten exotische Vögel. Seine Tiere und viele andere kann man am Wochenende in Göda bewundern.

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© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Königswartha/Göda. Die Doppelgelbkopf-Amazone ist erst ein Vierteljahr alt und schon sehr zutraulich. Kein Wunder, denn Heinz Schlanstedt hat den Vogel von Hand aufgezogen. Für den erfahrenen Züchter kein Problem. Wie er sagt, müssen Großvögel laut Vorschrift als Jungtiere beringt werden. Dies kann aber dazu führen, dass die Eltern dann das Tier nicht mehr annehmen und der Züchter einspringen muss. Aber an und für sich ist es nicht Heinz Schlanstedts Anliegen, die Vögel zu zähmen. Deswegen gibt er ihnen auch keine Namen. Das überlässt er den Käufern der Tiere. Dass Papageien und andere Groß-Sittiche sprechen lernen, sei für ihn als Züchter auch eher ein Nebeneffekt. Auf alle Fälle wünscht er sich, dass Käufer von Jungvögeln auch noch möglichst jung sein sollten, denn die Krummschnäbel können ja sehr alt werden, mindestens 30 bis 40 Jahre.

Heinz Schlanstedt war auch noch sehr jung, als er mit der Vogelzucht anfing. In diesem Jahr kann der 67-Jährige sein 45. Jubiläum als Vereinsvorsitzender der Vogelzüchter aus Bautzen und Umgebung feiern. Vor der Wende waren die Vogelfreunde beim VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) angesiedelt, heute nennen sie sich Verein der Vogelfreunde Bautzen. Insgesamt blicken die Züchter auf eine 125-jährige Vereinsgeschichte zurück.

Früher zählte der Verein um die 100 Mitglieder, heute sind es nur noch 26. Heinz Schlanstedt führt den Rückgang auch darauf zurück, dass Jugendliche heute nur noch schwer für dieses schöne Hobby zu begeistern sind. Dies wiederum läge unter anderem auch daran, dass junge Leute heute beruflich sehr eingespannt sind. Außerdem gäbe es heute mehr Streitigkeiten unter den Nachbarn, wenn die Vögel zu laut sind. Und Papageien machten nun einmal relativ viel Krach. Dennoch schwört der Königswarthaer auf seine Krummschnäbel. „Diese Leidenschaft hat mich nie losgelassen“, sagt er. Die Tiere heranwachsen zu sehen, bereite ihm nach wie vor viel Freude. Und natürlich auch, dass er sie dann in gute Hände abgeben kann. Der Ingenieur für Fördertechnik, der vor der Wende in den Mechanischen Werkstätten Königswartha arbeitete, machte nach 1990 sein Hobby zum Beruf und eröffnete in Königswartha eine Zoohandlung, die er nun auch schon seit 28 Jahren führt. Jetzt, als Rentner, öffnet er allerdings nur noch verkürzt. Heinz Schlanstedt freut sich, dass sein jüngster Sohn Erik seine Leidenschaft für Tiere geerbt hat. Denn im Haushalt tummeln sich außerdem auch noch jede Menge Rassekatzen. Da muss immer jemand zu Hause sein, der sich um die Tiere kümmert, wenn Heinz Schlanstedt und seine Frau zu Ausstellungen fahren.

Am Wochenende findet nun wieder die traditionelle Vereins-Ausstellung der Vogelzüchter statt. Nachdem sie viele Jahre in Bautzen aufgebaut wurde, ist sie nun zum zweiten Mal in der Turnhalle Göda zu sehen. Die Hallen-Preise in der Kreisstadt seien einfach für die Züchter unerschwinglich geworden, sagt Heinz Schlanstedt. Der einzige Nachteil sei, dass man in Göda wegen der geringen Größe der Halle nun nicht mehr zusammen mit den Terrarienfreunden ausstellen kann.

Die Vereins-Ausstellung der Bautzener Vogelfreunde ist am Sonnabend von 9 bis 18 Uhr und am Sonntag von 9 bis 17 Uhr in der Turnhalle Göda, Schulstraße 14 zu sehen. Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1 Euro